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When Mad Max met Tank Girl…

Gepostet vor 1 Jahr, 1 Monat in feat Feminism MadMax Reviews

Mad Max: Fury Road dürfte locker als bester Action-Film seit 'ner gefühlten halben Ewigkeit durchgehen. Ich will nicht lange aufschreiben, was alle schon gesagt haben. Kurz: Believe the hype. Fury Road definiert tatsächlich, zumindest für die letzten 20 Jahre, was cineastische Action sein kann und lässt nebenbei praktisch alle etablierten Spektakelfilmer von Bay bis Snyder völlig alt aussehen, deren Filme neben Fury Road wirken, wie die hölzernen und narrativ altbackenen Machwerke, die sie sind.

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Und natürlich kann man kein Fury Road-Review tippen, ohne Feminismus zu erwähnen, weil alles, worüber sich die lächerlichen Masku-Pfeifen beschweren, ist wahr: Es ist In-Your-Face-Feminism und der Film ist aggressive Propaganda. Mich als Feminismus-Gutfinder stört das wenig, was allerdings viel wichtiger dabei ist: Die Ideologie ist dem Film nicht aufgesetzt, sondern sie ergibt sich zwingend aus dem Plot, was sämtliche Kritik daran als kulturelles Analphabetentum entblößt.

Think about it: In einer postapokalyptischen Welt, in der Energie-Ressourcen zu Währung werden, welche Ressource ist die wertvollste? Richtig, alles fruchtbare. Der Film ist hier sehr explizit, tatsächlich liegt hier einer der wenigen Plotpoints vor, die der Film tatsächlich in einer Exposition erklärt, eine der wenigen Stellen, an der George Miller nicht zeigt, sondern erzählt. Das verankert die angebliche feministische Propaganda im Plot und macht sie zu einem fundamentalen Bestandteil dieser Welt.

Und George Miller bekommt es tatsächlich hin, diesen Feminismus eben nicht nur als Kampf für Frauenrechte darzustellen, sondern als egalitären Kampf um Menschenrechte, von dem Männer genauso betroffen sind, wie Frauen. Und der Gegner sind postapokalyptische Machtstrukturen, aufrechterhalten durch Gewalt und Religion. Selbst die fiesesten Villains und deren übelst zugerichtete Opfer behalten in Fury Road eine minimale Rest-Würde. Charlize Theron macht das auch deutlich, wenn sie über George Millers Frauenbild spricht, das er in diesem Mad Max zeichnet:

People keep saying ‘strong women’ but we are actually just women. We had a filmmaker that understood the truth of women is powerful enough and we don’t want to be put on pedestals or made to be unnaturally strong.

In einem Film, in dem hunderte zugedreckter Irrer hübsche Frauen jagen, fällt kein einziges mal das Wort „Bitch“ oder „Cunt“. Und das ist eine der Standard-Actionfilm-Trophys mit weiblichen Hauptfiguren. Nichts davon ist in Mad Max. Und nicht nur das: Miller geht noch einen Schritt weiter, platziert eine einzige nackte Dame im Film – und es ist eine Falle. Das ist Millers gigantischer Stinkefinger an langweiliges und faules Storytelling in Hollywood.

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Das allerwichtigste hierbei ist dann allerdings: Der ganze Subtext (der ja nicht so sehr Subtext ist, als einfach Text. Miller macht hier keine halben Sachen und subtil ist in diesem Film gar nichts) wäre das Zelluloid nicht wert, wenn der Film 'ne weitere halblangweilige Charakter- oder Gewaltstudie wäre. Mad Max: Fury Road ist allerdings vor allen Dingen ein Film, der so heftig Ärsche tritt, wie nur wenige Filme zuvor.

Der Film arbeitet mit wahnsinnig großartig aussehenden Panoramas von postapokalyptischen Landschaften, in denen man verschwindet klein die Action beobachten kann, nur um dem Zuschauer dann in extremen Nahaufnahmen und Kameraschwenks bei voller Fahrt Funken und Metallteile um die Ohren zu hauen. Das ist physikalisches Filmschaffen in Reinform, und ich meine damit nicht die praktischen Effekte: Wenn man eine physikalische Kraft im Raum auf einen Punkt verdichtet, erhöht sich der Druck. Und nichts anderes macht Miller in Mad Max, und es hilft natürlich, dass Miller genau weiß, was er tut und man trotz allem Chaos der Action im Raum an jeder Stelle folgen kann. Das maximiert diesen Effekt und damit schafft er letztlich ein extrem wuchtiges Brett von Film, das man so vorher noch nicht gesehen hat.

Miller hat in Fury Road eine formvollendete kinetische Explosions-Oper gefilmt, die mit ständiger Desorientierung als Metapher auf den Wahnsinn arbeitet. Dabei ist der Film eben nicht, wie praktisch von allen Kritiken so aufgeschrieben, ein Non-Stop-Feuerwerk. Der Film hat Struktur und Pacing, arbeitet mit Rhythmus und Pausen und nutzt räumliche und zeitliche Trennung von Figuren als Kapitel (Streckenabschnitte in der Verfolgungsjagd, quasi). Ich muss mir den Film noch ein paar mal anschauen, aber ich wette, wenn man die genaue narrative Struktur von Fury Road untersucht, findet man einiges.

