Wowcast 55: Batman v Superman – Dawn of Justice (+ Review)

Gepostet vor 5 Monaten in Movies Podcast Share: Twitter Facebook Mail

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Sascha (@reeft, Facebook) und ich zerfetzen eine Stunde lang Supes v Bats in der Luft. Hier mein Review dazu:

Einen Batman v Superman-Verriss zu diesem Zeitpunkt zu schreiben wäre unfair und wie einem kryptonit-geschwächten, halb-vernichtet am Boden liegenden Superman nochmal in die Eier zu treten. Das Problem dabei ist jetzt: Der Film ärgert mich wirklich sehr und desto mehr ich über ihn nachdenke, desto wütender werde ich und zwar aus zwei Gründen: 1.) Das Script von David Goyer, dem ich die komplette Schuld am diesem Machwerk gebe und 2.) Die zwei oder drei Comic-Fans, die behaupten, den Film könnten nur Comic-Fans geil finden, da ihn nur Comic-Fans verstünden. Letzteres nehme ich fast schon als persönlichen Affront. „You don't like this movie? Then you're not a Comic-Fan.“ Yeah? Well, fuck you. Big Time.

Batman v Superman-PosterSuperman war eins meiner allerersten selbstgekauften Comics. Ich habe sehr früh und dann recht lange Superman-Comics gelesen, inklusive Superman-Batman-Abo beim Ehapa-Verlag damals, und Supes ist bis heute einer meiner allerliebsten Superhelden. Der ganze Batman-Clobbering-Hulk-Avengers-Marvel-Kram kam später, Supes was my first love. Genau deshalb empfinde ich diesen Film als Angriff auf Comic-Verfilmungen allgemein und das DCU speziell und wenn ich ein wenig übertreiben darf: Ich mache mir wirklich Sorgen, dass BvS den Ruf, den sich Comic-Verfilmungen in den letzten Jahren vor allem aufgrund der Arbeit von Disney und Marvel erkämpft haben, zunichte macht, indem Warner das komplette DCU-Gefüge aus Panik komplett an die Wand fährt, so dass Superman- und/oder Batman-Stoffe auf absehbare Zeit tatsächlich erstmal verbrannt sind. Denn an diesem Film stimmt bis auf wenige Ausnahmen gar nichts.

Die Ausnahmen: Die Wiederholung des Finales aus „Man of Steel“ aus der Perspektive von Bruce Wayne ist eine (sehr) clevere Idee und Prämisse für den Film. Die Szene hat ihre Logiklöcher, aber hey, fuckit. Die Bats-Supes-Schlägerei ist halbwegs unterhaltsam, auch wenn die Action insgesamt auf eine sehr seltsame Art sehr lahm inszeniert ist. Wonder Womans erster Auftritt im Kostüm ist gleichzeitig eine Erlösung im Film, der an dieser Stelle zum ersten (und einzigen) mal tatsächlich Spaß macht und sowas wie kickass wird. Alfred ist ein willkommener frischer Wind, Jeremy Irons spielt ihn als Bats Kampfgefährten auf Augenhöhe und Batfleck ist vielleicht der beste Leinwand-Batman, ever. (Deshalb ergibt die #SadAffleck-Meme ja so viel Sinn). Die Helden sind mir persönlich zu aufgepumpt, das allerdings passt wiederum zur martialischen Vorlage aus Frank Millers „Dark Knight Returns“ und Zack Snyders Fetisch für Übermenschen. Und auch wenn mir persönlich der overacted Lex Luthor von Jesse Eisenberg gar nicht gefiel (vor allem deshalb, weil es eben nicht wirklich ein brillant-soziopathischer Luthor war, sondern ein psychopathisch-hibbeliger Joker in Luthor-Kostüm), stellt seine Figur eine willkommene Kontrastierung des Dark'n'Gritty-Tones von Snyder dar. Kann man machen.

Man muss ebenfalls konstatieren, dass tatsächlich ein paar Dinge im Film gezeigt werden, die Kritiker wegen offensichtlicher Unkenntnis des DC-Universums nicht auf die Reihe bekamen. Die geographische Nähe von Metropolis und Gotham ist offizieller Kanon, zumindest eine Version davon. Auch die Perlenkette von Martha Wayne, die sich um die Knarre des Mörders von Bats Eltern verwickelt, wird genau so in den Comics dargestellt. These bits don't make a good movie tho, und der Rest ist cineastische Oberkacke. Selbst die grade genannten Lichtblicke haben alle ihre Schattenseiten (Batfleck rockt, verhält sich aber unfassbar doof für einen supersmarten Detective, Wonder Woman taucht aus dem Nichts auf und wirkt deplatziert, die Einführung der neuen JLA-Charaktere ist völlig arhythmisch und Aquaman hält die Luft an).

