Geheime Nazi-Gruppen auf Facebook

Der Tagesspiegel hat seine Recherche in geheimen Nazi-Gruppen auf Facebook jetzt auch kostenlos online gestellt, nachdem der Artikel auf Blendle die Runde gemacht hatte. Der Text ist eine ganz gute Richtschnur dafür, um was es in der Hatespeech-Debatte hauptsächlich geht.

Und ich kenne ein paar Argumente, die den Artikel damit entkräften wollen, sowas hätte es schon immer gegeben und das hätte sich früher mal Stammtisch genannt. Bullshit. Diese Gruppen umfassen mehrere tausend Mitglieder, was die Nazi-Sprüche zur öffentlichen Rede und damit als Volksverhetzung qualifizieren.

Was sich dort abspielt, ist mit den Gesetzen und Werten der Bundesrepublik unvereinbar. Es wird gejubelt, wenn ein Asylbewerberheim brennt. Hämisch wird kommentiert, sobald ein Flüchtling im Badesee ertrinkt. Ein Mitglied der Gruppe „Deutschlandweiter Zusammenschluss Deutscher Patrioten“ findet es schade, dass es zuletzt nur einen einzigen Flüchtling getroffen hat. „Die sind doch sonst auch immer in Horden unterwegs.“

Außerhalb der Gruppen geben sich die Mitglieder oft bürgerlich. Zum Beispiel Sandro G., 48, aus Frankfurt am Main, Angestellter bei einem Fruchtimporteur im nahe gelegenen Bad Homburg. Auf seinem Facebook-Profil zeigt er sich im Sakko mit einem Glas Weißwein in der Hand beim Abendempfang. Äußert er sich über Politik, bleibt er diplomatisch. Einmal schreibt er, Angela Merkel solle zurücktreten. Ansonsten mag er die Sängerin Shakira und den FC Bayern.

Derselbe Sandro G. ist auch Mitglied in der geschlossenen Gruppe „Flüchtlinge? Nein danke!“ Als Mitglieder dort diskutieren, ob nicht den notleidenden Kindern im syrischen Aleppo geholfen werden müsste, empfiehlt Sandro G.: „Nicht retten, sondern verrecken lassen. Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem.“