Schließlich ein letzter Punkt, der von den ROK-Pfeifen kritisiert wurde, zusammengefasst in diesem bemerkenswerten Satz: „Nobody barks orders to Mad Max.“ Okay then. Jedem, der auch nur einen der Mad Max-Filme gesehen hat, sollte klar sein, dass dieser Satz aus einer völlig verdrehten Lesart des Franchise herrührt, die tatsächlich nicht auf dem Plot der Filme basiert:

Mad Max ist und war schon immer ein passiver Held. Max agiert nicht, Max passieren Dinge. Und wenn er mal irgendwas tut, reitet er sich garantiert so tief in die Scheiße, dass da richtig viele Sachen kaputtgehen. (In der Lesart erinnert Mad Max auch ein wenig an Indiana Jones.)

Im ersten Teil flüchtet (!) Max mit seiner Familie vor der ausufernden Gewalt, nur um am Ende von Toecutter gebrochen zu werden und Amok zu laufen. Max is not a hero. Im zweiten Teil wird Max vom Helikopter-Dude überwältigt, von Pappagallo gefangengenommen, nach ein bisschen Hickhack wird er von Papagallo und seinen Leuten verarscht und bleibt ohne Benzin in der Wüste zurück. Mad Max ist nicht nur kein Held, Mad Max is a Fool! Naja, und der dritte Teil besteht ja ohnehin nur aus „Tina Turner yelling at Mad Max.“ Der Held ist in diesem Film ein puristischer Anti-Held, weil fuckit: We don't need another hero.

In diesem Sinne ist Fury Road auch, neben allen anderen angesprochenen Dingen, die einzige logische Fortführung dieses Epos: Wenn Mad Max kein Held ist, und nie einer war, dann verschmilzt Charlize Theron als Heldin dieses Films mit ihm zu einer Einheit, zu einem einzigen „Action-Gefüge“ sozusagen. Charlize Theron komplettiert Max, sie ist die Heldin für seinen Anti-Helden. Das macht diesen Film nicht nur zu einem feministischen Meisterwerk, sondern zu einem humanistischen.

Und all das, während der Film einem dermaßen in den Arsch tritt, wie kein Film zuvor. Ich verneige mich vor George Miller.


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Moar:

- Ich mag das extreme Color-Grading nicht. Mir ist klar, dass Miller da keine große Wahl hatte, weil Apocalypse in Mad Max ist optisch nun mal vor allem: Wüste. Und die ist: Orange/Blau. Das hat Miller quasi völlig übersteuert (und damit auch einen Kommentar auf das gängige Color Grading in Hollywood abgegeben), und mir ist klar, dass das in seiner Übersteigerung auch eine gewollte Künstlichkeit mitbringt. Allein: Es ist halt langweiliges Blau/Orange-Colorgrading. Das ist kein wirklicher Minuspunkt, aber es fiel mir auf.

- Ich halte Tom Hardy nicht für einen guten Mad Max. He's a grumpy Max, not a mad one. Mel Gibson hatte dieses irre Flackern im Auge, in Retrospektive mehr als verständlich, das für mich Mad Max immer ausgezeichnet hat. Hardy kriegt das nicht hin und das ist schade. Ist aber angesichts dieses Triumphs ebenfalls unwichtig.

- Der Film basiert in seiner Kinetik (wie viele Stellen im gesamten Mad Max-Franchise) auf dem 1953er französischen Actionklassiker Lohn der Angst (Trailer), einer meiner Alltime-Actionfavs. Unbedingt ansehen.

- Alle Charaktere in diesem Film sind ikonisch, vom Doof Warrior bis zu Furiosa, Nux, den „Wifes“ und Immortan Joe. Ihr wisst genau, wen ich meine, oder?

- Laut Miller haben alle Elemente im Film eine Backstory (fuckit, even the Chrome Aerosol!) Miller hat hier zu Ende geführt, was er in den anderen Teilen immer nur andeutete: Eine ausformulierte Infrastruktur, in der die gesamte postapokalyptische Gesellschaft auf ihre Körperfunktionen reduziert ist. Männer sind ausschließlich Kanonenfutter oder Blutbanken, Frauen sind Milch- und Menschenproduzenten und alle dienen den Mächtigen.

- Fury Road weist extrem viele Ähnlichkeiten zu Snowpiercer auf: Beide Filme sind mehr oder weniger ständig in Bewegung, beide spielen in einer postapokalyptischen Gesellschaft, beide thematisieren Machtstrukturen.

- In den Comments auf Making Light findet man noch extrem viele, weitere Details, die den Film so unglaublich gut machen, hier nur ein Beispiel: „It was a very exposition-light movie. The characters all take certain things for granted, which means not much explanation for the benefit of the audience, which means the audience is just expected to keep up. And it's awesome. I felt trusted. I felt that my competence as a 'reader' was simply assumed [Hervorhebung von mir].“

- Mad Max: The Wasteland soll der fünfte Mad Max-Film heißen, Tom Hardy hat für insgesamt drei Filme unterschrieben. Comics und Bücher sind ebenfalls geplant. Ich bin zwar zuversichtlich, hoffe aber, dass Miller da jetzt nicht alles mit Mad Max-Storys überschwemmt.

- Mega Mad Max Vehicle-Roundup

- CHARLIZE THERON HAS MENSTRUATED ALL OVER MY MASCULINITY.

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