Sascha Lobo und Stefan Niggemeier über DasGeileNeueInternet

Herr Lobo und Herr Niggemeier widmen sich in bislang zwei Podcasts dem, was ich seit ungefähr ’nem halben Jahr als DasGeileNeueInternet bezeichne, womit ich die Wirkmenge aus Clickbait, Social-Media-/Sharing-Mechanismen, Outrage-Memetik (auf Deutsch in etwa: „Aufregungsverbreitungskultur“, aber sowas will ja keiner schreiben) und Aufmerksamkeits-Ökonomie meine, und wie das alles in den letzten Jahren das Netz zu einem fast schon surreal anmutenden Ort voller Schreihals-Idiotie machte.

In der ersten Ausgabe reden Stefan Niggemeier und Sascha Lobo über Soziale Medien und wie sich ihre Wahrnehmung geändert hat. Machen sie Hass und Ressentiments in der Gesellschaft nur sichtbar oder verstärken sie sie? Ist ein ernsthafter Austausch von Argumenten, ein Überzeugen des Gegenübers überhaupt möglich? Auf welcher Grundlage kommen wir selbst zu unseren Überzeugungen, wie die Welt ist – und wie nicht? Und verzweifeln wir zunehmend am eigenen Zweifeln?

Sascha Lobo und Stefan Niggemeier reden darüber, wie die öffentliche Debatte immer reflexhafter wird. Wie selbst der schlechte alte Empörungssturm inzwischen zu einem bloßen Reflexgewitter verkommt. Und wie sich soziale und redaktionelle Medien gegenseitig aufschaukeln.

Es geht um den Meinungssog, den “Like-Buttons” und ähnliche Social-Media-Elemente produzieren; um die Frage, ob uns allen vielleicht eine abendliche Social-Media-Ausgangssperre gut täte; um die Impulskontrolle als zentrales Element der Zivilisationsgeschichte – und um die Frage, ob wir die Zeit haben, auf das Ende der Ungeduld warten zu können.

Die zwei sprechen da sehr viele Punkte an, die ich in diesem einen Artikel von damals™ schilderte: Es geht hier vor allem um Sozial-Psychologie und Netzwerk-Effekte (memetische Verstärkung) und schlichtweg um Masse und Sichtbarkeit. Freut mich, dass die Themen endlich bei Leuten auf dem Schreibtisch liegen, die sich viel besser mit dem ganzen Mumpitz auskennen, als yours truly.

Ich selbst tendiere derzeit übrigens eher dazu, diese neue Normalität des ständigen „Struggles“ als positiv wahrzunehmen. Bin aber unschlüssig, ob ich das Thema einfach nur satt habe (eher nicht), oder ob diese neuen „Streit-Rituale“ zusammen mit neuen Formen des Tribalismus zu einer halbwegs gesunden Diskursform mutieren können. Das ist aber noch null durchdacht oder recherchiert. Wie auch immer: Es bleibt spannend.