Flüchtlingskrise durch Klimawandel in der FAZ

Ich so vor einem Monat: „Hat eigentlich schon wer Klimawandel und Flüchtlinge zusammen analysiert?“

Die FAZ so: Wir arbeiten daran. Die Kritik an den Schissern der Angstbürger ist mir da viel zu zaghaft in Frageform formuliert und Reinhard Merkel zieht am Ende mit einem läppschen „Antworten? Habe ich nicht.“ den konservativen Schwanz ein. Aber die Erkenntnis, dass die Flüchtlingskrise seine weit langfristigeren Ursachen mindestens teilweise im Klimawandel hat und das die westlichen Staaten deshalb sämtlichst in der Verantwortung stehen und die „Grenze des Zumutbaren“ alleine deshalb schon viel zu niedrig gedacht wird, ist für die konservativen Betonköpfe der FAZ schonmal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und dann könnten wir auch so langsam mal anfangen, von „Klimawandelvertriebenen“ zu reden.

Von allen Illusionen über die Möglichkeiten einer Steuerung der heutigen und erst recht der künftigen Flüchtlingsströme ist [die Unterscheidung zwischen „Kriegsflüchtlingen“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“] wohl die aussichtsloseste. Zugleich wirft sie ein scharfes Licht auf die Frage nach dem normativen Fundament ihrer Unterscheidungen. Nehmen wir die „Klimamigranten“ der kommenden Jahrzehnte: Im Schema dieser Einteilung sind sie nichts anderes als Wirtschaftsflüchtlinge. Denn ihr typisches Wandermotiv wird selbstverständlich nicht erst das eines Atlantis-Szenarios sein, eines buchstäblichen Versinkens ihrer Heimat unter den gestiegenen Meeresspiegel. Lange davor wird es entstehen aus dem kriechenden Elend eines allmählichen Verödens ihres Lebensraums, dem Versalzen, der Erosion, dem Verschwinden ihrer Böden, dem Wachsen ihrer Armut, der Auflösung ihrer sozialen Systeme – der Aussicht also auf ein Leben, das sich dem Schreckbild des rechtlosen Naturzustands nähert, wie ihn Thomas Hobbes im „Leviathan“ imaginiert hat: „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“.