Reviews: Train to Busan, Beyond the Gates, My Big Night, The Ones Below

Gepostet vor 3 Monaten, 5 Tagen in Movies Share: Twitter Facebook Mail

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Die Filme des zwölften und letzten Tages auf dem Fantasy Filmfest, von gut nach schlecht.

busanTrain to Busan ★★★★ (Trailer)

Der geschiedene und mit seiner Tochter Su-an (Kim Su-an) zusammenlebende Geschäftsmann Seok-woo (Gong Yoo) ist ein oberflächlicher Arsch, der nur an sich denkt und seiner Tochter eine Wii schenkt, obwohl er ihr bereits vor ein paar Monaten eine mitgebracht hatte. Als die nun zur Entschädigung einen Besuch bei Mutti einfordert, gibt er sich geschlagen und macht sich mit ihr auf dem Weg, um Zug nach Busan zu nehmen. Kurz vor Abfahrt flüchtet sich eine verletzte Frau in den Zug, während im Bahnhof die Hölle losbricht und der Train to Busan losrollt.

Bester Zombiefilm seit Pontypool aus dem Jahr 2009, vielleicht sogar seit 28 Days Later, wobei ich Train letztlich besser finde. Hochspannend und actionreich ist Yeon Sang-hos Train to Busan genau der Zombie-Blockbuster, der World War Z gerne hätte sein wollen.

Das für einen Zombiefilm ungewöhnliche Setting ermöglicht eine ganze Reihe großartiger und neuer Bilder und schafft eine Verengung im Raum, die jede Menge Möglichkeiten für klaustrophobische Momente bieten. Die Zombies sind mit ihren verrenkten Gliedmaßen, obwohl sie rennen, ziemlich creepy, die hervorragende Maske rundet das beinahe perfekte Gesamtbild nur noch ab.

Dazu paart Train to Busan sein Sujet, wie jeder gute Zombiefilm, mit ein paar halbwegs neuen Metaphern auf sozialpolitische Fragen, in denen Fragen um die Gleichheit unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten, Egoismus und Kooperation zwischen Individuen angesichts unvermeidlicher Vorurteile und letztlich auch Nationalismus und Immigration aufgeworfen werden.

Leider schleicht sich gegen Ende das anscheinend unvermeidliche koreanische Rumgeflenne in den Film und ich hätte im Finale eine Szene herausgenommen, die überflüssig wirkt und dem Schluß ein kleines bisschen den Drive verhagelt. Trotzdem ist Train to Busan völlig zurecht der bislang erfolgreichste Film Südkoreas, Yeon Sang-ho dürfte schon bald in Hollywood landen und ein Remake wird sicher nicht all zu lange auf sich warten lassen.

beyondBeyond the Gates ★★★ (Trailer)

Die ungleichen Brüder Gordon (Graham Skipper) und John (Chase Williamson) räumen die vollgestopfte Videothek ihres Vaters aus, nachdem dieser auf rätselhafte Weise verschwunden ist. Dort finden sie ein altes VHS-Boardgame, testen es aus und selbstverständlich öffnet sich eine Pforte in die Abgründe der Hölle, wo sie dem Geheimnis ihres verschwundenen Papas auf die Spur kommen.

Ein weiterer Eintrag in das VHS-Core-Subgenre, eine Liebeserklärung an billige 80s-Horrorfilme mit Synth-Soundtrack und jeder Menge VHS-Tapes und Beleuchtung in Pink und Blau, so wie man das auf einschlägigen Tumblrs schon seit Jahren bewundern kann. Nothing new under the sun halt.

Dankenswerterweise ist Beyond The Gates dabei keine allzu devot-konservative Zitatsammlung wie Stranger Things, sondern belässt es bei Ästhetik und dem Auftritt von Barbara Crampton, der Genre-Veteranin aus Stuart Gordons Lovecraft-inspirierten From Beyond und Re-Animator.

