Das Massaker an Schwulen in Orlando ist eine Manifestation toxischer Männlichkeit

Gepostet vor 3 Monaten, 13 Tagen in Misc Share: Twitter Facebook Mail

1.) Hier die Namen der 49 Opfer des Anschlags auf den Schwulenclub Pulse von der Website der Stadt Orlando:

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Stanley Almodovar III (23), Amanda Alvear (25), Oscar A Aracena-Montero (26), Rodolfo Ayala-Ayala (33), Antonio Davon Brown (29), Darryl Roman Burt II (29), Angel L. Candelario-Padro (28), Juan Chevez-Martinez (25), Luis Daniel Conde (39), Cory James Connell (21), Tevin Eugene Crosby (25), Deonka Deidra Drayton (32), Simon Adrian Carrillo Fernandez (31), Leroy Valentin Fernandez (25), Mercedez Marisol Flores (26), Peter O. Gonzalez-Cruz (22), Juan Ramon Guerrero (22), Paul Terrell Henry (41), Frank Hernandez (27), Miguel Angel Honorato (30), Javier Jorge-Reyes (40), Jason Benjamin Josaphat (19), Eddie Jamoldroy Justice (30), Anthony Luis Laureanodisla (25), Christopher Andrew Leinonen (32), Alejandro Barrios Martinez (21), Brenda Lee Marquez McCool (49), Gilberto Ramon Silva Menendez (25), Kimberly Morris (37), Akyra Monet Murray (18), Luis Omar Ocasio-Capo (20), Geraldo A. Ortiz-Jimenez (25), Eric Ivan Ortiz-Rivera (36), Joel Rayon Paniagua (32), Jean Carlos Mendez Perez (35), Enrique L. Rios (Jr. (25), Jean C. Nives Rodriguez (27), Xavier Emmanuel Serrano Rosado (35), Christopher Joseph Sanfeliz (24), Yilmary Rodriguez Solivan (24), Edward Sotomayor Jr. (34), Shane Evan Tomlinson (33), Martin Benitez Torres (33), Jonathan Antonio Camuy Vega (24), Juan P. Rivera Velazquez (37), Luis S. Vielma (22), Franky Jimmy Dejesus Velazquez (50), Luis Daniel Wilson-Leon (37), Jerald Arthur Wright (31).

2.) Ich bezeichne mich als Feministen und beobachte die Bewegung wohlwollend, aber kritisch, und kaufe nicht sämtliche Behauptungen blindlings. Der Feminismus bietet allerdings ein Konzept, das ich aus eigener Erfahrung als Mann für sehr schlüssig halte, und das bereits seit Jahren durch wissenschaftliche Studien gedeckt wird: Die toxische Männlichkeit. Das Schwulen-Massaker in Orlando ist ein Musterbeispiel dafür.

Toxische Männlichkeit heisst übrigens nicht, dass Männlichkeit per se toxisch ist, weshalb ich selbst ein Problem mit dem Begriff habe. Es gibt Zahlen, die ein sehr viel heterogeneres Bild von Männlichkeit zeichnen. Das Phänomen selbst ist allerdings ebenso real und wurde in Studien explizit mit Schwulenhass nachgewiesen:

most of the boys who opened fire were mercilessly and routinely teased and bullied and that their violence was retaliatory against the threats to manhood; (c) that White boys in particular might be more likely than African American boys to randomly open fire; and (d) that the specific content of the teasing and bullying is homophobia.

3.) Der Mann hatte nun offenbar selbst homosexuelle Tendenzen, wurde von seinem Vater anscheinend als schwul „beschimpft“ („she had described Mateen as having 'gay tendencies' and said his dad had called him gay in front of her on several occasions“) und war Stammgast in eben jenem Schwulenclub.

Der Vater äußerte sich nach dem Anschlag wie folgt:

The father of the Orlando gunman, Omar Mateen, has posted a video in which he condemns the atrocity committed by his son but then appears to suggest it is for God to enact “punishment” against gay people. […]

Addressing the people of Afghanistan, Seddique Mateen said in the video: “I don’t know what made him [do this], I have no idea, I had no idea that he felt resentful in his heart and had gone to the gay [he uses the derogatory word hamjensbazi] club and killed men and women there.