Sidenote: Lex Luthors Insassen-Nummer am Ende ist „16-TK421“, wobei „TK421“ eine Star Wars-Referenz ist, offenbar ein kleiner Insider-Joke bezüglich der Social-Media-Spielereien zwischen JJ Abrams und Zack Snyder vor anderthalb Jahren.

Ben Affleck holding a Superman-Puppy

Jimmy Olsen bekommt von mir einen eigenen Absatz, denn der Reporter mit dem CIA-Tracking-Device in der Kamera, der zu Beginn des Films von Snyder mal eben aus der Hüfte abgeknallt wird? Das ist Supermans bester Freund. Snyder verteidigt seine Entscheidung so: „We just did it as this little aside because we had been tracking where we thought the movies were gonna go, and we don’t have room for Jimmy Olsen in our big pantheon of characters, but we can have fun with him, right?“ Yup. Snyder killed Jimmy Olsen, Supermans best Friend, just for fun, als Easter-Egg, denn der Film erklärt an nur einer einzigen Stelle, dass es sich hier um Olsen handelt: Als Namensnennung im Abspann. Seriously, WTF?! Das ist ein extrem liebloser Stinkefinger von Snyder an jeden Supes-Fan. Eigentlich sollte das alleine schon Grund genug sein grade für DC-Fans, um Warner auf's Dach zu steigen. Aber nein, Kritiker des Films haben keine Ahnung von Comics und überhaupt: Kopf zu, ist ja alles nur Unterhaltung. Fuck that.

batttsoUnterhaltung ist keine Kategorie für Filmkritik. Ich fühle mich von jeder Menge Crap unterhalten. Ich mag schrottige Ninja-Filme aus den 80ern, ich schau mir manchmal ultrareaktionären Action-Scheiß von Chuck Norris an, ich bin der einzige Mensch auf dem Planeten, der „Green Lantern“ mehr als einmal gesehen hat, just to see the green Fucker doing Lantern-Things. Hell, ich fand’ sogar „Man of Steel“ okay. Hat mich alles unterhalten und das alles sind (objektiv betrachtet) Kackfilme. „Batman v Superman“ ist einer davon, nur hat er mich eher so viertelnicht unterhalten.

Wie oben bereits gesagt, gebe ich vor allem David Goyer und seinem miesen Script die Schuld an diesem Desaster und desto mehr ich über den Film nachdenke, desto mehr hasse ich ihn tatsächlich. Ich mag Zack Snyders Fetisch für bombastische Bilder und seinen Hang zu artifiziellem Hyper-Realismus mit jeder Menge Dreck und Rotz in Slow Motion. Snyder hat ein grandioses Gespür für druckvolle Bilder, vielleicht sogar wie kein zweiter derzeit. Der Mann hat ein offensichtliches Shyamalan-Problem: Gib ihm eine großartige Vorlage („Dawn of the Dead“ oder „Watchmen“) und er macht daraus tolle Filme mit bewundernswerten Einstellungen. Gibste dem aber ein Comic mit faschistoidem Subtext („300“), dann setzt er den völlig unironisch genau so um und seine hübschen Bilder werden zu Faschismus-Verherrlichung und wird Snyder mit einem konfusen Drecksscript konfrontiert, dann zaubert er eben konfusen Dreck auf die Leinwand. Vielleicht wäre Snyder wirklich besser als Kameramensch aufgehoben, oder Production-Designer.

Viel interessanter finde ich nun eher die businesslastige Post-BvS-Diskussion darum, wie sehr dieser Film die Zukunft des DCU beeinflussen wird. Derzeit legt er erstmal mit einem projezierten $170M-US-Opening das beste Einspielergebnis für Warner ever hin, dazu kommen die globalen Einspiel-Ergebnisse – die reinen Produktionskosten von 250 Mio dürfte der Film locker wieder einspielen, mit Marketing-Budget braucht der Film 410$ Mio um den Break Even zu schaffen. Dass er das bewerkstelligt, steht außer Frage, aber für Warner dürfte alles unter 1 Millarde einem Flop gleichkommen. [update] ‘Batman v Superman’ Opens to Massive $424.1 Million Globally.