Obendrauf kommen ein paar punktuelle, exzessive, hochvergnügliche Splattermomente, dank denen ich dem Film sein etwas lahmarschiges Pacing und die ideenlose Kamera verzeihen kann. Ich fände es persönlich trotzdem ganz nett, wenn sich die rückwärtsgewandten Vertreter meiner Generation jetzt endlich mal von den 80ern lösen könnten. Es nervt.

nightMy Big Night ★★★ (★) (Trailer)

Während der Aufzeichnungen einer TV-Show zu Silvester treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, während draußen der Mob in einer Demo gegen Arbeitsplatzabbau beim Fernsehen tobt.

Neuer Film von Álex de la Iglesia (Mad Circus, Bitching & Witching), bei dem mir eine Bewertung ziemlich schwer fällt.

Objektiv betrachtet baut der Film aus den verschiedenen Handlungssträngen ein wunderbar fotografiertes Panoptikum einer TV-Produktion, dessen Storylines am Ende zu einem hübschen Gesamtwerk verschmelzen, das ein paar nette Pointen über Gegensatzpaare wie Pech & Glück oder Prominenz und Eifersucht platziert.

Subjektiv betrachtet verschandelt Iglesia seinen Film mit einer unterträglichen Hyperaktivität, einem konstant gleichbleibenden Pacing auf HighSpeed mit ein paar wenigen Pausen für Dialoge, die im Gewehrfeuertempo auf einen niedergehen. Ein ADHS-gestörter Film, der Dialogzeile auf Dialogzeile häuft und fuck you, wenn man der spanischen Sprache nicht mächtig ist: Man hat schlichtweg keine Chance, den Untertiteln in diesem Stakkato-Text folgen zu können. Eine unerträgliche Hektik, von der man bleibende Schäden davonträgt.

belowThe Ones Below ★★ (Trailer)

Kate und Justin erwarten ihr erstes Kind, als die neuen Nachbarn in die Wohnung unter ihnen einziehen. Theresa und Jon wirken zunächst nett und freundlich, wobei sie immer eine Spur zu höflich und zuvorkommend ist, während er als spießiger, pedantischer und überkorrekter Typ gezeichnet wird. Ganz normale Nachbarn also. Oder auch nicht. Als Theresa ebenfalls schwanger wird, offenbaren die beiden ein paar sehr nervige Eigenarten.

Spannungsarmes Spielfilmdebut von David Farr (Drehbuchautor des hervorragenden Hanna). Ein Psychothriller, der sich genau so vor einem abspult, wie man es erwartet. Hat man so schon tausendmal gesehen.

Nette Production-Values und gut gespielt, entwickelt der Film so ’ne lauwarme Creepiness, die niemanden wirklich vom Stuhl hauen sollte, der schonmal einen Psychothriller mit Schwangeren gesehen hat.

Fantasy Filmfest 2016 auf Nerdcore:

Tag 1: Swiss Army Man: Existenzialismus, Magie und Körperfunktionen
Tag 2: Happy Birthday, Bed of the Dead, Abattoir, The Crew, The Devils Candy
Tag 3: Kevin Smiths Yoga Hosers, The Lesson, The Neighbor, Scare Campaign
Tag 4: The Girl with all the Gifts, The Eyes of my Mother, Shelley, Psycho Raman, Mojin: The Lost Legend
Tag 5: Under the Shadow, Imperium, To steal from a Thief
Tag 6: Terra Formars, Carnage Park, Here Alone, Kidnap Capital
Tag 7: War on Everyone, Follow, Desierto, Another Evil
Tag 8: We are the Flesh, Night of the living Deb, Kingsglaive: Final Fantasy XV
Tag 9: Antibirth, Seoul Station, Don't grow up, Into the Forest
Tag 10: Der schmierige Würger ist der größte Bullshit-Artist der Welt
Tag 11: The Similars, Don't kill it, Cell, Creepy, Level Up, We Go On

Tags: FFF Horror Review Zombies

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