Links 7.12.2016: Die Wir-Kapazität, universalistische Identitätspolitik und Steven Pinker über die Nicht-Apokalypse

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Frau Meike: Die Befreiung des Ich:

Die natürliche Gruppengröße wird Dunbar-Zahl genannt. Sie steht für die Anzahl der Menschen, denen ein einzelner Mensch nahe sein, mit der er Gemeinsamkeit empfinden, sinnvoll interagieren, denen gegenüber er sich verpflichtet und verantwortlich fühlen, kurz: mit denen er soziale Bindungen eingehen kann. Es gibt also eine natürliche Grenze der menschlichen, nennen wir sie Wir-Kapazität, und diese Grenze markiert keine Millionenmetropole, sondern ein kleines Dorf. […]

Ich halte Diversität für etwas Gutes, mein Leben ist durch die kulturelle, weltanschauliche und sexuelle Vielfalt, die sich mir durch das Internet täglich offenbart, so viel reicher, mein Horizont so viel weiter geworden, aber das ändert nichts daran, dass es Menschen gibt, die das Limit der Dunbar-Zahl täglich spüren. Die sich durch die zahlenmäßig und medial unüberschaubare, heterogene Gemeinschaft überfordert fühlen, eingeengt und unfrei. Nicht weil sie Egoisten oder Rassisten sind, sondern weil in ihren Gehirnen ein Instinkt dafür existiert, wie Gemeinschaft funktioniert, von dem die Realität weit abweicht.

Das Ich muss auch in einer Weltordnung, die auf Empathie basiert, einen Platz bekommen, den die Gesellschaft ihm zugesteht, ohne ständig über seine mangelnde Aufopferungsbereitschaft die Nase zu rümpfen.

Weather.com: Note to Breitbart: Earth Is Not Cooling, Climate Change Is Real and Please Stop Using Our Video to Mislead Americans

Zeit: Identitätspolitik – Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden:

Lilla und Soboczynski geht es um einen politischen Universalismus, der Minderheiten nicht ausgrenzt, sondern alle als gleiche Bürger anspricht. Um zu seinem Bannspruch über Lilla zu kommen, muss Bahners dessen zentrales Argument unter den Tisch fallen lassen: dass Identitätspolitik nämlich rechts wie links geht. Dass man im Namen der Identität nicht nur progressive Emanzipationsprojekte betreiben kann, sondern auch sehr finstere: Der Ku-Klux-Klan, schreibt Lilla, war eine identitätspolitische Bewegung. Und es ist auch kein Zufall, dass die Identitäre Bewegung in Europa so heißt, wie sie heißt: Die Berufung auf Identität ist ein mächtiges Instrument der Ausgrenzung und des Antiindividualismus.

Wenn politische Forderungen dann Aussicht auf Durchsetzung haben, wenn sie im Namen einer Gruppe formuliert werden, wird jeder Bürger, dessen Stolz es war, ein Individuum zu sein, dafür belohnt, sich als Vertreter einer Gruppe zu verstehen. Alle unsere politischen Projekte wurden so über die Jahre identitätspolitisch eingefärbt. Teilweise mit gutem Grund. Aber über den Preis, der dafür zu zahlen war, wurde zu wenig nachgedacht. Es wurden nur bestimmte, als progressiv empfundene Lebensformen identitätspolitisch prämiert. Diversity wurde gefeiert, aber es wurde nicht gesehen, dass auch family values und Abtreibungsächtung von ihren Anhängern in den Fly-over-Staaten als identitätspolitische Herzensangelegenheit betrachtet werden. Jetzt rüstet die Gegenseite identitätspolitisch nach und vergesellschaftet sich über ihre weiße Hautfarbe. Das ist nicht angenehm, denn die Politisierung von Identität kann enorme Affekte mobilisieren.

Interessante Argumente gegen ein Grundeinkommen: Warum das bedingungslose Grundeinkommen eine neoliberale Idee ist, die dich ärmer machen wird.

Das Grundeinkommen lindert weder Armut noch wandelt es soziale Notwendigkeiten um, in Produkte mit Gewinnpotenzial. Um Ungleichheit wirklich anzusprechen brauchen wir eine adäquate soziale Versorgung. Wenn wir die Bedürftigkeitsprüfung und Abhängigkeit von kapitalistischer Beschäftigung verringern wollen, dann können wir dies durch Kapazitätsplanung erreichen. Unsere politischen Forderungen sollten ausreichend Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Bildung, Kinderbetreuung und alle grundlegenden menschlichen Bedürfnisse einfordern. Statt für ein Grundeinkommem sollten wir lieber für ein Grundauskommen kämpfen – für das Recht auf Leben und Gerechtigkeit, nicht nur das Recht Geld auszugeben.

