Jonathan Haidt über Trump

Gepostet vor 11 Tagen in Politics Share: Twitter Facebook Mail

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Und? Schon runtergekommen? Gut. Ich auch nicht.

Das Bild oben zeigt Tila „Alt-reich Queen! Literally Hitler!“ Tequila (@) auf der Siegesfeier der Alt-Right, mehr Bilder und Videos davon hier. In Washington. Ein paar hundert Meter vom Weißen Haus entfernt. Feeling triggered yet?

Ich habe zu allem eine Menge zu sagen, aber alles was ich letzte Woche hätte tippen können, wären geifernde LinksRechts-Rants gewesen. Also hab' ich lieber alles gelesen, was es zur Trump-Wahl zu lesen gibt und meine Fresse gehalten.

Am erstaunlichsten fand ich, wie zahm sich Scott Alexander gibt und wie er Trumps neuen Chef-Strategen im Weißen Haus, Steve Bannon, unterschlägt. Sein Text ist okay, man sollte den aber unbedingt nur mit dem dazugehörenden Reddit-Thread lesen und dort vor allem die eher kritischen Kommentare, zum Beispiel diesen hier zur Einschätzung von SSCs Zahlen der Alt-Right oder dieser hier, der am Ende diese simple Erkenntnis liefert: „Trump is running for President. No fricking shit he puts out feel good diversity statements and goes to visit a black church and all the campaign bullshit.“

Am hilfreichsten für die Auseinandersetzungen der Zukunft und für die politischen Konflikte, die uns in den kommenden Monaten und Jahren erwarten, war dann mal wieder Jonathan Haidt, der sich schon seit Jahren an den psychologischen Unterschieden zwischen Links und Rechts abarbeitet und in einem Text vor ein paar Monaten bereits erklärt hat, wo die neuen Gräben verlaufen: When and Why Nationalism Beats Globalism and how moral psychology can help explain and reduce tensions between the two.

Nach der Wahl hat er dieselben Punkte nochmal in einem TED-Clip zusammengefasst:

Ein paar Zitate aus dem Text:

globalists often support high levels of immigration and reductions in national sovereignty; they tend to see transnational entities such as the European Union as being morally superior to nation-states; and they vilify the nationalists and their patriotism as “racism pure and simple.” These actions press the “normative threat” button in the minds of those who are predisposed to authoritarianism, and these actions can drive status quo conservatives to join authoritarians in fighting back against the globalists and their universalistic projects.

If this argument is correct, then it leads to a clear set of policy prescriptions for globalists. First and foremost: Think carefully about the way your country handles immigration and try to manage it in a way that is less likely to provoke an authoritarian reaction. Pay attention to three key variables: the percentage of foreign-born residents at any given time, the degree of moral difference of each incoming group, and the degree of assimilation being achieved by each group’s children.

Legal immigration from morally different cultures is not problematic even with low levels of assimilation if the numbers are kept low; small ethnic enclaves are not a normative threat to any sizable body politic. Moderate levels of immigration by morally different ethnic groups are fine, too, as long as the immigrants are seen as successfully assimilating to the host culture. When immigrants seem eager to embrace the language, values, and customs of their new land, it affirms nationalists’ sense of pride that their nation is good, valuable, and attractive to foreigners. But whenever a country has historically high levels of immigration, from countries with very different moralities, and without a strong and successful assimilationist program, it is virtually certain that there will be an authoritarian counter-reaction, and you can expect many status quo conservatives to support it.

Stenner ends The Authoritarian Dynamic with some specific and constructive advice: „[A]ll the available evidence indicates that exposure to difference, talking about difference, and applauding difference—the hallmarks of liberal democracy—are the surest ways to aggravate those who are innately intolerant, and to guarantee the increased expression of their predispositions in manifestly intolerant attitudes and behaviors. Paradoxically, then, it would seem that we can best limit intolerance of difference by parading, talking about, and applauding our sameness…. Ultimately, nothing inspires greater tolerance from the intolerant than an abundance of common and unifying beliefs, practices, rituals, institutions, and processes. And regrettably, nothing is more certain to provoke increased expression of their latent predispositions than the likes of 'multicultural education', bilingual policies, and nonassimilation.“

If Stenner is correct, then her work has profound implications, not just for America, which was the focus of her book, but perhaps even more so for Europe. […] The great question for Western nations after 2016 may be this: How do we reap the gains of global cooperation in trade, culture, education, human rights, and environmental protection while respecting — rather than diluting or crushing — the world’s many local, national, and other “parochial” identities, each with its own traditions and moral order? In what kind of world can globalists and nationalists live together in peace?

Jonathan Haidt hatte sich dann auch noch zur Rolle von Social Media geäußert und erwähnt explizit „Outrage“. Dazu werde ich in den kommenden Tagen nochmal etwas sehr langes tippen.

I really believe it’s one of our biggest problems. So long as we are all immersed in a constant stream of unbelievable outrages perpetrated by the other side, I don’t see how we can ever trust each other and work together again. I don’t know what we’re going to do about social media. I’m hopeful that future generations will learn social media responsibility and somehow manage to communicate without demonizing the other side.

