Der psychedelische Doctor Strange (Werbung)

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Steve Ditko ist so ein bisschen der J. D. Salinger unter den Comiczeichnern, der dem Superhelden-Genre in den 60ern mit den psychedelischen und surrealen Storylines um seinen Doctor Strange ganz neue Welten eröffnete, die den Zeitgeist der Hippies und deren Sinnsuche im Mystizismus in die Sequentielle Kunst brachte, genau wie die Beatles es ein paar Jahre später auf ihrem transzendental-infused White Album für den Pop machten.

Nicht umsonst erwähnt Tom Wolfe den guten Doktor in The Electric Kool-Aid Acid Test, 1965 gab es einen Doctor Strange-Dance in San Francisco mit Jefferson Airplane und auf Pink Floyds zweitem Album A Saucerful Of Secrets findet sich versteckt ein Panel aus der Doctor Strange-Story The Sands of Death. Ganz konsequent sind Pink Floyd natürlich auf dem Soundtrack vertreten, wie überhaupt der komplette Score von Pink Floyds Psychedelic Rock beeinflusst wurde.

Nun halte ich persönlich Transzendenz ganz allgemein für ziemlichen Unfug, aber Mystik macht sich in Fantasy-Fiktionen nunmal doch immer toll, wenn sie mit ordentlichen Charaktern geerdet wird. Und die großartige Besetzung mit Schmenderic Bomblesnatch in der titelgebenden Hauptrolle, den ja nun auch dank seines Sherlocks seit ein paar Jahren schon das gleichzeitig genauso Außerweltliche wie Pragmatische umweht, zusammen mit der hier geschlechtslos androgyn agierenden, aber immer auch trocken-witzelnden Tilda Swinton als Sorcerer Supreme und The Ancient One, dürfte den Film einerseits in mythologietriefenden Zauberspruch-Babble baden, der andererseits mit den Marvel-typischen, kurz-angebundenen Witzchen und Charaktermomenten kontrastiert wird. In anderen Worten: bewusstseinserweiternde Ohmshambala Voodoomagic mit One-Linern.

Dazu natürlich jede Menge Visuals, von denen ich mir bei diesem Film nochmal extraviel erwarte. Die bereits in Thor gezeigten Paralleluniversen und den in Guardians of the Galaxy eingeführten Kosmos drüften hier in Doctor Strange nochmal extrem aufgedreht und damit dem Marvel Cinematic Universe im wahrsten Sinne des Wortes neue Welten eröffnen werden. Und um den Bogen zurück zu Steve Ditko zu spannen: Ich bin enorm gespannt darauf, wie Marvel die berühmten Steve Ditko Double Page Spreads visuell umgesetzt haben. Da freue ich mich drauf, sehr sogar.

Ob Steve Ditko sich die erste Big Budget-Version seines Characters ansehen wird, man weiß es nicht. Ditko gibt seit 1968 keine Interviews, seine geistesweltliche Entwicklung seit damals erinnert eher an Frank Miller denn an Blumenkinder. Die BBC dreht vor zehn Jahren eine Dokumentation über die zurückgezogen in New York lebende Comic-Legende: In Search of Steve Ditko. Ich würde aber ein paar Zauberwürfel darauf wetten, dass er sich den Film ganz anonym irgendwo im Kino anschauen wird.

Doctor Strange läuft ab diesem Donnerstag, den 27. Oktober im Kino und die ersten Reviews versprechen durch die Bank einen genauso typischen wie untypischen Marvel-Film, Indiewire spricht vom besten MCU-Film seit Avengers. Ich bin gespannt.

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