Zwei Texte über die Nazi-Rhetorik der neuen Nazis

Bernhard Pörksen auf spOnline: „Bei politischen Konflikten kommt es regelmäßig zu NS-Vergleichen, in jedem Milieu. Selbst Rechtsextreme nutzen ihr Verleumdungspotenzial. […] Was bedeutet diese Universal-Verwendbarkeit einer Rhetorik der Eskalation? […] Diese Technik kann - selbst für die Gemeinde der Überzeugten - eigentlich nur im Moment rhetorischer Eskalation funktionieren, im Augenblick der Wutrede, der Zentralgattung so vieler Nazivergleiche.“

Michael Bittner: Nazis rufen „Nazis raus!“ – Die faschistische Verdrehung der Wahrheit

Wenn Rechte ihre Gegner als „anti-deutsche Rassisten“, als „Linksfaschisten“ oder gleich als „Nazis“ verunglimpfen, dann verfolgen sie damit zwei Ziele. Zum einen sollen die Begriffe entwertet werden. Dies ist schon einigermaßen gelungen. „Rassist“, „Faschist“ und „Nazi“ sind heute bereits Allerweltsbeleidigungen, die jeder gegen jeden gebraucht, sodass die wirklichen Rassisten, Faschisten und Nazis sich um solche Vorwürfe kaum mehr kümmern müssen. […]

Aber die Pervertierung der Wahrheit hat noch einen zweiten Zweck. Damit er guten Gewissens prügeln und morden kann, muss der Faschist, der doch auch immer weinerlicher Spießbürger bleibt, sich selbst zum Opfer und seine Opfer zu Tätern machen. Der Angriff muss zur Selbstverteidigung stilisiert werden. Dies gelingt durch die Verdrehung der Tatsachen: Der Bedroher wird zum Bedrohten, die Bedrohten zur Bedrohung.