Selbst hier zeigt der Vater noch seine offensichtliche Homophobie.

4.) Hier kommen also mehrere Dinge zusammen: Toxische Männlichkeit, traditionell gelebter Islam mit seinen falschen Vorstellungen von Ehre und Familie (die er mit allen anderen Religionen gemeinsam hat), daraus folgende verheimlichte Homosexualität sowie klassische Daddy-Issues, die vor allem bei zu starken Vaterfiguren auftreten. Und ich weiß ein oder zwei Dinge über zu starke Vaterfiguren.

Ich kannte mal ’nen sehr starken Mann, klassisch, Grill-Typ, hat immer alles selber geregelt, Kämpfer, Boxer, oft aufbrausend und wütend (aber nie gewalttätig). Eine angsteinflößende Figur für ein Kind, bis dieses Kind – nennen wir es Ralf – irgendwann sehr seltsame Pornos in seiner Sammlung fand. Chicks with Dicks, Trans-Porn, Klistier-Sex. Strange things, zumindest für Ralf. Ralf war damals so 12 oder so, alt genug, um zu verstehen, was er da sah. Und auch schon alt genug, um nun klassische Männlichkeit schon in sehr jungem Alter als das zu sehen, was sie ist: Eine Maske, hinter der sich sehr oft sehr verletzliche Menschen und verborgene Triebe verstecken. Die Männlichkeit von Ralfs Vater äußerte sich zum Glück nie wirklich toxisch, auch wenn Ralf natürlich seine eigenen Daddy-Issues davontrug, aber diese Kenntnis psychologischer Untiefen bei nach Außen ganz klassischen Männern führten bei ihm letztlich dazu, dass er das Konzept Männlichkeit letztlich nie so ganz ernst nahm.

Als Ralf später gemobbt wurde, weil er der kleinste in der neuen Klasse war und auch noch frisch zugezogen, traf er erneut auf toxische Männlichkeit und stellte bei seinen Mobbern auch immer eine seltsame Lust fest und er fragte sich oft, warum diese Fußballer, die ihn da grade an einen Stuhl fesselten, darin eine gewisse Geilheit verspürten. Als ob sie eigentlich viel lieber seinen Schwanz lutschen wollten. Ralf fand das lustig, auch wenn er unter dem Mobbing litt. Aber da er schon damals eine kleine Ahnung vom Konzept der toxischen Männlichkeit hatte (ohne eine Bezeichnung dafür zu kennen oder psychologische Hintergründe), konnte er das Mobbing damals recht unbeschadet wegschulterzucken. Jahre später kamen Ralf Gerüchte darüber zu Ohren, dass einer der fiesesten Mobber damals seine heutige Frau wiederholt geschlagen hätte. Ralf nickte nur rätselhaft, als ob das alles für ihn einen seltsamen Sinn ergäbe.

5.) Margarete Stokowski macht deshalb zum genau dem richtigen Zeitpunkt auf spOnline das Fass der Toxischen Männlichkeit auf.

Die Männerrechtler ereifern sich natürlich, Rainer Mayer („Don Alphonso“) versteckt seinen antifeministischen Kommentar hinter falscher Komplexität, beide sind in ihrer Argumentation bemerkenswert schwach. Die einen beschweren sich vor allem über Stokowoskis zugegeben eher schwachen Abschluss des Artikels, Rainer Mayer betreibt reinstes Derailing, als ob Noor Mateen, die Frau des Attentäters von Orlando, angesichts jahrelanger Misshandlungen durch ihren Mann wirklich eine andere Wahl hatte, als ihn zum Club zu fahren oder zum Einkauf der Waffen. Die Frau wird dafür vor Gericht gradestehen, im Gegensatz zu ihrem Ex-Mann.

Dieses Bit ist Teil des wahren Grundes hinter dem Attentat: Toxische Männlichkeit aufgrund konservativ gelebter Religion.

Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, dass explizit wir Männer dieses Fass selbst aufmachen. So let's talk about Violence.

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Tags: Crime Feminism Islam LGBTQ Religion Terrorism

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