Die AfD ist nicht lustig.

Gepostet vor 6 Monaten, 11 Tagen in Misc Politics Share: Twitter Facebook Mail

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Die AfD ist nicht lustig, das war sie noch nie. Bitte lesen, wichtiger Text: Bitte nicht lächeln: Zur AfD.

Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Sie wird nicht aus „Unwissenheit“ gewählt. Das Programm, die Ideologie, die Debattenmächtigkeit, die Wahlerfolge der AfD haben ganz konkrete Auswirkungen auf Menschen, die nicht in das als deutsch definierte Bild der Partei und ihrer Anhänger_innen passen (wollen). Oftmals geforderte „Zivilcourage gegen rechts“, antirassistischer_antifaschistischer Aktivismus wird derweil durchgängig kriminalisiert.

Und jetzt werde ich noch feministisch-humorloser: Genau wegen alldem finde ich AfD-Scherze nicht (mehr) lustig. Es gibt hier nichts zu lachen (und das schon lange nicht mehr für Marginalisierte). „Tortaler Krieg“ ist ein ekliger Hashtag. Eure Stand-Up-Routinen zu Petry et al. könnt ihr euch sparen, weißdeutsche Cishet-Böhmermanns, wenn das schon alles ist, was ihr an Engagement zu bieten habt. Mit Klassismus und bildungsbürger_innenlichen Abgrenzungsversuchen durch Lächerlichmachung von Namen/formalen Bildungsgraden/Körpern, etc. der AfD-Anhänger_innen wird ebenso nichts erreicht.

Ich denke durchaus, dass unsere Demokratie eine Partei wie die AfD aushält, sie ist eben eine Manifestation der 20% Rassisten in Deutschland, von denen man schon immer wusste. Der strategische Partikular-Linksruck innerhalb der CDU und der Rechtsruck der SPD seit Schröder führte im Zusammenspiel zu einer massiven Schwächung der linken Strömungen in Deutschland und schuf ein Vakuum im rechten Spektrum, das die AfD nun ausfüllt.

Was nun zu tun ist: Es gilt nun also vor allem, Aufbauarbeit auf der Linken zu leisten. Die SPD muss sich asap von ihren Kuschelkurs mit der CDU trennen, wenn es sein muss durch Entmachtung des derzeitigen Führungskaders, und sie muss ihre Berührungsängste mit der Linken (Partei) in die Tonne treten. Auch wenn das ein Machtverlust bei den Bundestagswahlen bedeuten wird.

Darüber hinaus muss über ein längst überfälliges linkes Boulevard-Blatt ein neues linker Populismus a la Bernie Sanders etabliert werden. (Grade beim letzten Punkt könnte ich mir persönliches Engagement vorstellen, wenn sich da ein paar Leute finden. Vielleicht hätte spOnline seine Bento-Kohle lieber in sowas stecken sollen, statt einen Clickbait-Klon auf die Beine stellen zu wollen, das aber nur am Rande.) Ich habe dazu noch eine ganze Menge zu sagen, aber ich tue mich schwer mit dem Thema. Die „lustigen“ AfD-Bits waren mir schon immer sehr viel zu wenig (und ich halte sie, siehe oben verlinkten Text, sogar für schädlich).

Zusätzlich sind viele der grundlegenden Konflikte noch nicht wirklich im Diskurs angekommen. Es geht nämlich auch um einen politischen Konflikt zwischen urbanen Zentren und ländlichen Gegenden, sowie um anti-intellektuelle Ressentiments. Zu beidem fehlen tiefergehende Analysen.

Derweil auf FB: 7 Tage undercover auf Dunkelfacebook: „Ich fühle mich zunehmend niedergeschlagen beim Scrollen durch die Timeline. Diese Menschen sind nur damit beschäftigt, Angst zu erzeugen und aufzuwiegeln. Und es sind viele. Sie versuchen, mich als neues Lämmchen in der Herde einzunehmen und aufzuputschen. Es zieht mich emotional runter, es nagt an mir, es schafft mich. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das so nahe gehen wird. Ich mag Anja. Ich würde ihr gerne erklären, dass die meisten ihrer Ängste nicht nötig sind, dass sie sich diese Sorgen gar nicht machen müsste. Ich kann jedoch nicht aus meiner Rolle fallen – auch, weil ich denke, dass viele dieser Menschen tatsächlich gefährlich sind. Anja vielleicht nicht, aber Klaus*, der gerne mal einen Flüchtling verprügeln würde und Messer sammelt.“

Und dann: „Jetzt ist es amtlich: Pegida-Chef Lutz Bachmann muss sich ab dem 19. April wegen des Verdachts der Volksverhetzung vor Gericht verantworten.“

In Mainz feiert die AfD ’ne Nazi-Party: „'Wissen Sie, ich habe zwei Kinder, denen will ich mal ein Deutschland hinterlassen und nicht irgend so einen Multikulti-Rotz', erklärt vor der Tür ein Anhänger. Endlich werde es 'diesen Parteien' und 'diesem System' mal gezeigt, jetzt sei Schluss. […] Beim Rausgehen, draußen vor der Tür, stimmt ein AfD-Anhänger ein Lied an. Es handelt von Deutschland, seinem Deutschland: 'Deutschland lebt, und wir sind seine Söhne. / Nur Hass und Wut für die Feindesbrut.' Das Lied stammt von der rechtsextremen Band 'Division Germania'.“

Die kommenden Jahre dürften… „interessant“ werden. (Und ich hege eine kleine Hoffnung, nämlich dass dieses Erstarken einer neuen rechten Bewegung schlußendlich zu einer Renaissance linker Werte führt. Fingers crossed.)

Und hiermit gebe ich zurück zu unseren Korrespondenten aus Weird Shit und Wacko Science.

Tags: AFD Election Nazis

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