Political Correctness includes Sarcasm

hipster-socratesSchönes Beispiel, warum mir als Linkem die Kritik an einer Illiberal Left, die es zweifelsohne gibt und die sich anscheinend vor allem online durch Sprachverbote und überzogene Trigger-Warnings zeigt, sehr schwer fällt. Denn die Beispiele, die von den etwas argloser agierenden Kritikern von eher Mitte-Rechts-lastigen Lagern herangezogen werden, entpuppen sich allzu oft als haltlos.

Heute ging dieser Link zu einem Artikel über Political correctness rampant at Australian universities durch meinen Feed. Darin findet sich auch folgende Zeile: „Western Sydney University has gone even further by outlawing the use of sarcasm“.

Knaller, dachte ich. I can't even, dachte ich. Mal sehen, was da dran ist, dachte ich.

Ich verfolgte dieses Bit zurück bis zu dieser Zusammenfassung eines Paywall-Artikels im Telegraph, von dort zum selben Artikel im australischen Telegraph und diesem Artikel im The Australian („The University of Queensland lists sarcasm as a form of harassment and bullying“).

Der Artikel ist ein besonders hübsches Beispiel über den schlampigen Umgang in dieser Debatte von Seiten der (konservativen?) Journalisten. Dort steht gleich zu Beginn:

Canonical geniuses such as Socrates and Shakespeare subverted regimes of censorship in their day by deploying the satirical devices of irony and sarcasm. But in the 21st century, even irony’s satirical bedfellow has fallen victim to campus censors.

Der erste Teil stimmt, der zweite nicht, here's why:

In der Discrimination and Harassment-Policy der Uni Queensland steht (Hervorhebungen von mir):

Harassment and/or bullying - behaviour towards an individual or group of individuals, that may or may not be based on the attributes referred to the Queensland Anti-Discrimination Act (1991) and could be defined as "the repeated less favourable treatment of a person by another or others in the workplace, which may be considered unreasonable and inappropriate workplace practice. […]

Harassment/bullying may be subtle or overt and includes, but is not limited to, the following forms of behaviour: [some things], Sarcasm or ridicule, [some more things].

Die Policy sagt also aus, dass Sarkasmus ein Bestandteil von Bullying sein kann und erwähnt Sarkasmus ausschließlich im Kontext von eben Bullying, also wie vorangestellt definiert „behaviour towards an individual or group of individuals“. Es handelt sich also nicht um ein generelles Verbot von Sarkasmus als Stilmittel politischer Subversion im philosophischen Sinne oder als Form von Protest oder als Form von Comedy oder Kunst. Es handelt sich um eine Definition des Bullyings, das eben auch Sarkasmus in einer ganz speziellen, explizit beschriebenen Form beinhaltet. Jeder, der selbst schonmal Opfer von Bullying war, weiß das.

Man kann darüber streiten, ob diese Policies prinzipiell zu weit gehen. Ich finde, ja, und das sage ich selbst als jemand, der Erfahrung mit dem Thema hat. Ein Verbot von Sarkasmus sind sie allerdings nicht, was natürlich keine Knallerheadline für den Telegraph oder aufgeblasenes Geschwätz vom The Australian hergibt, womit wir wieder bei Aufmerksamkeitsökonomie wären.

Gibt's auch vernünftige Leute, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, und nicht hyperbole Paranoia einerseits oder fundamentalistische Sprachverbote andererseits verbreiten? Es sind jedenfalls definitiv zu wenige und falls es sie gibt, haben sie im Aufmerksamkeitszirkus von DasGeileNeueInternet scheinbar keine Chance. Und ich hab' die Schnauze voll von den Schwätzern.

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