[update 28.3.] Hate to say I told you so: 'Batman v Superman' Sets Record With Worst Friday-Sunday Drop For A Superhero Pic.

Spannend jetzt natürlich, wie sehr sich die vernichtenden Kritiken und die negative Mundpropaganda auf die kommende Woche auswirken werden. Schaut man sich die Comments im DC-Comics-Subreddit an, so haben wohl selbst die Ultrafanboys ihre Probleme damit, sich den Film schönzureden. Grade von Comic-Fans würde ich mir an der Stelle mehr Kritik wünschen, um Druck auf Warner aufzubauen und das DCU rumzureißen.

Ich tippe auf einen massiven Einbruch der Zuschauerzahlen ab nächster Woche und sollte das eintreffen, dürften sowohl Köpfe rollen, als auch die DCU-Strategie von Warner massiv überarbeitet werden. Kurz nachdem die vernichtenden Kritiken aufpoppten, schob Warner bereits ein Promobildchen zu Wonder Woman nach und Chris Terrio (einer der Drehbuchschreiber von BvS, die von Affleck nachträglich hinzugezogen wurden) betonte bereits, dass die folgenden Filme in ihrer Tonalität ja total anders wären. Anders gesagt: Denen geht der Arsch auf Grundeis. Wonder Woman ist bereits in Produktion, den dürften sie jetzt erstmal durchziehen – alles andere aber befindet sich nach wie vor im Brainstorming-Modus (Snyder meinte neulich, er würde derzeit noch „Justice League“-Logos scribbeln). Wenn der Film tatsächlich auch wirtschaftlich absäuft und „Suicide Squad“ nicht wenigstens ein bisschen kreativen Boden gutmachen kann, ist hier wirklich alles offen. Immerhin lässt „Batman v Superman“ wenigstens in diesem cineastischen Debatten-Subgenre sowas wie Spannung aufkommen.

Ich an Warners Stelle würde das Kreativ-Team um Zack Snyder feuern und ein neues um Ben Affleck aufbauen, der mit „Gone Baby Gone“, „The Town“ und „Argo“ bereits sein Talent hinter der Kamera unter Beweis gestellt hat und im Umfeld von Kevin Smith genug Nerd-Credentials sammeln konnte. So oder so, es bleibt interessant. We'll see.


Soundtrack-Bit am Anfang: John Williams' Superman Theme, Outro: „Luthor's Luau“. Das Intro wurde uns freundlicherweise vom großartigen Herrn Kaschke eingesprochen, Musik und Produktion von 3typen.

Shownotes:

IGN: Batman v Superman: Dawn of Justice - Zack Snyder Interview
Batman V Superman’ $170M Opening Is An All-Time High For Warner Bros. & Pre-Summer: Why Complain?
‘Batman v Superman’ Hurtling Toward $170 Million Weekend With $82 Million Opening Day
/r/DCComics: The Batman v Superman Full Spoilers Discussion
Batman v Superman: Dawn of Justice - Complete DC Comics Easter Eggs and Reference Guide
Directors Trademarks: Zack Snyder
FAZ: Wie man Weltenretter aus den Wolken reißt
“It Is What It Is”: Zack Snyder Responds To Reviews Of 'Batman v Superman: Dawn Of Justice'
75 Questions left unanswered by Batman v Superman: Dawn of Justive
Batman v Superman review: this movie is a crime against comic book fans
Wonder Woman exclusive: Meet the warrior women training Diana Prince
Chris Terrio Talks Justice League: Part One, Affleck Says All the DC Movies Will Happen
DC Comics: How far is Gotham from Metropolis?

Links zu MP3, Soundcloud und Podcast-Feeds:

MP3: wowcast55.mp3 (110,8MB)
Soundcloud: Wowcast 55: Batman v Superman – Dawn of Justice
iTunes: NC-Podcast
Podcast-Feed: http://feeds.feedburner.com/nc-podcast

Hier der Link zu allen Wowcast-Folgen auf Nerdcore, hier der Link zu den Heisencasts.

Tags: Batman Comics NC-Podcast Superman Wowcast

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