Making Of des Schlafzimmers in der Berliner U-Bahn

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Rocco und seine Brüder sind das Kunstkollektiv, das Anfang des Jahres ein Schlafzimmer in der Berliner U-Bahn installierten. Jetzt gibt's ein Making Of zur Aktion:

An einem Februar Morgen vermeldeten die Boulevardzeitungen Berlins ein seltsames Ereignis. Mitarbeiter der BVG hatten bei der Routinebegehung eines Berliner U-Bahn-Schachtes der Linie U9 eine Entdeckung gemacht: ein voll möbliertes Schlafzimmer mit laufendem Fernseher, angeschalteten Lampen, einem ordentlich gemachten Bett und zwei gut gepflegten Zimmerpflanzen. Hundert Meter Kabel wurden verlegt, um Strom von einer Baustelle auf einem stillgelegten Bahnhofsrohbau am Rathaus Steglitz abzuzapfen. Eine Bleibe für Obdachlose? Eine Flüchtlingsunterkunft? Ein Schutzraum für Künstler vor der Reizüberflutung der Außenwelt?

Die Berliner Öffentlichkeit spekulierte ausgiebig über die Urheber und ihre Motive. Oft wurden Wohnungsnot und Gentrifizierung assoziiert, die Flüchtlingsthematik bis hin zu den Ähnlichkeiten zu Bunkeranlagen. Bald griff auch das Feuilleton die Thematik auf und erkannte das Zimmer als Guerillakunst. Im Gegensatz zur Sensationslust des Boulevards widmete sich etwa der Architekturhistoriker Nikolaus Bernau ausführlich dem Werk und analysierte verschiedene Aspekte der Installation.

Nachdem er berechtigerweise fragte, was aus der verwendeten Yucca-Palme geworden sei, die ja ohne Sonnenlicht nicht existieren kann, wurde sie ihm prompt anonym zugestellt.