Steven Pinker: The United States Is Not an Apocalyptic Wasteland:

The media and intelligentsia were partly complicit in Trump’s depiction of the world as a dystopia headed for even greater disaster. “Charge the cockpit or you die!” cried the pro-Trump intellectual right. “I’d rather see the empire burn to the ground under Trump, opening up at least the possibility of radical change, than cruise on autopilot under Clinton,” said the pro-Trump left. When people believe that the world is heading off a cliff, they are receptive to the perennial appeal of demagogues: “What do you have to lose?”

But if the media and intellectuals put events into statistical and historical context, rather than constantly crying “crisis,” they would make it clearer what the answer to that question is.

Joi Ito (MIT Media Lab) über Trump als wahrscheinlichen Auslöser eines neuen Punk-Moments: Joi Ito Explains Why Donald Trump Is Like the Sex Pistols.

People want a culture change, and this moment reminds me of the beginning of punk rock, or the beginning of the hippie movement. But I’d hate for Trump to be our millennial Sex Pistols or Timothy Leary or the Beatles. We need something like the Beatles that captures the hearts and minds of people. We’re ripe for a new cultural movement. Culture movements and art and punk rock thrive under bad presidents. The music was better under Reagan and Nixon than it was under Obama. I think that the doomsday scenarios tend to promote the arts. A lot of my energy now is in trying to provide tools to the young people to try to organize.

Scientific American: Three Historical Examples of "Fake News":

In 1782, Benjamin Franklin created a fake issue of a Boston newspaper. The main story was quite gruesome: it maintained that American forces had discovered bags of money and goods that appeared bound for the King, but included among them that included the scalps of soldiers and civilians. The bag of scalps included a letter addressed to the King asking him to accept the scalps as a token of friendship and loyalty. Franklin sent the newspaper to his friends, who forwarded it to their friends and soon enough the story had been republished in other colonial newspapers. There were signs the original document was a fake--the typeface, for example-- but these clues were lost in the sensationalism of the information. The public was outraged. In this case, Franklin's "news" added to the animosity directed against Native Americans and helped establish them as non-Americans who could not be trusted nor should be accepted in the new Republic. The story was resurrected at a later date as well as "evidence" of the depravity of Native Americans during the War of 1812.

Facebook’s Walled Wonderland Is Inherently Incompatible With News: „Here is an important question: How does news fit in Facebook’s walled Wonderland? Short answer: it doesn’t.“

RechtsLinks 24.4.2017: Milch-Bukkake in Berkley, Twitter-Bombs und The Age of Offence

Kurzer Nachtrag zur Milch: Ein „Free Speech-Aktivist“/wahrscheinlicher Trump-Supporter/möglicher 4chan-Troll mit Milch-Bukkake während der Straßenschlacht in Berkley. [update] Handelt sich bei…

Field Guide to Fake News

„A Field Guide to Fake News explores the use of digital methods to trace the production, circulation and reception of…

Podcasts: Gegen den Zorn und Homo Deus: A Brief History of Tomorrow

Zwei weitere Podcasts, die am Wochenende in meinem Feedreader aufgeschlagen sind und die beide superinteressant klingen: Das Philosophiemagazin Sein und…

Protest Sine

Großartige Protest-Schilder vom March of Science gestern, mehr bei CNN, Washington Post, Time, Boston.com und Motherboard.

Trumps Elements of Style

I ❤️ McSweeneys --> TRUMP’S ELEMENTS OF STYLE by KATHRYN PETRAS AND ROSS PETRAS Strunk Rule: Omit needless words Trump…

Understanding Fake News (from an Indie-Media-Perspective)

Gutes Video von Tim Pool (Youtube, Twitter, Patreon, Ex-Vice, Ex-Fusion), ein Erklärungsversuch von Fake News und hyperpartisan Websites aus Perspektive…

Donald Vladimir Kim Hyperflesh-Masks auf Ebay

Donald, Vladimir und der Kim als Hyperflesh-Maske auf Ebay.

istrumpatmaralago.org

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Techno-Reue in der Hyperrealität

Auszug aus Social Media-Kritiker Geert Lovinks neuem Buch Im Bann der Plattformen – Die nächste Runde der Netzkritik auf Monde…

Kurzdoku: The Moderators

20minütige Kurz-Doku von Adrian Chen und Ciaran Cassidy für Field of Vision über Bewerber für den Job als Nippel-Identifikator bei…

Pew Research über die Zukunft von DasGeileNeueInternet

Das Pew Research Center hat 1537 Wissenschaftler, CEOs, Politiker und Techies (u.a. Cory Doctorow, Richard Stallman oder John Markoff) befragt,…