Nazi kauft sich in die Timelines auf @TwitterDE

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propaganda2Vor einem Jahr machte eine damals neue Nazi-„Troll“-Technik die Runde. Im Mai 2015 kaufte sich Andrew „weev“ Auernheimer per Sponsored Tweets mit WhiteGenozide-Crap in die Timelines. Soweit ich das aus der Story vom Guardian nachvollziehen kann, brauchte Twitter damals einen Tag, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Bedenkt man, dass diese Hatespeech-Technik damals neu war, halte ich die Reaktionszeit von einem Tag für okay.

Seit gestern nutzt nun ein „Henry Hafenmayer“ dieselbe Technik, um Holocaustleugnung, Antisemitismus und Rassismus in die deutschen Timelines zu spülen. Meines Wissens der erste, der hierzulande auf diese Idee kam. Auf seiner Website (URL in den Screenshots, ich verlinke solche Arschlöcher selbstverständlich nicht) steht geschrieben: „Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.“

Man dem muss nicht lange hinterher recherchieren, um herauszufinden, dass der Typ nichts weiter als ein strammer biodeutscher Nazi ist, der schleunigst aufgrund Volksverhetzung juristisch belangt werden sollte. Man findet sogar ganz oben in den Suchergebnissen das PDF eines Briefs an die Polizei Essen, laut dem er bereits wegen vergangener Hatespeech-Crimes vorgeladen wurde. Bekennender Nazi mit Aufmerksamkeitsdefizit teilt antisemitische und rassistische Verschwörungsscheiße, jetzt auch als Werbung auf Twitter. Das volle Programm also.

Das eigentliche Problem: Warum nimmt @TwitterDE promoted Posts dieser Inhalte eigentlich an? Und warum kann diese Person trotz dutzender Hinweise seit jetzt 16 Stunden offen auf @TwitterDE Nazi-Inhalte bewerben? (Zugegeben, einer der mir bekannten Tweets ist erst auf den zweiten Blick zu durchschauen [Bild oben].)

Es liegt auf der Hand, dass die Nummer heute irgendwann ihr Ende finden und der Account wahrscheinlich gesperrt wird. Aber grade im derzeitigen politischen Klima kann es nicht sein, dass ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von soundsoviel Millarden Dollar es nicht schafft, lokale, schnelle Teams zur Moderation von Inhalten zu schaffen, statt den Job lieber per „Commercial Content Moderation“ in die Philippinen auszulagern. Und grade aus Eigeninteresse müsste Twitter (und FB und alle anderen) ein Interesse daran haben, ihre eigenen Businesstools (wie eben „promoted Posts“) nicht durch rechte Extremisten angreifbar zu machen. Yet, here we are.

Perfektes Beispiel dafür, wie sich Nazis moralische Lücken im finanzglobalisierten SocialMedia-Kapitalismus zu Nutze machen, um ihre menschenfeindlichen Lügen zu verbreiten (was ja angesichts des unter diesen Leuten weit verbreiteten Anti-Amerikanismus ja auch ein bisschen lustig ist). You got work to do, Twitter.

For the record: Ich habe die Tweets und Icons und @Mentions der meldenden User anonymisiert, um sie nicht angreifbar zu machen, auch wenn die Tweets öffentlich sind.

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