They are killing P2P and it's working.

Gepostet vor 1 Jahr, 3 Monaten in Misc Tech Share: Twitter Facebook Mail

Die haben anscheinend einen sehr effektiven Weg gefunden, um Torrents zu töten. Und das meine ich ziemlich wörtlich. Dazu muss man grob wissen, wie die Dinger funktionieren: Ein Torrent ist eine Datei, die einen Server anpingt (ein sogenannter Tracker-Server), der die Download-Software dann mit den „Peers“ verbindet, also den Leuten, die die Datei entweder vollständig (Seeds) anbieten, oder zu unvollständigen Teilen rumliegen haben (Torrent-Peers). Von beiden zieht man sich dann Datenpakete, bis der eigene Download vollständig ist.

Vor ein paar Tagen hatte Torrentfreak nun ein Posting über sogenanntes Peer-Flooding, that is: Die überfluten Torrent-Tracker mit sinnlosen, fiktiven Peers, also erfundenen IP-Adressen, die ins Leere laufen. Die kann der Server eigentlich filtern, aber durch die Masse an IP-Adressen findet der Client keine echten Peers mehr. Kann man sich ein bisschen so vorstellen, als wäre P2P-Filesharing ’ne Party mit ein paar Leuten und alle haben Bier, und wenn ich jetzt ein Bier trinken/runterladen will, kopiere ich einen Schluck von den Leute, bis meine eigene Flasche Bier voll ist. Und irgendjemand hat jetzt eine Million Menschen mit leeren Limoflaschen zu dieser Party geschickt. Ich finde jetzt vielleicht noch einen mit Bier, oder zwei, vielleicht sogar fünf, aber nie genug, um ’ne eigene Flasche Bier vollzukriegen.

Und das ist extrem effektiv, der Download wird dadurch praktisch unmöglich gemacht – oder dauert Tage oder gar Wochen. Das betrifft (bis jetzt) nur die Torrent-Clients uTorrent und BitTorrent, die sind allerdings mit Abstand die populärsten.

Und dann ist etwas interessantes passiert: Ich selbst nutze kein IPv6 und dachte, mich betrifft das nicht, so what. Nun ist am Wochenende ein Film als Screener geleakt, ich hab' mir den in meine Mediaserver-Download-Qeue gepackt (ich hab so’n 8TB-NAS, auf dem läuft ein Torrent-Client inklusive RSS-Feeds) und geguckt. Nur, leider ist mein NAS scheiße und die CPU überlastet (= Video ruckelt), wenn's um Transcoding/Upscaling auf 1080p geht. Ich wollte den jetzt aber unbedingt in HD sehen – und weil mein Download über P2P absurderweise schneller ist, als ein „Download“ aus meinem NAS über WiFi (hatte ich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls noch gedacht), hab ich das Torrent kurzerhand aus Faulheit nochmal in meiner uTorrent-Software geöffnet. And guess what? It didn't work, der Downloadspeed macht irgendwo bei 10kB/s Schluß (normalerweise hat man selbst bei eher mittelnajapopulären Torrents nach ein oder zwei Minuten die volle DL-Bandbreite).

Ich hab' das dann nochmal mit einem anderen Film getestet (es kommt bei frischen Torrents öfter mal vor, dass der Download für eine Weile recht langsam ist), und tatsächlich, bei einem der weltweit populärsten Torrents im Moment: same Game. Der Download ist extrem sprunghaft, schnellt manchmal auf 300kB/S hoch, sackt dann aber wieder zurück auf circa 20kB/s. Erst, als ich dasselbe Torrent in einen alternativen Client geöffnet habe, funktionierte der Download, allerdings ebenfalls spürbar langsamer.

Ich hab' mir mal den Spaß erlaubt, dieses superpopuläre Torrent mit so einem eher mittelnajapopulären Torrent zu vergleichen. Und weil uTorrent den Download-Speed auch als Kurve ausgibt, hab ich diesen Vergleich mal in einem Graph abgebildet. Das Ergebnis ist eindeutig:

graph

Experimente mit IPv6-Einstellungen und verschiedenen Clients bewirken so ein bisschen was, aber der Download-Speed ist in allen Fällen maximal 50% von dem, was ich normalerweise habe. Mit anderen Worten: Peer-2-Peer-Filesharing von populären Torrents über die weit verbreitetste Software funktioniert nicht mehr, und nur ein Switch zu einer anderen Software fixt das, allerdings eher so halbwegs. Und das kriegen die auch noch hin, IP-Flooding ist jetzt als Prinzip auf jeden Torrent-Client anwendbar und auch nicht auf IPv6 begrenzt, so wie das grade offensichtlich bei dem frisch geleakten Screener passiert, wegen dem ich das überhaupt erst bemerkt habe.

Und das heisst, drastisch formuliert: Die haben anscheinend einen Weg gefunden, um P2P effektiv zu zerstören, mindestens für neue Releases und Film- oder Album-Leaks. Außerdem gehe ich davon aus, dass die Methode ab genau jetzt für jeden neuen Release mit eingekauft wird, sofern es das Budget hergibt. Ich hab' nicht so richtig viel Ahnung von Servern und solchen Sachen, und bitte sag' mir einer, dass das alles Bullshit ist. Aber wenn das stimmt: Consider my Jaw dropped. Wow.

TF was tipped off by the operator of one of the largest torrent trackers, who informed us that this type of attack is rampant. Many people are complaining about slow download speeds or torrents that are stuck.

“This new method of peer flooding makes a lot of people think there are issues with torrents. From an anti-piracy point of view it is achieving the purposed effect,” the tracker operator, who prefers to remain anonymous, said. […] Without an immediate fix, the tracker operator is advising affected users to switch to a different client for the time being, or disable IPv6 in Windows (not recommended for Windows 7 and up), if that’s an option. […]

It is unclear who is behind the attacks, but considering the fact that it targets nearly all new TV and movie torrents, it could very well be a novel anti-piracy strategy. In any case, it’s definitely one of the most effective attempts to disrupt BitTorrent downloads in recent years.

Torrentfreak: POPULAR TORRENTS BEING SABOTAGED BY IPV6 PEER FLOOD

jawdropcolbert

[update] Gorgo meint in den Comments:

Was die auf Torrentfreak beschreiben funktioniert anders: Die Angreifer starten quasi mit Fake-IPv6-Adresse n Downloads und connecten so zu irgendwelchen peers. Dann laden sie aber gar nichts runter. Dadurch ist dann aber bei sehr vielen peers der Upload mehr oder weniger geblockt.

Die Bier-Allegorie wäre dann eher, dass bei allen Leuten mit vollen Bierflaschen auf der Party schon eine Schlange von Menschen ist, die so tun als würden sie sich einen Schluck kopieren wollen. Du kannst dann rumgehen und schauen, ob du jemanden siehst wo noch keine Schlange ist, findest aber auf jeden Fall viel weniger Schlücke Bier zum kopieren.

Tags: Copyright p2p

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