Links 13. 12. 2016: Fakenews-Fakenews, Trumps Gaslighting und die kuschelige Echokammer

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Superseriöse Nachrichtenquelle mit einem Ratgeber: Alles, was Sie jetzt über Fake-News wissen müssen. No smiley.

Teen Vogue (!) mit einer genauso passenden wie linksideologisch eingeengten Lesart von Trumps Wahlsieg: Donald Trump Is Gaslighting America:

To gas light is to psychologically manipulate a person to the point where they question their own sanity, and that’s precisely what Trump is doing to this country. He gained traction in the election by swearing off the lies of politicians, while constantly contradicting himself, often without bothering to conceal the conflicts within his own sound bites. He lied to us over and over again, then took all accusations of his falsehoods and spun them into evidence of bias.

At the hands of Trump, facts have become interchangeable with opinions, blinding us into arguing amongst ourselves, as our very reality is called into question. […] the whole tactic is to clog the drain with an indecipherable mass of toxic waste. The gas lighting part comes in when the fictions are disputed by the media, and Trump doubles down on his lies, before painting himself as a victim of unfair coverage, sometimes even threatening to revoke access.

Dazu ergänzend: TAZ: Expertin über sprachliche Manipulation – „Finger weg vom AfD-Wording!“: „Rechtspopulisten sind Meister des Framings: Trump und die AfD setzen auf emotionale Geschichten, nicht auf Fakten.“

Es geht also nur noch um Werte und nicht um Fakten. Leben wir also wirklich in einem „postfaktischen Zeitalter“?

Framing wird oft missverstanden als Emotionen versus Fakten. Doch Framing bedeutet, die unterschiedlichen ideologischen Perspektiven, die wir auf Fakten einnehmen, wahrnehmbar zu machen. Den Parteien liegen die gleichen Fakten vor, doch sie leiten unterschiedliche Handlungsvorschläge aus ihnen ab. Die moralische Dringlichkeit von Fakten aus der eigenen Ideologie heraus fassbar zu machen – das ist Framing. Man kann also nicht sagen: Jetzt ist alles postfaktisch – es geht nur noch um Emotionen. Sicher sind Emotionen bei der politischen Entscheidungsfindung beteiligt. Es wäre ja auch naiv zu glauben, dass in der Politik auf einmal alle Emotionen ausgeschaltet sind. Aber das Tragende, das haben wir herausgefunden, sind weder Fakten noch Emotionen, sondern es ist die Ideologie. Der Mensch orientiert sich in seiner Wahlentscheidung nach Werten.

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FakeNews-FakeNews: Nachdenkseiten: Putin zieht mit Sexmobs in den hybriden Krieg gegen Deutschland? Nun dreht die BILD-Zeitung endgültig durch:

Wie war das noch mal mit „postfaktischer“ Berichterstattung? Frei und losgelöst von Fakten macht die BILD sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Ja, neu ist das nicht. Mit 338 Millionen Besuchen pro Monat und einer Tagesreichweite von vier Millionen Menschen ist Bild.de noch vor SPIEGEL Online und Focus Online das mit großem Abstand erfolgreichste redaktionelle Internetangebot des Landes. Und die Leute schauen sich dort nicht nur nackte Frauen und Berichte über Fußball an. So absurd diese Berichte auch sind – sie haben gesellschaftliche Relevanz und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.

Auch wenn BILD eigentlich schon immer kontrafaktisch berichtet, ist dies vielen Lesern gar nicht so bewusst. Das liegt daran, dass BILD immer wieder sogenannte „Experten“ findet, denen man selbst die krudesten Zitate in den Mund legen kann. Und sogar Putins Sexmob ist natürlich „glaubwürdiger“, wenn er nicht von einem BILD-Redakteur, sondern von dem Senior Fellow einer angesehenen Denkfabrik kommt.

Ich glaube, ich habe die dümmste Reaktion auf die Debatten der vergangenen Wochen gefunden: Guardian: Get out of my echo chamber. It's cosy in here. Aus diesem furchtbar dämlichen Stück Geschriebenes über das trotzige Nichtverlassenwollen der Comfort Zone (<-- veraltetes Wort für Filterbubble) möchte ich nichts zitieren, dafür aber einen Kommentar darunter im Vollzitat:

This is the conclusion I come to when I read the regular urgings to exit my echo chamber. To listen to opposing voices, to read the views of Trumpers and uncles, to pierce our conceited, content bubble. To live in the real world. Which if we’re being clear, I think, means, “one with racists in”.

