Goodbye, Craig Fergusons Late Late Night

Letzte Woche hatte nicht nur der beste Colbert der Welt seinen Job gekündigt, auch der weltbeste Latenight-Host hat sich nach 10 Jahren von seiner bisherigen Show verabschiedet: Craig Fergusons Late Late Night is no more. Seine letzte Show (hier auf YT, hier nur der letzte Monolog) war relativ unspektakulär, auf irgendeine Art passt das aber sehr gut zu Fergusons Giving-No-Fuck-Attitude.

Ich habe mich zum Finale an einem Ferguson-Supercut versucht, bin aber zunächst kläglich gescheitert, weil man seine Jokes nur sehr schlecht in kurze Clips eindampfen kann, da viele davon Running Gags sind oder über längere Zeitspannen funktionieren. Und ein Supercut aus den legendärsten Momenten wäre zu lange geworden. Also habe ich zweieinhalb Minuten Craigyfaces zu FIDLARs Gimme Something geschnitten. Guckt Euch das mal an – was für einen Spaß Craig Ferguson und seine Crew bei der Produktion der Show gehabt haben müssen:

Ich habe die Show jetzt seit rund 5 Jahren wirklich jeden Tag gesehen, und wenn ich mal ein paar Ausgaben verpasste, habe ich die alle nachgeholt. Das besondere an seiner Late Night kann man nur sehr schwer in Worte fassen – er selbst bezeichnet es als „Deconstruction of the Genre“, ich behaupte, es war ein Mashup aus DIY-Punk und dem Latenight-Format. Was auch immer es war, es war großartig. Es gibt und gab niemanden, der so etablierte Formalismen auf eine so spielerische, sehr oft improvisierte Weise auseinandernimmt und daraus etwas neues, eigenes bastelt. Und dann natürlich die Interviews.

Für sein Interview mit Desmond Tutu aus Südafrika hatte er sich einen Peabody Award abgeholt, irgendwann vor ein paar Jahren hatte er seine Gespräche komplett ungescripted geführt und zerriss symbolisch in jeder Show die Karten, auf der die „normalen“ Latenight-Hosts ihre Fragen notieren. Sein Interview mit Stephen Fry, dem er einfach mal eine komplette Sendung gewidmet hatte – because he can –, ist TV-History und seine legendären, sehr intimen Momente mit Alkohol-Geständnissen und seine Nachrufe auf seine Mutter und seinen Vater sind im Fernsehen völlig einzigartig.

Und dazu kam dann halt noch Punkrock, Drogen, Alkohol, Knast-Stories (weil er mal 'nen Betamax-Videorekorder geklaut hat), Acid mit Dr.Who, riesige Tattoos, Klapperschlangen-Pötte, Känguruh-Hoden von Prinzessin Leia, Avocados als alt-aztekisches Wort für Eier, WHO'S THAT AT THE DOOR, Quickly Quickly there is no time, Whatsacomeandago, Jungsche Psychologie, Transilvanian Dracula, Bill Clinton, Cheeky Monkey, Awkward Pause with Enya-Music, Sniff Your Finger, Søren Kierkegaard und jede Menge Fäkalhumor für 12jährige.

Sadly, „It's a great Day for America“ no more. Danke Craig, für 10 Jahre Anarchie mit Herz im Mainstream-Fernsehen. „Not like any other Late Night Show“, indeed. Äss Mode over.

Hier nochmal der Clip, mit dem ich Ferguson vor über fünf Jahren entdeckte: Why everything sucks.