Über Morlocks und Eloi

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Manchmal denke ich in diesen Tagen, die Menschheit spaltet sich in zwei Lager. Die Morlocks und die Eloi.

In Saudi Arabien peitscht man einen Menschen mit 1000 Hieben aus, weil er sich in einem Gottesstaat für den Säkularismus ausgesprochen hat. In Nigeria schlachtet ein marodierender Haufen Wahnsinniger tausende Menschen ab, weil – man weiß es nicht, denn die Regierung dort schwert sich nicht um ihre eigenen Leute. In Frankreich knallen durchgedrehte Extremisten die Redaktion eines Satire-Magazins und Kunden eines jüdischen Supermarkts über den Haufen. In Deutschland sieht man sich mit einer Masse aus xenophoben Angsthasen konfrontiert, während die Nazis gemeinsam mit ihnen 75 Jahre später wieder schamlos ihre Menschenverachtung in den Straßen zeigen. In England plant Obermufti Cameron aus niederen Wahlkampfgründen die Abschaffung der Grundrechte seiner Mitbürger. In Amerika gilt das Leben eines Menschen weniger, aufgrund seiner Hautfarbe. Der Islamische Staat rennt mit verblendeten Wahnsinnigen aus aller Welt zurück ins tiefste Mittelalter und massakriert, wo er hinkommt. We didn't start the Fire?

Manchmal denke ich in diesen Tagen, die Menschheit spaltet sich in zwei Lager. Und ich habe keine Ahnung, ob ich ein Morlock bin, der unterirdisch lebend Menschen auf der Oberfläche anbaut, versklavt und frisst – oder ein Eloi, der vollkommen verblödet in der Sonne liegend den lieben langen Tag mit leerem Blick lustige Bilder postet und nichts zu sagen hat. Ich weiß es nicht.

Dann fahre ich mit dem Taxi zu meinem „illegalen“ Kumpel mit dem gebrochenen Arm im Görli, um meinen Weltschmerz mit ein paar Wolken aus Marijuana zu würzen, und der Fahrer erzählt mir von seiner Zeit als Architekt im Iran der 60er Jahre, wie er aus dem Land vor den Mullahs floh und dort seine Bibliothek zurücklassen musste und wir reden 20 Minuten lang über Geschichte, den Islam, Rassismus und Literatur. Und ich weiß wieder, wer ich bin.