*whoooooooshhhhhh*

The whole point of having a "balanced media diet", or, in plain English, seeking and respecting other people's points of view, is to break free of the emotionally comforting trap of thinking that everyone who disagrees with you must also therefore be a racist or a homophobe.

There are plenty (even a majority) of people in Britain, the US, and elsewhere who oppose government spending, or abortion, or unrestricted immigration, who are not bigots in the traditional sense: they do not hate minorities or the socially disadvantaged, but their value priorities lie elsewhere. They do not hate women; they think that the life of a foetus is as valuable as that of a legal person. They do not hate the poor; they think everyone's interests are better served by being given the chance to make one's own fortune without interference. Flawed views? Maybe. Hateful views? Mostly not.

There are indeed many racists and bigots and Jon Voights among Trump and Brexit voters, but to tar all of them with the same brush is also a tactical insanity: you go from a situation where the bigots are vastly outnumbered, and so frowned upon and marginalised, to one where you stir up a much more equitable division between mutually aggrieved and offended groups of people.

If you find that everything you have seen on the internet and social media does suggest that all of these people are racists and bigots, then perhaps that tells you more about how those media systems work, than it does about people. Look at the messages and articles of the people you agree with: are they not also beginning to sound more shrill and extreme? Take some initiative and go out and find some other channels of communication - the real world is much less frightening than it appears from your sofa.

The appropriate response to views that you disagree with is not to dismiss, to accuse, to shame, and to ignore. It is to take on the challenging task of convincing the people who hold those views, in terms they understand and can relate to, what the purpose and meaning of showing solidarity with the weak and the oppressed is.

If you prefer to coccoon yourself with people who agree with you because it is "cosy", then I would suggest that you have considered the huge societal challenge facing us, and chosen simply to give up because it's too hard. If your choice is to remain in this coccoon, I would rather you gave up talking or writing about politics altogether - by avoiding adding to the increasing political polarisation of our time, your net contribution to society might be greater if you did nothing.

Tagesspiegel: Political Correctness – Der Hochmut der Vernünftigen, dieser Absatz darin fasst meine Haltung ziemlich gut zusammen:

Die Klügeren unter den Atheisten bestreiten zwar die Existenz Gottes, akzeptieren aber Religion als soziale Tatsache. Ähnlich sollten die Klügeren unter den Verteidigern des Fortschritts sich verhalten: Sie können mehr erreichen, wenn sie die Ablehnung der kulturellen Moderne als Tatsache akzeptieren und deshalb viel genauer auf die Wirkung der eigenen Überzeugungsversuche schauen können. Wer aber ein Monopol der eigenen Urteile im öffentlichen Diskurs durchsetzen will und damit den Eindruck von Indoktrination erweckt, macht die Gegenkräfte stark.

Dazu auch etwas drastischer auf Telepolis: Wer uns nicht versteht, ist dumm.

LOL CSU Du Otto: Netzpolitik: Falschmeldungsverbot: Wie stellen Sie sich das jetzt vor, Herr Mayer? Der CSU-Politiker und Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer fordert, dass Desinformationskampagnen strafbar werden sollen. Der Tagesspiegel berichtet: „Im Falle von Desinformationskampagnen fehle auch eine rechtliche Grundlage zur Strafverfolgung: 'Damit müssen wir uns dringend auseinandersetzen und einen entsprechenden Straftatbestand schaffen.' Dann müsse das Internet verstärkt auf sogenannte Fake-Kampagnen – also die Verbreitung von Falschmeldungen – durchsucht und überprüft werden. Dafür allerdings wäre ein erheblicher Personaleinsatz nötig.“

Übermedien: Der Code der Neuen Rechten:

Rechtsextrem oder nicht – diese pauschalen Etiketten reichen nicht mehr. Journalisten werden vor allem Ideologien künftig präziser analysieren und einordnen müssen. Bislang wird Rechtsextremismus gern in einer Art Zirkelschluss festgestellt. Extrem ist demnach eine Partei, wenn ihre Politiker aus der rechtsextremistischen Szene stammen. Und eine Szene gilt als rechtsextrem, wenn sich Personen in ihr tummeln, die etwa durch die Mitgliedschaft in einer Neonazi -Organisation bereits als rechtsextrem aufgefallen sind.

