Star Wars – The Force Awakens (No Spoilers Review)

Gepostet vor 9 Monaten, 14 Tagen in Misc Movies Share: Twitter Facebook Mail

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Nach drei Jahren Hype und Aufregung und tonnenweise Gerüchten und jeder Menge Rambazamba nun also, endlich: The Force Awakens im Kino auf der Leinwand, groß, bunt und laut. Der Film ist gut. Stellenweise sehr gut, manchmal sogar tatsächlich magisch. The Force Awakens ist meilenweit von dem Desaster der Prequels entfernt und erinnert auf mehreren Ebenen an die Originaltrilogie.

force222Zum einen natürlich die praktischen Effekte. Der Film fühlt sich haptisch an, die Lichtschwertkämpfe sind wuchtig und physisch. Adam Driver (Kylo Ren) erwähnt in einem Interview, die Lichtschwert-Attrappen seien tatsächlich „satisfyingly heavy“ gewesen, hätten auch bei den Dreharbeiten geleuchtet und das sieht man, wenn etwa der Schein der Lichtschwerter in den Gesichtern reflektiert oder auf dem Boden schimmert. Überhaupt: Die neuen Lichtschwerter sehen großartig aus, das Plasma wabert aus schweren Metalgriffen und mit behutsam erneuerten SoundFX wirken die Waffen sehr viel gleißender und bedrohlicher, als in allen vorangegangenen SW-Filmen.

Zum anderen bietet der Film extrem oft sehr liebevollen Fanservice, der sich in netten Gags, augenzwinkernden Anspielungen und Parallelen zum Plot von A New Hope äußert. Hier geht der Film für meinen Geschmack ein ganzes Stück zu weit. George Lucas hat mal in einem Behind-The-Scenes-Feature gemeint, Star Wars wäre „like poetry, sort of. They rhyme.“ Schon klar. Das muss aber nicht heißen, dass neue Figuren und Plots zwingend die alte Trilogie wiederspiegeln müssen. Hier hätten sich die Drehbuchautoren (Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt) durchaus etwas mehr Eigenständigkeit erlauben können. Da war der Respekt vor dem Original und der Druck durch die immense Erwartungshaltung anscheinend schlichtweg zu groß und Abrams ging hier dann doch lieber auf Nummer Sicher, was den Film leider recht vorhersagbar macht (so wie jedes Märchen, möchte ich hinzufügen). Dazu kommt, dass es sich die Autoren an manchen Stellen doch zu einfach machen und mindestens einmal eine hahnebüchene Lösung für einen Konflikt zusammenkonstruieren. Aber nun, besonders subtil war Star Wars noch nie.

Die Kämpfe im Weltraum und die Verfolgungsjagten mit dem Falken sind extrem mitreißend und wirklich hervorragend getimed, trotzdem nimmt sich der Film ab und zu die Zeit für beinahe schwelgerische und langsame Shots über die Dünen auf Jakku, die natürlich an die Doppelsonnenuntergänge auf Tattooine erinnern. Das Wiedersehen mit Han, Leia und Chewie treibt einem beinahe die Tränen in die Augen und bei all der Nostalgie ist es dann fast schon erstaunlich, wie sehr man bereits nach kurzer Zeit mit den neuen Charakteren mitfiebert und sie als eigenständige Figuren erlebt, die sich ihren eigenen Platz innerhalb der Star Wars-Mythologie erkämpfen. Von der arschtretenden Rey, dem schelmisch-zaudernden Finn bis zum neurotisch-creepy Villain Kylo – alle toll. Und BB-8 war ja nun bereits im Vorfeld der Fan-Favorite – völlig zurecht.

force2Der Film sieht toll aus, das Creature-Design ist hervorragend und es gibt sogar ein Wiedersehen mit einem der eher abseitigen Bots. (Wahrscheinlich entdeckt man bei weiteren Sichtungen noch sehr viel mehr Creatures aus den Vorgänger-Filmen, der Bot ist mir aus ganz persönlichen Gründen aufgefallen, der war meine allererste Star Wars-Actionfigur.) Die Effekte sind großartig, das CGI an manchen Stellen aber zu glatt und neben den praktischen FX etwas deplatziert. Erstaunlich, dass der CGI-Charakter Maz Kanata (gespielt von Lupita Nyong'o) dennoch gut funktioniert.

Die Raumschiffe sind endlich wieder gebraucht und schmutzig, man sieht förmlich den Sand durch die Narben in den Sternzerstörer-Ruinen rieseln und die Scheiben der X-Wings sehen so aus, wie die von meiner ersten verdreckten Karre. Der Film ist stelleweise endlich wieder angenehm düster und weird. Hier zeigt sich dann auch, warum J.J.Abrams und seine „Mystery-Box“ die exakt richtige Wahl als Regisseur für den Auftakt einer neuen Star Wars-Reihe war: Die Macht wird in Force Awakens nach dem Midichlorianer-Fiasko wieder ent-rationalisiert, sie wird erneut zum Mythos und in diesen eher ruhigen Momenten, wenn der Film sich in seiner eigenen Mystik gehen lässt, wird er beinahe traumhaft schön. Abrams lässt die galaktische Pseudo-Politik und Fake-Wissenschaft der Prequels völlig außen vor, der Film konzentriert sich alleine auf die Figuren-Konstellationen, deren Implikationen und das Spektakel, das dann dabei herauskommt. Das macht Force Awakens zu einem klassischen Teil der Star Wars-Reihe, der diesen Titel tatsächlich verdient. Kein lästig-steif-bemühtes Erklärungskino mehr, sondern Märchen und Kaboom.

The Force Awakens ist sicherlich kein perfekter Film, dazu ist er an ein paar (wenigen) Stellen doch zu plump erzählt, manche Charaktere sind leider verschwendet (auch wenn wir von ihnen in den zukünftigen Teilen sicher noch hören werden) und am Ende ist es eben dann doch „nur“ ein Blockbuster mit all den Oberflächlichkeiten, die ein solcher mit sich bringt. Aber es ist eben ein waschechter Star Wars-Blockbuster, und zwar der erste gute seit 1983. Der mir tatsächlich ein paar mal Gänsehaut verpasst hat und bei dem es mir mehrfach ein wenig feucht um die Augenpartie wurde, der gleichzeitig Verbeugung vor der Originaltrilogie, wie Weichensteller für die Zukunft ist. Die Macht ist stark in diesem hier. Danke dafür, Mr. Abrams.

Tags: Review StarWars

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