We have to recognize that we’re in a crisis, and that the left-right divide is probably unbridgeable. […] Polarization is here to stay for many decades, and it’s probably going to get worse, and so the question is: How do we adapt our democracy for life under intense polarization?

In diesem Sinne auch: Macht Euch schlau, wer genau die Alt-Right ist und was sie wollen:

  • Schaut Euch diese beiden Monologe von Sargon of Akkad (ich weiß, ich weiß) an, man findet darin sehr viele Details, die sich allesamt im Sinne von Haidt interpretieren lassen.
  • Hört Euch dieses kurze Interview mit Richard Spencer an, dem Erfinder des Begriffs „Alt-Right“.
  • Lest dieses Transkript einer Rede von Bannon im Vatikan (!) von 2014.
  • Und nehmt die Typen fucking ernst, wenn sie erzählen: „This is a global Revolt“ und „This is just the beginning“. Vergesst die lustigen Star Wars-Zitate aus Steve Bannons angeblich so kruden Interview mit dem Hollywood Reporter und nehmt diesen Satz ernst: „Like [Andrew] Jackson's populism, we're going to build an entirely new political movement“.

Die NYTimes macht ein Ende der Identitätspolitik und eine neue Suche nach dem „Wir“ als solche als Konsequenz aus (die sich übrigens sehr genau mit den Ratschlägen von Haidt oben deckt). Ich stimme dem tendenziell zu, halte die „Suche nach dem 'Wir'“ aber für zu schwammig. Eine Antwort liegt meines Erachtens in einer Re-Ökonomisierung der Identitätspolitik, eine Einbettung in den klassisch linken Kampf um Freiheits- und Bürgerrechte. Ich sage nicht umsonst jedesmal, wenn man mich darauf anspricht: „Feminismus ist für mich ein Kampf um Bürgerrechte und als solcher natürlich relevant und richtig.“ Diesen Kampf muss man nun sehr viel stärker ökonomisch aufstellen, vor allem in der Außenwahrnehmung.

Katja Kullmann im Freitag:

Wenn es ein Land gibt, in dem Linke ganz aktiv und handfest in Kontakt mit den Verlierern des Neoliberalismus stehen – dann dort. Da ist David Graeber, der 2011 in New York die superpopulistische Occupy-Bewegung mitbegründet hat und seine linksanarchistischen Bücher, heute von England aus, gezielt so verständlich schreibt, „dass auch meine Mutter es verstehen kann“ (Freitag 19/2016). Da ist der 28-jährige Einwanderersohn Bhaskar Sunkara, dessen 2011 gegründetes marxistisches Magazin Jacobin stetig wachsende Leserzahlen hat und niedrigschwellige linke Lesekreise an gut 100 Orten veranstaltet (Freitag 20/2016). Da ist Vince Gilligans Serie Breaking Bad (2008 – 2013), die von nichts anderem handelt als vom Zerbröseln der Mittelschicht. […] Und da ist der Filmemacher Michael Moore, der als TV-Figur landesweit bekannt ist, beharrlich gegen die Waffenlobby und gegen Ausbeutung kämpft, sich mit Gewerkschaften unterhält und aktuell für die Wasserversorgung der verarmten Industriestadt Flint streitet.

Aus vitalen intellektuellen und agitatorischen Strängen wie diesen ist etwas Unerhörtes erwachsen: eine neue politische und für US-Verhältnisse überraschend weit links stehende Bewegung.

Aber auch: Nicholas Taleb in der NZZ über Die Wohlwissenden: „Geht es ums Gesellschaftliche, dann outet sich der Intellektuellen-Idiot als Abonnent des «New Yorker». Er drückt sich auf Twitter nie unanständig aus. Er spricht von «Rassengleichheit» und «Chancengleichheit», hat aber nie mit einem nichtweissen Taxifahrer ein Bier gekippt (denn das wäre skin in the game).“

Und zum Schluß: Angela Merkel macht's nochmal. Trallala. Die Frau ist nicht dumm und sie weiß, was kommt. Sie verschafft demokratischen Kräften hierzulande mit ihrer Aktion nochmal ein Zeitfenster von 5 Jahren, um sich neu aufzustellen. Nichts anderes bedeutet die vierte Kandidatur der Kanzlerin. Ausgerechnet Jan Böhmermann dazu:

Es klebt und bewegt sich nicht, und davon ernährt sich die AfD. Es sieht nicht so aus, als finge jemand demnächst mal an, selbstbewusst, offensiv und nahbar für seine Lösungen einzustehen. Ohne Rücksicht auf den politischen Gegner. Als hätte jemand Lust, den machterhaltenden Konsens zu verlassen und auf die Kacke hauen, dass es spritzt. Dissens, Dissens, Dissens! Diskurs, Diskurs, Diskurs! Mit Streit geht es weiter. Nicht mit Füße still halten.

Meine Fresse. „Nazis in Washington“ wäre noch vor wenigen Monaten der Titel eines dieser schlechten Z-Action-Movies aus den 80ern gewesen oder eine Story aus Captain America. Zu spät. Alles echt jetz.

Also streiten. Bring it.

Tags: DonaldTrump Election

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