Am Nullpunkt – Flüchtlinge im Portrait

nullTolles Projekt von Autor Conrad Menzel, Illustratorin Lina Ernst und Gestalter Norman Briewig: Für Am Nullpunkt gehen die drei in Flüchtlingsheime, sprechen mit den Menschen, die grade aus dem Krieg und vor Verfolgung flohen, zeichnen Portraits und schreiben Geschichten auf. Die Texte werden anschließend nochmal auf Englisch übersetzt und von den Asylbewerbern gegengecheckt. Wie schon bei der gestern ausgestrahlten Doku „Meine Flucht – Dokumente der Vertreibung“ entsteht so eine Sammlung von Berichten aus erster Hand, die die Betroffenen eben nicht als eindimensionalen Flüchtling zeichnen, sondern als Menschen mit Biographie. Toll!

Das Wort „Flüchtling“ ist viel mehr als nur eine Gruppenbezeichnung, weil es viel weniger aus den Menschen macht, als sie sind. Das Wort „Flüchtling“ ist, in unseren Augen, ein Label, das Biographien nullt, Lebensgeschichten in wenigen Buchstaben wegwischt und auf eine Episode verkürzt, die Flucht. Sprache macht Politik, Wörter wie „Flüchtlingsstrom“, „Flüchtlingswelle“, „Flüchtlingsansturm“ zeichnen Bilder, die in den Köpfen vieler wirken und auf gefährliche Weise Ängste schüren vor vermeintlich Fremden.

Wir glauben, dass uns die Lebensgeschichten der geflohenen Menschen so fremd gar nicht sind. Nur bekommen wir diese Geschichten viel zu wenig erzählt, haben viel zu wenig Gelegenheit, unsere Vorstellungen, Träume und Wünsche in den Menschen wiederzuerkennen, die vor kurzer Zeit noch ein Leben, eine Arbeit, ein Zuhause, aber nicht die leiseste Ahnung davon hatten, dass sie bald schon auf der Flucht wären vor Krieg, Not, Terror und Elend.

Wir möchten die Lebensgeschichten erzählen, die vor einer Flucht angesiedelt sind, die Biographien dieser Menschen, bevor alles zusammenbrach. Angefangen bei der Kindheit über die Schule bis hin zur Ausbildung, den Berufen, dem Familienleben, den Hobbys, den Leidenschaften, Talenten dieser Menschen. Wir möchten das Bekannte, Vertraute im vermeintlich Fremden aufspüren.