Gute Nacht, Mutti.

18.08.2014 Misc #Life #Storys

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Meine Mutter ist am Samstag im Alter von 73 Jahren gestorben.

Meine Mutter war eine schöne, zierliche Frau, klassische Brünette, Typ Audrey Hepburn und viel wichtiger: She was FUN! Alles, was ich an Kunst, Design und Geschmack habe, lernte ich von ihr. Sie war es, die mich als Kind ins Museum schleppte und sich mit ansehen musste, wie ich eine Arbeit von Beuys missbrauchte und sie ging mit mir in meinen ersten Kinofilm: Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer.

Ich erinnere mich an tausend Nächte, in denen ich eingekuschelt mit Mutti das Samstagnachtprogramm sah. Ich habe als kleines Kind zusammen mit meiner Mutter Dracula, Frankenstein und den Wolfman gesehen, das dreckige Dutzend und die glorreichen Sieben. Die Frau hatte Ahnung!

Wir können aber leider nicht über meine Mutti sprechen, ohne über Alkoholismus zu reden, der sie letztenendes getötet hat. Meine Mutter starb am Korsakw Syndrom, eine irreversible Neuro-Krankheit, die man sich einfängt, wenn man zuviel säuft und nichts isst.

Mein Vater und ich mussten sie einmal sturzbetrunken und zusammengebrochen am Grab meiner Oma aufsammeln. Ein paar Minuten vorher hatte sie ihr Auto geschrottet. Der durch's Haus hallende Sound ihrer Kotz-Orgien verfolgt mich bis heute.

Meine Mutter hat sich buchstäblich das Gehirn weggesoffen und wir werden hier zu gegebener Zeit über (meinen) Alkoholismus reden, aber nicht jetzt. Nicht jetzt.

Wo auch immer mein Papa und Mutti nun sind, jetzt können sie wieder zusammen tanzen.

Gute Nacht, Mutti.