MĂ€nnerrechtler haben keine Ahnung von Ghostbusters đŸ‘»

Gepostet vor 6 Monaten, 7 Tagen in #Movies #Feminism #Ghostbusters #Trolls

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ghosts

Ich hatte gestern ein Posting des laut Selbstbezeichnung linken MĂ€nnerrechtlers Arne Hoffmanns ĂŒber den Comic-Markt zerpflĂŒckt, dazu schreibt er heute unter anderem: „Ich glaube allerdings, RenĂ© Walter und ich sind in unseren Auffassungen, was dieses Thema angeht, tatsĂ€chlich nicht so weit auseinander“. Da hat er Recht und nicht nur bezĂŒglich Comics.

Ich lese Arne auch als UnterstĂŒtzer des Feminismus deshalb sehr gerne, da er, auch wenn er fĂŒr meinen Geschmack zu oft Rightwingers verlinkt, ein gemĂ€ĂŸigtes Gegengewicht ohne Schaum vor'm Mund gegen das darstellt, was ich als Illiberal Left bezeichne und woran ich mich selten aber regelmĂ€ĂŸig immer wieder abarbeite. You know, balance to the force und so. Und wer mich regelmĂ€ĂŸig liest, weiß auch, dass ich der Meinung bin, dass es einige AnknĂŒpfungspunkte zwischen Feminismus und (linken) MRAs gibt und ich letztlich fĂŒr eine post-feministische (und post-MRA) Anti-Deskriminierungsbewegung bin. Bis beide Seiten soweit sind, dĂŒrfte es aber noch einige Zeit dauern und bis dahin schaue ich mir die Online-Gender-Wars mit nicht wenig AmĂŒsemeng an. (Und ja, liebe SJWs. Ich weiß, dass dieses AmĂŒsemeng eins meiner Privilegien ist. I checked it. Thank you very much.)

Zu diesem AmĂŒsemeng gehört selbstverstĂ€ndlich, wenn sich Arne zu Ghostbusters und Filmkritik Ă€ußert. Er schreibt:

Inzwischen zeichnet die Internet Movie Database ein erstes Stimmungsbild der Kinobesucher. Sie geben dem Film im Durchschnitt 3,8 von 10 möglichen Punkten. Damit liegt der Streifen beispielsweise deutlich unter dem nach allgemeiner Ansicht grotesk misslungenen Fantastic-Four-Film von 2015, der schlechtesten mir bekannten IMDB-Bewertung eines als Blockbuster angelegten Kinofilms, sowie ebenso deutlich unter der Bewertung des Films The Human Centipede, zu dem ich mir wohl jede ErlĂ€uterung sparen kann. Normalerweise gelten schon Filme unter einem Durschnittsrating von 5,0 auf der IMDB als jenseits von Gut und Böse. Auch die Chicago Sun Times, immerhin Plattform des kĂŒrzlich verstorbenen Kinokritik-Papstes Roger Ebert, spricht bei dem Ghostbusters-Film von einer "horrifying mess". Begeistert hingegen sind der feministische Guardian, wo die Kritiker des Films als "Trolle" gelten, und natĂŒrlich das Magazin Time.

Okay then!

1. Es ist allgemein bekannt, dass den Bewertungen auf IMDB nicht wirklich zu trauen ist. Eine Top100-Movies-of-all-Time-Liste, die Dark Knight auf Platz 4 fĂŒhrt und Gladiator vor Citizen Kane ist schlichtweg unbrauchbar. Jeder, der sich mit Filmkritik auch nur halb auskennt, weiß das.

2. Das IMDB-Rating des Films wurde schon vor drei Tagen mit 1-Punkt-Bewertungen geflooded. Die Stats zu den Bewertungen zeichnen hier ein deutliches Bild (der Screenshot stammt von gestern abend 21:30h):

imdb

6333 User mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3.5, 1172 Userinnen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7.6, wobei eine klare MajoritĂ€t der User mit 5487 Stimmen eine Bewertung von 1 Punkt abgab. Es ist bereits seit Jahren etabliert, dass IMDB ein Troll-Problem hat und gerne in konzertierten Aktionen geflooded wird. Und natĂŒrlich passiert genau das jetzt bei Ghostbusters. Noch dazu war der Flim zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen (der Film lĂ€uft heute in den USA an), nur ein Bruchteil der Bewertungen auf IMDB basiert also auf einer tatsĂ€chlichen Rezeption des Films.

3. Arne schreibt, dass auch die seriöse Filmkritik Ghostbusters in der Luft verreisst. Im Falle von Richard Roeper von der Chicago Sun-Times hat er Recht. Schaut man sich die Meta-Kritik auf Rotten Tomatoes an, zeigt sich allerdings ein weitaus differenzierteres Bild: Eine durchschnittliche Bewertung von 75% fĂŒr alle Kritiker bei derzeit 127 Kritiken, aber auch eine durchschnittliche Bewertung von 52% bei den „Top Critics“. Es zeichnet sich also ab, dass der neue Ghostbusters weder 1 Punkt noch 10 Punkte verdient, sondern eher so „meh“ Punkte. Das Bild, das Arne hier zeichnen will – „feminisische Kritiker feiern Ghostbusters und seriöse Kritiker verreißen den Film“ – ist schlichtweg nicht haltbar.

4. Es ist in der Tat mehr als traurig, dass ein Ghostbusters-Reboot zum „Political Act“ hochgejazzt wird. Man kann sich lange darĂŒber streiten, ob es nun der Genderflip war, der den Film zum Politikum machte, oder die in Teilen sexistische Reaktion darauf. Eins der Probleme hier scheint mir, dass sehr viele Kritiker des Trailers, die schlichtweg den Look und den Humor beknackt fanden, in einen Topf mit tatsĂ€chlichen Sexisten geworfen wurden. Ich mochte den Humor auch nicht, aber ich mochte den Look.

Ein weiteres Problem hier ist, dass die SJW-Kritik an den „Hatern“ oft vergisst, dass es hier um Ghostbusters geht. Das Original spielt vielleicht nicht in einer Liga mit Star Wars, aber sehr wohl in einer Liga mit Filmen wie E.T. oder Gremlins. Viele der negativen Ratings beim Trailer und auch auf IMDB dĂŒrften nostalgisch motiviert sein, wobei es wohl unmöglich sein dĂŒrfte, die Zahl der „soft-sexist“ Ratings zu quantifizieren. Ein Dilemma, das nun in der Debatte zu weiterer Polarisation fĂŒhrt und in dem UnterstĂŒtzer des Feminismus und ihre Antagonisten mit Kinokarten Politik betreiben und Unsinn von IMDB ĂŒbernehmen. Sad.

In anderen Worten: Arne hat keine Ahnung von Ghostbusters, IMDB, Filmkritik und kennt offensichtlich auch nicht die Mechaniken der Trollkultur. đŸ‘»

Ich werde mir den Film in zwei Wochen jedenfalls ganz unpolitisch ansehen und wahrscheinlich okay finden, wobei es nochmal ein ganz anderes Thema sein wird, ob ein okayer Reboot der (gefĂŒhlten) Reputation des Originals gerecht wird. (Ich persönlich finde nĂ€mlich MittelmĂ€ĂŸigkeit sehr viel schlimmer, als eindeutigen Trash oder eindeutige Brillanz. Das ist allerdings eine andere Geschichte.)

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