Reviews: Under the Shadow, Imperium, To steal from a Thief

22.08.2016 Movies #FFF #Review

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iiiii

Die Filme des fünften Tages auf dem Fantasy Filmfest, von gut nach schlecht. (Vorher: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4)

shadowUnder the Shadow, 2016 - ★★★★ (Trailer)

Shideh lebt in Teheran irgendwann in den 80s, wenige Jahre nach der Kulturrevolution. Ihr Medizinstudium darf sie nicht fortsetzen, weil sie sich in linken Kreisen politisch engagierte, ihr Mann wird zum Krieg gegen den Irak einberufen, jeden Tag heulen die Sirenen, jeden Tag muss sie vor den Bombenangriffen in den Keller flüchten, dann wird auch noch Töchterchen Dorsa krank und zu allem Unheil kracht zusammen mit einem Blindgänger auch noch ein Djinn durchs Dach.

Under The Shadow ist so ein bisschen das Persepolis des Horrorfilms. Das Böse ist hier eine Metapher auf den Verschleierungs-Zwang, die Unterdrückung der Frau durch islamistisch geprägten Faschismus und den Krieg. Shideh lebt unter ständigem Druck, ihr Mann macht Vorwürfe, ihre Tochter quengelt, es hagelt Bomben und Raketen und der Djinn sorgt für Jumpscares und Alpträume und ein Aerobic-Video von Jane Fonda ist das einzige, was Shideh Halt im Chaos gibt.

Toller, kleiner Gruselfilm aus dem Iran, der zwar nie die Brillanz vom feministisch-metaphorisch ähnlichen A Girl Walks Home Alone at Night erreicht und ein wenig mehr Druck vertragen hätte, mir dafür aber die Gelegenheit gibt, meine anti-feministischen Leser da draußen mit folgendem Satz zu ärgern: Under The Shadow bebildert mit ständig gesteigertem Terror die intersektionale Unterdrückung der Frau durch ein islamistisch geprägtes Patriachat und sein Monster dürfte den bislang vernünftigste Beitrag zur saudämlichen Burka-Diskussion im Westen darstellen.

thiefTo steal from a Thief, 2016 - ★★★ (Trailer)

Uruguayo und seine Bande überfallen eine gut gesicherte Bank, die Geiseln halten sie mit bewegunssensitiven Sprengstoffgürteln in Schach. Dabei haben sie es auf die Schließfächer im Tresorraum abgesehen, ganz besonderns auf das Schließfach vom ehemaligen Regierungsmitglied Gonzalo Soriano, das brisante Informationen über die spanische Politik enthält. Als ihr ausgeklügelter Fluchtplan aufgrund überfluteter Kanäle misslingt, entspinnt sich ein Nervenkrieg mit der Polizei.

Netter Heist-Film mit den genre-üblichen Twists. Leider ein bisschen arg geschwätzig, dem Film hätte ein bisschen mehr Action und Rasanz gutgetan. So bleibt „nur“ ein solider Crime-Movie mit ein paar hübschen Bildern, von denen nicht allzuviel hängenbleibt.

imperiumImperium, 2016 - ★★½ (Trailer)

Der junge Nate Foster (Daniel Radcliffe) ist der Nerd seiner FBI-Einheit, als seine Chefin Angela (Toni Collette) ihn überraschend für einen Undercover-Auftrag rekrutiert. Chemikalien sind aus der Gegend um Washington verschwunden und das FBI vermutet Nazi-Terror-Pläne zum Bau einer schmutzigen Bombe. Also rasiert sich der junge Foster den Kopf und infiltriert den ultrarechten Untergrund.

Imperium ist leider eine große, verschenkte Chance. Der Film hat eigentlich alle Ingredienzen, um einen guten, vielleicht sogar großartigen Film über rechten Terrorismus abzuliefern, aber leider macht dem vor allem das Drehbuch von Daniel Ragussis einen Strich durch die Rechnung. Imperium basiert auf dem Buch Thinking Like a Terrorist: Insights of a Former FBI Undercover Agent von Michael German, der selbst als Undercover-Agent des FBI den Neo-Nazi-Untergrund infiltrierte und seine Beobachtungen von interner Hierarchie und Ritualen verdankt der Film eine tatsächlich recht spannende Authentizität.

Die verliert jedoch jede Relevanz angesichts völlig oberflächlicher Figuren-Konstellationen, die Ambivalenz von Nate Fosters Beziehung zu Obernazi Gerry Conway (Sam Trammell), der sich auch mal dafür entschuldigt, die Musik eines jüdischen Dirigenten zu hören („Jews listened to Wagner, didn't they?“), bleibt völlig unterentwickelt.

Dazu kommt, dass Radcliffe jetzt nicht den überzeugendsten Ex-Marine darstellt (er ist, bei aller Liebe, zu sehr Pimpf die Rolle). Man nimmt Radcliffe schlichtweg nicht ab, dass er einen Untergrund-Ring militanter Neonazis infiltrieren könnte, die sowieso als zu vertrauensselig gezeichnet werden. Das genauso vorhersehbare wie abgewürgte Ende ohne wirklichen Höhepunkt lässt den Zuschauer dann ziemlich ratlos zurück.

Ein eindimensionaler Film, dessen Thema grade in diesen Zeiten ein sehr viel mutigeres Drehbuch benötigt hätte, was angesichts von Trump und AfD dann auch ein bisschen ärgerlich ist. Imperium ist leider nur beliebiger Hollywood-Standard. Schade. (Guckt lieber Green Room.)