Fantasy Filmfest Nights – Tag 2: Green Room, The Witch, Moonwalkers, The Survivalist, What We Become

Mini-Reviews zum zweiten Tag der Fantasy Filmfest Nights. Highlights waren wie erwartet Jeremy Saulniers „Green Room“ und Robert Eggers' „The Witch“, beide allerdings leider nicht die erhofften Überknaller. Letztlich aber waren alle fünf gezeigten Filme mindestens okay und selbst das Schlußlicht „Moonwalkers“ hatte mir wirklich viel Spaß gemacht.

greenrooooooom

5. Moonwalkers (Trailer)

Zwei Hippie-Aufschneider nehmen CIA-Agent Ron Perlman das Geld für Kubricks Mondlandungs-Fake ab und müssen ihn natürlich selbst drehen.

Sehr laute und klamaukige Comedy mit Slapstick-Elementen, lebt vor allem von Robert Sheehan (that „Misfits“-Guy) als dauerdruffen Hippie und Situationskomik und dem Kontrast zu Ron Perlmans Action-Einlagen. War mir letzten Endes zu nicht-subtil und quatschig und als Ron Perlman an der Bong zieht, inhaliert er nicht. Nettes Futter für Netflix'n'Chill.

4. What We Become (Trailer)

Zombievariante aus Dänemark, die zwar ohne größere Überraschungen auskommt, dafür aber stark gespielt ist und ein paar hübsche Bilder einfängt. Viel mehr kann ich zum Film leider nicht sagen, weil ich hoffnungslos zu spät ins Kino kam und nur noch die letzte halbe Stunde anschauen konnte.

3. The Survivalist (Trailer)

Minimalistisches Endzeit-Kammerspiel um das Aufeinandertreffen des titelgebenden Survivalists und zwei Damen, das resultierende Wechselspiel aus Misstrauen, Sexualität und post-apokalyptischer Überlebens-Ökonomie und schließlich natürlich die Bedrohung durch Eindringlinge.

So ungefähr könnte „The Walking Dead“ in zehn Jahren aussehen, wenn Rick Grimes am Ende jeden verloren hat und vollständig auf Instinkt und archaische Lebensverhältnisse zurückgeworfen wird. Tolle Bilder und starke Kamera, sowie fantastisches Schauspiel, allen voran von „Tochter“ Mia Goth. Letztlich ein wenig zu lang und vielleicht auch ein bisschen langweilig. Trotzdem gut.

2. The Witch (Trailer)

Supernatural-Grusel im Neu-England des 17. Jahrhunderts.

Großartige Details, die Dialoge des kompletten Films wurde in Alt-Englisch geschrieben. Fantastisches Schauspiel von allen Beteiligten und ein paar echt ziemlich creepy Shots. Der Film bleibt angenehm offen für Interpretationen, letztlich weiß man nicht wirklich, ob es sich bei den Geschehnissen um Visionen oder Fantasien oder Realität handelt. Der Film ist darüber hinaus als Teenage Rebellion-Drama und das Erwachen und Ausbrechen weiblicher Sexualität aus der Unterdrückung durch religiösen Fundamentalismus lesbar. Toll!

Leider dann doch nicht raffiniert genug und das Ende wirkt in seiner Eindeutigkeit etwas deplaziert.

1. Green Room (Trailer)

Punk-Band gegen Nazi-Schergen im Actionhorror-Film von Jeremy Saulnier („Blue Ruin“).

Definitiv das Highlight des Festivals für mich, sehr schicke Bilder, ein paar überaus knackige Gewalt-Eruptionen und mit seinem Punk/Nazis/Precinct13-Mashup so dreiviertelhalbwegs originell. Leider an einigen Stellen eher konfus, wenn es ein paar mal zu oft um „Gun-Bullet-Ökonomie“ und Resourcen geht und man fragt sich natürlich auch, warum die hundertdrölf Nazis nicht einfach in den Green Room stürmen. Patrick Stewart bleibt als Obernazi leider etwas blass und Jeremy Saulnier schafft es auch nicht, die narrative Eleganz von „Blue Ruin“ auf dieses Szenario zu übertragen.

Dafür hatte der Film aber mit Abstand den schicksten Soundtrack des Festivals (mit Tracks von Dead Kennedys bis Slayer) und war thematisch wahrscheinlich dank global erstarkender Right-Wing-Creeps am nähesten am Zeitgeist. Und trotz der grade beschriebenen Meriten ist der Film dank carpentereskem Precinct13-Setting durchgehend hochspannend und „liefert ab“. Definitiver Anschautipp.