Interview mit einem Amoklauf-verherrlichenden Teenager

Vice hat ein faszinierendes Interview mit einem „amoklauf-verherrlichenden“ Teenager (Hervorhebungen von mir).

Ein sehr schönes Beispiel, wie Aufmerksamkeitsökonomie zusammen mit Outrage-Memetik eine Verschiebung des Sagbaren erzeugt, gepusht von (oft) Jugendlichen, die online ihre Grenzen austesten. Neu ist das nicht, was aber neu ist: Das Thema findet nicht mehr in irgendwelchen verborgenen Threads in irgendeinem Forum statt, sondern auf Social Media, wo es von Medien entdeckt und eskaliert wird.

wir-haben-mit-einem-insider-ber-die-deutsche-amok-fanszene-gesprochen-body-image-1470402248VICE: Janik, warum twitterst du so was? Warst du wirklich enttäuscht, dass David S. in München nicht mehr Leute getötet hat?
Janik: Nein, das ist alles nur Humor [ed: siehe auch]. Ich sympathisiere nicht mit dem Schützen, ich bin nicht traurig darüber, dass so wenig Leute gestorben sind. Auch einer ist zu viel. Das, was ich getwittert habe, darf man nicht ernst nehmen, das nimmt doch auch keiner ernst.

Kann denn irgendwas an einem Amoklauf lustig sein?
Das Lustige an Amokläufen ist für mich—und viele andere—wahrscheinlich, dass es einfach nicht lustig ist. Deshalb provozieren Witze darüber Leute, die sowas nicht lustig finden. Und da liegt für mich eben ein persönlicher Reiz drin, wenn sich Leute darüber aufregen. Meistens regen sich dann auch Leute auf, die nicht direkt davon betroffen sind.

Was würde deiner Meinung nach die Mutter eines der jungen Opfer von München denken, wenn sie deinen Tweet lesen würde?
Die wird das natürlich verurteilen, vielleicht wird sie mich anzeigen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering, dass sie das mitkriegt. Gerade weil die Zahl der Leute, die sich über sowas lustig machen, so viel kleiner ist als die Zahl der Leute, die da Mitleid zeigen. Deshalb finde ich auch, dass ich das nicht machen muss. Ich muss da kein Mitleid zeigen.

Du machst das also nur, um Leute zu provozieren?
In erster Linie, ja. Das ist vielleicht nichts, auf das ich später stolz sein werde, aber es macht halt gerade Spaß. Und es macht vielen anderen Leuten auch Spaß.

Was macht Spaß am Provozieren?
Der Reiz ist es, das Gegenüber aus der Reserve zu locken und ihn so unweigerlich zu verarschen, bis die Tränen kullern und Radikalität erzeugt wird, also Hass auf mich.

Warum willst du, dass dich andere hassen?
Weil Hass einem im Internet in den meisten Fällen nichts anhaben kann. Und Streiten kann verdammt unterhaltsam sein.