Harry Rowohlt R.I.P.

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Harry Rowohlt ist nach langer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben. „Wenn man in seiner Jugend ein Hippie war und sich einigermassen treu geblieben ist, sieht man eben als alter Sack aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.“ Gute Nacht, Harry. (Meldung kam grade per Tagesschau-Twitter, Updates wie sie reinkommen.)

[update] Hier die Meldung auf Tagesschau.de.

[update 19:51]
zeit.de: Das Gebrumm ist verstummt: „Wir huldigen trotzdem: Dem Verb 'reinfenstern' zum Beispiel, oder dem Satz 'Er strahlte am Telefon wie ein Dreckeimerchen' oder der 'Klappzypresse', von deren Existenz Pu der Bär seinem Freund Ferkel auf einem Spaziergang im Hundertsechzigmorgen-Wald erzählt, die es natürlich nicht gibt, die natürlich Kapuzinerkresse ist, wie Ferkel richtig weiß, aber allein dieses Wort, das ist so viel schöner, man wollte sofort Klappzypressen anpflanzen.“

NDR.de: Harry Rowohlt: Einen besseren Vorleser gab es nicht: „Nie ließ sich hinterher rekonstruieren, wie er gerade auf diese Anekdote gekommen war - aber immer wusste man: Diese Irr-, Ab- und Umwege waren gut.“

zeit.de: Ein Paganini der Abschweifung: „Harry Rowohlt hat seine witzig-virtuosen, stilistisch blendenden, mit dem Zeitungsmedium selbst spielenden Kolumnen, Reportagen und Kritiken in der guten Tradition Flann O’Briens immer gern als 'Kleinscheiß' abgetan, 'und zwar quantitativ wie auch qualitativ!'“

FAZ.net: Vermächtnis eines wilden Bären: „Seine mehrstündigen Bühnenperformances, auch einmal als 'Schausaufen mit Betonung' bezeichnet, ebenso wie seine Kolumnen unter dem Titel 'Pooh’s Corner', in denen er nach dem großen Vorbild 'Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand' versprach, waren hingegen nichts für Kinder und auch nichts für manche Erwachsene.“

Süddeutsche: Milder Kulturverächter mit Whisky-Durst: „Harry Rowohlt, dieses ungepflegte Wappentier des oft allzu gepflegten literarischen Lebens, brauchte man nicht weiter fotografisch auszuleuchten, denn in diesem mit allen Haaren der Welt zugewachsenen Gesicht fand kein für die Öffentlichkeit interessant inszeniertes Mienenspiel statt. Rowohlt schaute meistens ernst bis grimmig, auch wenn er beiläufig wie ein Schauspieler - der er ja in einem seiner vielen Nebenberufe auch war - scharf akzentuiert, seine oft sehr komischen Sätze sagte. Die klangen immer so, als seien sie schon seit Jahrhunderten in der Welt, derart einleuchtend, lebenserklärend und quatschverliebt kamen sie daher“.

Frankfurter Rundschau: Harry Rowohlt - tiefe Kehle, große Seele: „Es war eine Empathie, die die Augen nicht verschloss vor den Gemeinheiten und Bosheiten, zu denen die Spezies homo sapiens fähig ist.“

FAZ.net: 37 Fragen an den Schriftsteller: „Wie möchten Sie sterben? Ich habe mich so an das Leben gewöhnt, daß ich bestimmt unsterblich bin.“