Das führt zu dem Trugschluss, bislang unauffällige Bürger oder Politiker könnten per se keine Rechtsextremisten sein. Doch Rechtsextremismus zeigt sich sowohl im Verhalten als auch durch Einstellungen. Mit der rechtsextremen Vorstellung einer auf Abstammung basierenden „Volksgemeinschaft“ sympathisieren längst nicht nur Neonazis.

Ja. Salonkolumnisten: TRUMP UND DAS ENDE DER LINKEN WIE WIR SIE KENNEN:

Bleibt nun die Frage, wem es zukommt, sich der Debatte gegen und mit den Rechtspopulisten auf eine Weise zu stellen, die nicht nur gute Haltungsnoten in den Medien und der eigenen Szene bringt, sondern so effektiv ist, dass sie den aufkommenden reaktionären Sturm aufhalten oder wenigstens brechen kann, so dass die Offene Gesellschaft eine Chance hat, ihn zu überstehen.

Zum einen Teil sind das die liberalen und libertären Kreise, denen Postmaterialismus und jeder poststrukturalistische Duktus fremd sind und die so überhaupt noch eine Chance haben, sprachlich verstanden zu werden, aber gleichzeitig auch aus ihrem Selbstverständnis die Errungenschaften der Identitätspolitik bewahren könnten. Dafür müssten diese ihre Arroganz gegenüber dem, was sie oft als niedere Klassen betrachten, ablegen. Ob sie das schaffen, ist fraglich.

Auch die Teile Linken, denen es jetzt schnell gelingt, sich zu wandeln, können in den auf uns zukommenden Konflikten wichtig werden. Sowohl in der SPD als auch bei der Linkspartei, ja selbst bei den Grünen, gibt es nicht Wenige, die mit der Entwicklung der Linken hadern, aber lieber den Mund halten, als sich gegen die Parteilinie zu stellen.

Diese linken und liberalen Kräfte sollten sich allerdings beeilen. Es bedarf einer steilen Lernkurve- und je früher die einsetzt, um so größer sind die Erfolgschancen.

Pope sez Fuck Your Hand!

I find this far funnier than I should:

Hell is impatient, Goldenboy.

Then this happened: A sinkhole has opened in front of President Donald Trump’s Mar-a-Lago Club, according to an email alert…

*RECORDSCRATCH*FREEZEFRAME* Pope: Yep that's me. You're probably wondering how I ended up in this situation. 👹😡

Ich muss mir dieses Bild vom Trump beim Papst ins Blog kleben und ein paar der tausend Meme dazu. Pics…

Neulich in Darmstadt: Das Geile Neue Internet – Potential of (visible) Infinite Idea Space

[update] Hier ein Livestream auf Facebook. Hier der Vortrag auf Youtube. Wer einem sehr nervösen Typen auf einer Bühne beim…

Doku: Manipuliert

Das ZDF hat Sascha Lobos Dokumentation über DasGeileNeueInternet über Manipulationstechniken im Netz auf Youtube online gestellt: „In dem Social-Factual-Format veranschaulicht…

Lou Reeds „Walk On The Wild Side“ is transphobic

I'll leave this here without comment (yet): Is Walk on the Wild Side transphobic? Student group issues apology after playing…

Wie der Netzfeminismus von Frosch-Monstern aus der postmodernen Hölle verschluckt wurde

tl;dr: Der Netzfeminismus ist krank, schon seit Jahren. Er muss sich erneuern, denn wir brauchen Euch. Das transkribierte Interview mit…

The Internet right now feels like an empty beach, 20 minutes before the Tsunami hits.

Shit's going down.

Sifftwitter: Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen

Luca Hammer auf der Republica gestern über Sifftwitter: Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen. (Vorher auf NC: Das versiffte Trolltwitter,…

Pepe R.I.P.

Matt Furie, Zeichner des Original-Pepe-Cartoons, hat seine Comicfigur getötet. In the World’s Greatest Cartoonists volume from Fantagraphics for Free Comic…

LCD Soundsystem wrote a song about DasGeileNeueInternet

LCD Soundsystem haben gestern sieben Jahre nach ihrer Irgendwie-kein-Bock-mehr-aber-irgendwie-auch-schon-noch-Auflösung die ersten beiden Comeback-Songs gepostet. Und einer davon, ein weiteres Anthem…