Zwei Nächte mit Mutti

Gepostet vor 2 Jahren, 10 Monaten in #Misc #Alcohol #Life #Storys

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Irgendwann im Jahr 1981. Unser Toploader-VHS stand frisch im Wohnzimmer, neu ausgepackt, das Teil, und die Familie versammelte sich darum. Das Ding war vor zwei Wochen endlich bei uns angekommen und meine Mutti bestand darauf, dass wir nach der Tagesschau diesmal einen Film mit Jerry Lewis schauten. Der mit den Schreibmaschinen, der hier. Wir betrachteten, wie sich Lewis in eine menschliche Schreibmaschine verwandelte und in „Der Ladenhüter“ noch allerhand weiteren Unfug betrieb. Als der Film zu Ende war, schnarchte mein Vater laut auf der Couch.

„Mutti, noch ein Film?“ fragte ich, grade mal 7 Jahre alt.

Meine Mutti hatte mich kurz vorher in meinen ersten Kinofilm begleitet. Eigentlich, so dachten wir, es würde irgendwas mit Mickey Mouse gezeigt. Aber das dämliche Disney-Logo hatte uns verarscht, und es lief Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ und der riesige Oktopus damals im Kino hatte mich überzeugt, dass Cinematographie die beste Erfindung des 20. Jahrhunderts sei und ich wollte mehr. Mehr Filme, mehr Fiction, mehr Geschichten.

„Mutti, noch ein Film?“ fragte ich, grade mal 7 Jahre alt.

Mein Vater schnarchte auf der Couch und Mutti schenkte mir den ersten Abend meines Lebens, an dem ich mal länger aufbleiben durfte: „Na gut, aber nur noch einer!“

Also guckten wir einen weiteren Film, den uns meine Cousine ausgeliehen hatte: Abbott & Costello meet Frankenstein. Ich saß mit großen Augen vor'm Bildschirm und betrachtete, wie sich zwei Comedians mit Monstern herumschlugen. Es war großartig, es war eines der prägendsten Erlebnisse meines Lebens und ich ahnte bereits damals, dass ich meine Liebe zum Film meiner Mutter verdanken würde.


Irgendwann im Jahr 1998. Ich war 24 Jahre alt und lebte noch zuhause, arbeitete damals bei einer lokalen Tageszeitung als Schriftsetzer und Grafiker. Es muss gegen Mittag gewesen sein, als mich dort ein Anruf meines Vaters erreichte. Meine Mutter sei vermisst, sie sei morgens zum Einkaufen davongefahren und müsste eigentlich schon längst zurück sein.

Meine Mutter hatte da schon eine Serie von Hardcore-Drink-Zwischenfällen hinter sich. Sie hatte vorher die Mum meines Vaters bis zu ihrem Tod gepflegt, danach die ihre. Warum sie keine Hilfe dabei bekam von meinem Vater oder von ihrem Bruder: Ich weiß es nicht. Aber in dieser Nacht habe ich festgestellt, dass es etwas in ihr vernichtet hat.

Ich fuhr an diesem Mittag früher nachhause und irgendwann bekamen wir den Anruf eines Bekannten, der sie auf dem Bessunger Friedhof auf dem Grab ihrer Mutter gefunden hatte, zusammengebrochen und ohne Bewusstsein. Ihr Auto stand halb über einer Verkehrsinsel. Wir trugen meine Mutter zum Benz meines Vaters, ich fuhr den Kadett meiner Mutter heim. Zuhause kam sie langsam zu Bewusstsein und es wurde Nacht.

Ich saß damals oben in meinem Zimmer und guckte Filme, als sich ein Stockwerk unter mir der Streit des Jahrhunderts entfachte.

In der Nacht ging ich pissen und entdeckte meine Mutter im Wohnzimmer, sie trug noch ihr weißes Nachthemd und ihr wirrer Blick irrte durchs Wohnzimmer. Sie war betrunken und sie fragte mich, ob ich nicht die weißen Mäuse auf der Terrasse gesehen hätte.

„Siehst Du die net? Da draußen! Guck, da! Schon wieder!“

Die weißen Mäuse, die einen solchen Lärm gemacht hätten, dass sie davon aufgewacht sei. Die fucking weißen Mäuse, die ein solches Klischee in der Alkohol-Literatur darstellen, dass es einem wie ein schlechter Witz vorkommt. Aber es war kein Witz. Und es ist kein Witz.

„Nein“, sagte ich. Ich hatte die weißen Mäuse nicht gesehen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hing der Kopf meiner Mutter über ihrem Eimer, den sie schon seit Jahren vorsorglich neben ihrem Bett platziert hatte und da kotzte sie rein, in einem breiten, ausgiebigen Strahl.

„Tschüss“, sagte ich, und fuhr auf die Arbeit.

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