Rogue One – A Star Wars Story (Spoilerfreies Review)

Gepostet vor 8 Monaten, 9 Tagen in #Movies #Review #StarWars

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★★★★☆

Die Grundzüge der Geschichte sind bekannt: Gareth Edwards Rogue One erzählt nach einem Buch von Chris Weitz und Tony Gilroy die Star Wars-Story, die im Opening Crawl von A New Hope in den ersten Sätzen angerissen wird: „It is a period of civil war. Rebel spaceships, striking from a hidden base, have won their first victory against the evil Galactic Empire. During the battle, Rebel spies managed to steal secret plans to the Empire’s ultimate weapon, the DEATH STAR, an armored space station with enough power to destroy an entire planet.“

Jyn Erso wird zur unfreiwilligen Anführerin eines Trupps der Rebellion, die es sich zur Aufgabe machen, eben jene geheimen Pläne des Imperiums zu erbeuten, bevor die Story ihr unvermeidliches Ende findet und nahtlos in A New Hope übergeht und unterwegs finden sich neue Freunde, alte Feinde und es geht natürlich allerhand zu Bruch.

Rogue One ist zum Auftakt ein wenig zu sprunghaft, die Etablierung der verschiedenen Charaktere leidet unter ständigen Ortswechseln, die das Abheben der Story ein bisschen wackelig machen. Dafür knallt die zweite Hälfte des Films umso mehr: Die Tricks sind (bis auf zwei Ausnahmen) fantastisch und Gareth Edwards Gefühl für Größenverhältnisse macht sich grade im Star Wars-Universum bezahlt. Die AT-ATs wirken vor den Palmen nochmal gigantischer, die Sternenzerstörer neben den Tie-Fightern ebenso und der Todesstern hat gleiche eine ganze Reihe von zum Sterben schönen Auftritte (literally).

Der Film serviert selbstverständlich Fan-Service en masse, ist dabei aber nie so grobschlächtig wie The Force Awakens, der gleich die ganze Original-Trilogie in ein Mashup remixte (was ich als Statement für zeitgeistiges Filmschaffen und in der Scharnierfunktion des innerhalb der Saga allerdings sehr angemessen fand). Rogue ist zwar nie subtil, aber die Cameos, die kurzen Auftritte von altbekannten Figuren, die immer wieder im Hintergrund für Sekunden auftauchenden Aliens aus den Vorgängern machen den Film auf eine sehr verspielte Art sehr sympathisch. Und natürlich Vader, der nicht oft im Film zu sehen ist, das aber in einer jedesmal gesteigerten Form und eine Szene ist ein waschechter Nerdgasm.

Es gibt allerdings in Rogues Rückgriffen auf die Originaltrilogie genau einen einzigen Aspekt, an dem Rogue One vollständig versagt. Es handelt sich zwar „nur“ um den oben bereits angesprochenen Effekt (genau genommen zwei), ist also „nur“ Technik, die man zugunsten der Narration problemlos schulterzuckend mitnehmen und damit leben kann, dieses Versagen ist allerdings so gravierend, dass sie mich komplett aus der Szene katapultierte und es mir nicht wirklich möglich war, dem Geschehen zu folgen. Ich habe allerdings mit Leuten nach dem Screening gesprochen, die das gar nicht so dramatisch empfanden. Ihr wisst, was ich meine, wenn ihr es seht – garantiert. (Zweimal.)

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Die Kamera von Greig Fraser ist fantastisch, Rogue One ist voller kontrastreicher Spiele mit Licht und Schatten, die Gewicht auf die tausend unterschiedlichen Texturen von Raumschiffen und Planetenoberflächen legen, dazu Gareth Edwards Auge für Scale und wir haben den vielleicht bestaussehendsten Star Wars nach Empire.

Rogue überzeugt allerdings nicht nur technisch (bis auf zwei Ausnahmen und wenn ihr die gesehen habt, werdet ihr wissen, warum ich mehrfach darauf hinweise, weil seriously WTF): Auch wenn die Charaktere in Rogue ein wenig mehr Entwicklung vertragen könnten und in einigen Fällen leider blass bleiben, bietet Rogue durch seine Figuren-Konstellation sehr wohl eine emotionale Komplexität, die den Film nicht nur wie ein beliebiges Spinoff wirken lässt, in dem einfach eine Story erzählt wird, die mit dem Restuniversum nicht viel zu tun hat, sondern der Film bohrt seine Prämisse mit einigen Entscheidungen seiner Figuren in den emotionalen Kern der Saga und macht den Film damit viel eher zu einer Episode 3.5. Dieser Kern ist natürlich die Familie. Sie ist es letztlich, die diesen Film mit A New Hope zusammenschweißt und dem Film die emotionale Tiefe verleiht, die er durch seine wackelige Charakterzeichnung ansonsten vermissen lassen würde.

Die Figuren sind trotzdem allesamt sehr sympathisch gezeichnet, von der sich von fatalistischer Survival-Schurkin zur idealistischen Rebellin wandelnden Jyn, dem Martial Arts-Mönch Chirrut (Donnie Yen) und seinem Beschützer mit den dicken Knarren Baze Malbus (Wen Jiang) bis hin zum ambivalenten Spion Diego Luna und dem von Ben Mendelsohn wunderbar verkniffen gespielten Villain Orson Krennic. Und dann natürlich K-2SO, dem sarkastischen Robot der Truppe – als seine menschlichen Mitstreiter bemerken, dass sie es nicht überleben würden, ins Weltall geschleudert zu werden, meint K2 nur: „Ich schon.“ Endlich hat Star Wars seinen eigenen Marvin.

Und schließlich: Rogue hat wohl die großartigste Weltraumschlacht der kompletten Saga. Es scheint, als habe man sich den Battle of Endor aus Return of the Jedi angesehen und dann die Lautstärke auf 11 gedreht. Alleine wäre das noch kein wirklicher Gewinn, aber im Zusammenspiel mit Gareth Edwards genauer Inszenierung von Action im Raum und der parallel ablaufenden Jagd nach den Plänen des Todessterns ergibt sich hier ein hochspannendes und fulminantes letztes Finale, wie man es so in der Saga noch nicht gesehen hat. Wäre der Beginn nicht so wackelig (und die zwei FX nicht so verkackt), müsste man fast behaupten, Rogue wäre der bislang beste Teil der Star Wars-Serie.

Die Macht ist stark in diesem hier.

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