Constant Dullaarts Possibility of a fake Facebook-Army

army1

Schöne Online-Performance in Kombination mit einer Ausstellung (glaub ich, die Aktion beginnt erst) in der Frankfurter Schirn von Constant Dullaart, eine Fake-Armee aus Fake-Facebook-Profilen bestehend aus toten Soldaten einer hessischen Armee aus dem 18. Jahrhundert: „In der Arbeit 'The Possi­bi­lity of an Army' setzt sich Dullaart mit dem Begriff der Iden­ti­tät ausein­an­der, der durch die alltäg­li­che Nutzung von Sozia­len Netz­wer­ken rele­van­ter ist denn je. Digi­tale Iden­ti­tä­ten sind die Währung multi­na­tio­na­ler Konzerne, der "Like"-Button ist der Grund­stein einer neuen Ökono­mie der Aufmerk­sam­keit. Dullaart stellt mit “The Possi­bi­lity of an Army” die essen­ti­elle Frage: Wollen wir kultu­rel­len Wert an jenen Zahlen messen, die ein gewinn­ori­en­tier­tes Unter­neh­men gesam­melt und aufbe­rei­tet hat?“

Snip aus dem Schirn-Magazin:

army2Brad Troemel spricht beispiels­weise über »Aesth­le­tes«, um dieje­ni­gen Künst­ler zu beschrei­ben, die versu­chen den ästhe­ti­schen Vorstel­lun­gen ihres Publi­kums zu entspre­chen, um so die begehrte Zustim­mung in Form von »Likes« zu erhal­ten und den sozia­len bzw. finan­zi­el­len Wert ihrer künst­le­ri­schen Praxis zu stär­ken. Ein ande­res Beispiel ist Petra Cort­right, die als Künst­le­rin in LA lebt und eine gute Freun­din von mir ist, und die Preise ihrer Video­ar­bei­ten anhand der Sich­tungs­zah­len ihrer YouTube-Videos fest­legt.

Während die Glaub­wür­dig­keit solcher Zahlen in einer Zeit, in der Click­zah­len beschö­nigt werden und Twit­ter einge­steht, dass sich hinter Millio­nen seiner Accounts keine realen Perso­nen verber­gen, frag­wür­dig ist, ist dies dennoch ein inter­es­san­tes Konzept. Bots sind als Teil unse­res sozia­len Gefü­ges akzep­tiert, solange sie uns nicht mit Spam beläs­ti­gen, oder? Aber was passiert mit der künst­le­ri­schen Praxis, wenn das Verhält­nis zwischen Publi­kums­wahr­neh­mung und Markt­wert quan­ti­fi­ziert wird? Worin besteht die Quali­tät der Follo­wer, wie viele »gesteu­erte« oder künst­li­che Iden­ti­tä­ten werden einge­schleust, um Markt­werte zu erhö­hen? […]

Wie können wir der hemmungs­lo­sen Verwen­dung dieses falschen Vali­die­rungs­sys­tems im Jour­na­lis­mus ein Ende setzen? Und wie können wir klar machen, dass Follo­wer-Zahlen wie »Seiten­auf­rufe« oder »Likes« kein vertrau­ens­wür­di­ges Maß für ein sozia­les Inter­esse sind oder jemals sein werden, so lange es finan­zi­elle Anreize gibt diese Zahlen zu mani­pu­lie­ren? Und dass quan­ti­fi­zier­tes sozia­les Feed­back nicht mit Quali­tät gleich­zu­set­zen ist? Wie verhin­dern wir, dass dieses objek­ti­vis­ti­sche System, das Kunst und Kultur den Krite­rien von Effi­zi­enz und west­li­chen unter­neh­me­ri­schen Prin­zi­pien unter­wirft, die Kultur­kri­tik beein­flusst? Müssen wir erst T-Shirts und Trage­ta­schen auf Kick­star­ter verkau­fen, bevor wir dieses falsche Werte­sys­tem kriti­sie­ren können? Ich denke es ist Zeit für dras­ti­schere Maßnah­men. Ich sollte anfan­gen mit der Rekru­tie­rung einer virtu­el­len diskor­di­a­ni­schen hessi­schen Armee.

Derselbe Text in etwas ausführlicher und auf Englisch auf Hyperallergic: Why I’m Amassing an Army of Fake Social Media Followers.