Michael Jackson stand auf Kunstbildbände

Thomas hat sich das PDF angesehen, laut dem Michael Jackson angeblich jede Menge Torture-Porn und Bilder von missbrauchten Kindern hatte, so wie es von vielen Clickbaitern kolportiert wurde. Stellt sich raus, nichts als heiße Luft und noch schlimmer: Die Yellowpress-Blogs (leider auch Boing Boing) stützen in diesem Fall mit ihrer Clickgeilheit einen Neo-Puritanismus, der sich gegen grenzgängerische Kunst wendet, siehe auch die Rassismus-Debatten um Charlie Hebdo.

Die von RadarOnline und den abschreibenden Medien beinahe schon genüsslich als besonders perverses Material aus dem dunklen Pädophilen-Underground apostrophierten Fotos stellen nicht etwa heiße, in klandestinen Insiderkreisen gehandelte Ware dar, sondern finden sich samt und sonders in Fotobänden, die wahrscheinlich in jeder entsprechenden Kunstbuchhandlung zu erwerben sind und bei den Onlineversandhäusern sowieso. […]

Neben einer überschaubaren Sammlung handelsüblicher Porno-DVDs aus verschiedenen, aber legalen Provinzen des Begehrens, einigen Gay Erotica, einer kleinen Anzahl alter FKK-Heftchen aus den Dreißigern, deren kulturhistorischer Wert ihren aufreizenden mittlerweile wohl übersteigen dürfte, und einem Bondage-Manga-Kunstband, wie er in Japan in jedem Buchladen zu erwerben ist. […]

Weitere Fundstücke aus den dunklen Archiven des Michael Jackson: Katalogisiert haben die Kunstsachverständigen der Polizei unter anderem auch den Band "The Fourth Sex - Adolescent Extremes", der eine von Francesco Bonami und Raf Simons kuratierte Ausstellung über visuelle Sprache und Codes Heranwachsender dokumentiert. Zu sehen sind Fotografien zahlreicher namhafter Künstler, unter anderem Raymond Pettibon, Larry Clark und Terry Richardson. Im Netz wird dieses Buch als "Holy Bible of Youth Subcultures" bezeichnet. Keines seiner Fotos würden einen etwa im Vice Magazine erstaunen oder gar tatsächliches Entsetzen hervorrufen. Mit kriminellen Handlungen haben sie schon gar nichts zu tun.