Paris Climate „Bullshit“ has a Name: CBDRILONCWRC. (No, really.)

[update] Ich bekomme für dieses Posting grade ein wenig Gegenwind – wahrscheinlich zurecht. Einerseits behandle ich Hansens Kritik recht oberflächlich und beziehe seine als „Bullshit“ formulierte Kritik an einem Spin der US-Regierung auf die Inhalte des Abkommens. Dabei bleibe ich.

Andererseits erwähne ich nicht, dass der nun ausgehandelte Vertrag natürlich einen massiven Fortschritt darstellt, den man angesichts der gescheiterten Verhandlungen von Kopenhagen 2009 durchaus als „historisch“ bezeichnen kann. Mir persönlich genügt ein „Juhu, alle haben sich auf etwas geeinigt“ nicht, mehr als ein „Symbol für Kooperation und Transformation“ und ein „Signal für weltweite Energiewende und ambitionierten Waldschutz“ ist bei 196 Verhandlungspartnern scheinbar nicht drin. Aber sei's drum.

Meine Hoffnung liegt nun auf den im Vertrag vorgeschriebenen Hebemechanismen, die die Klimaziele der einzelnen Länder alle fünf Jahre überprüfen und den CO2-Ausstoß so schrittweise verringern sollen. Schön auch, dass sowohl Menschenrechte und Schäden durch Klimawandel im Vertrag genannt werden. Ersteres wollten die Saudis heraushalten, letzteres die USA, beide konnten sich nicht durchsetzen. Mehr zu den Details des Abkommens bei den Klimarettern.

Ich denke nach wie vor, dass die Bezeichnung „Bullshit“ zutreffend ist, Hansen ist nun beiweite nicht der einzige (wenn vielleicht auch prominenteste) Kritiker. Joachim Wille bei den Klimarettern:

Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Oder die Klima-Alianz: „Paris-Abkommen ist keine angemessene Antwort auf drohende Klimakatastrophe. Für maximal 1,5 Grad Erderwärmung ist schneller Kohleausstieg zwingend erforderlich“.


cbdEiner der schärften Kritiker der Pariser Klimaverhandlungen ist James Hansen, der sie in einem Paper (PDF) bereits „unadulterated 100% pure bullshit“ genannt hatte, schlichtweg, weil auch hier keine verpflichtenden Maßnahmen verhandelt werden, sondern auf freiwillige Klimaziele gesetzt wird. Der Guardian hat ein neues Interview mit dem Mann, da wiederholt er das nochmal: „It’s a fraud really, a fake […] It’s just worthless words. There is no action, just promises. As long as fossil fuels appear to be the cheapest fuels out there, they will be continued to be burned.“ Im Gegensatz zu den nun ausgehandelten freiwilligen Verpflichtungen fordert Hansen eine Carbon Tax, ohne die Möglichkeit des gängigen Emissionshandels.

Ähnliche Bedenken äußern auch andere Klimawissenschaftler, aus dem spOnline-Ticker: „Wissenschaftler Björn Lomborg hält nichts vom geplanten Pariser Abkommen: Die Ziele würden den Treibhausgasausstoß kaum senken, dafür kosteten die Anstrengungen extrem viel Geld.“ Wenn der grade eben abgeschlossene Vertrag nun also als „historisch“ und „Durchbruch“ bezeichnet wird, heisst das vor allem, man findet es im höchsten Maße erstaunlich, dass man sich überhaupt auf irgendwas geeinigt hat.

Und nun gibt es auch eine offizielle Bezeichnung für diese freiwilligen Selbstverpflichtung, die hört sich für mich wie 1a-Trollware an. Das wahrscheinlich beste Akronym aus dem Pariser Klimaabkommen heisst: CBDRILONCWRC. CBDRILONCWRC!

CBDRILONCWRC. There it is—see it, touch it, bathe in it. Let all those hard consonants fall off your tongue. Try adding vowels to make it pronounceable: Cabdriloncwerck. Kiss your fingertips every time you say it. The world is on fire but at least we got a scrumptious acronym in the process.

Yet CBDRILONCWRC turns out to be pretty important. According to Ryan Mearns, a Kiwi university student who has become one of the conference’s most important (if unofficial) scribes, it stands for “Common But Differentiated Responsibility In Light Of National Circumstances With Respective Capability.” This describes, in so many words, how the UN now hopes to limit carbon emissions: not with mandatory cutbacks, but with voluntary national commitments. Instead of handing down orders from on high, the UN expects every nation to bring their best dish to the party. If an agreement comes out of Paris, we’ll have this principle to thank.

Ich werde meine Verpflichtungen demnächst auch so bezeichnen, schicke ab sofort einfach alle Rechnungen ungeöffnet zurück und schreib da drauf: Kann grade nich meine ÜDAVBPLUJK (Übliche, aber bitte bitte differenziert anzusehende Verantwortung unter Berücksichtigung persönlicher Lebensumstände und der jeweiligen Kapazitäten) wahrnehmen, tut mir echt leid und sorry und so, aber die Kapazitäten und die Umstände, wissenschon. Kisses, Euer IFTI (Idiot From The Internet).