Schreispiralen und Outrage-Memetik

Sascha Lobo in seiner heutigen spOnline-Kolumne über die Rolle von Outrage-Memetik und Clickbait beim Aufstieg der Rechten hierzulande und auch in den USA, Hervorhebungen von mir. Schreispirale, schöner Neologismus, klau ich mir. Ich dachte eigentlich, der Diskurs wäre schon längst viel weiter. (SCNR)

Wenn solche Sätze [aggressiven Äußerungen von Trump, "Entgleisungen" von AfD und Pegida] einmal in der Welt sind, entfalten sie ihre Wirkung. Das hat vor allem damit zu tun, dass die sozialen Medien einzelne Memes, also kommunikative Wirkbausteine wie Kurzzitate oder Wort-Bild-Kombinationen, maximal verbreiten können. Aber diese Verbreitungsnetzwerke sind so situativ, dass eine spätere, eventuelle Richtigstellung oder Entgegnung kaum ähnliche Wucht entfalten kann. Nachgelieferte Klarstellungen sind etwas für die alte Medienlandschaft, Kommunikation in sozialen Netzwerken steht nackt für sich allein, ohne zwingenden Kontext, nur für den Augenblick.
Der Social-Media-Nachfolger der Schweigespirale ist die Schreispirale. Die politische Öffentlichkeit wird genau durch diese Grenzverschiebungen zum immer schriller kreischenden Stammtisch, begünstigt durch die sozialen Medien, befeuert aber auch von redaktionellen Medien, die sich selbst in einen Sharing-Teufelskreis hineinsteigern: je schriller, desto like. Trump hat diesen digitalen Weg vorgestampft, auf dem die AfD politisch immer erfolgreicher werden kann, weil im Netz, in den sozialen Medien inzwischen immer breitere Bevölkerungsschichten unterwegs sind.