This is an Ex-Monty Python

Gepostet vor 2 Jahren, 9 Monaten in #Misc #Movies #feat #Live #MontyPython #Review

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Gestern ging die letzte Show der Monty Python-Reunion zu Ende und mit ihr das grandioseste Kapitel der Comedy, ever. Arte Concert hat eine Aufzeichnung des dreistündigen Auftritts als Stream.

Meinen ersten Python sah ich mit 9. Wir waren an einem Sonntag zu Besuch bei Freunden meiner Eltern und deren Töchter schauten sich grade ein paar Filme an. Ich war damals bereits auf dem besten Weg, Cineast zu werden, hatte alle drei Programme im Fernsehen – wir hatten ja nix! – auswendig gelernt und bereits das halbe Oevre der Hammer Studios (Schlag 12 in London! Der Fluch von Siniestro!) und die Good-Bad-Ugly-Trilogie gesehen. Von Monty Python hatte ich damals noch nie gehört, es war 1983 und die Pythons waren grade mit ihrem letzten Film in den Kinos.

Ich pflanzte mich also zu den Töchtern ins Wohnzimmer und fragte, was wir sehen würde. „Rambo“, kam die Antwort. „Und eine Mittelalter-Komödie namens 'Die Ritter der Kokosnuss'“. Wahnsinn! Rambo! Der Film war ab 16! Whoa! Und nach Stallones Anti-Kriegsfilm sahen wir diesen Film mit den Kokosnüssen.

Ich glaube nicht, dass ich sehr viele der Gags damals wirklich verstanden habe. Von Comedy-Timing verstand ich nichts, ich wusste nichts von autonomen Kollektiven oder anarchistisch-syndikalistischen Kommunen und hatte mit 9 Jahren nur eine ungefähre Ahnung davon, was Bimsen auf Schloss Dosenschreck bedeuten könnte. Dafür aber lag ich bei der Überquerung der Brücke des Todes und Prinz Herberts Hochzeit hinter dem Sofa und hielt mir den Bauch vor lachen. Und natürlich: Der scharze Ritter! Ich war angefixt.

Wir hatten damals recht frisch unseren ersten Videorecorder bekommen, ein Mörder-Toploader, auf dem ich bislang vor allem Jerry Lewis-Filme rauf und runter gesehen hatte (und meinen ersten Ausflug ins harte Horror-Genre). Wir waren grade ganz frisches Mitglied in einer dieser Videotheken, die damals modern wurden. Da latschte ich mit Mutti rein, lieh mir zu meinem zehnten Geburtstag die Kokosnuss aus und in unserer unendlichen Weisheit auch den Film der daneben im Regal stand: Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft (Trailer). Ich hatte immer noch keine Ahnung, aber schon als Kind spürte ich damals, dass das nicht die Comedy war, die ich bislang aus Film und Fernsehen kannte. Das war seltsamer als Bud & Spencer, edgier als Jerry Lewis und lustiger als alles, was ich vorher gesehen hatte. Die Banane! Wie man nicht gesehen wird! Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale!

Und ich machte die Welt der Schwerkraft zu meinem Geburtstags-Standard: Jedes Jahr an jedem Geburtstag sahen wir diesen einen Film. Ich studierte ihn und lernte ihn auswendig. Ich sah in den folgenden Jahren alles, was ich von den Pythons in die Finger bekam (Live at the Hollywood-Bowl war am schwersten zu bekommen) und wenige Jahre später war ich das wandelnde Klischee des Monty-Python-zitierenden Film-Nerds. Ex-Papageien, Otternasen, Leberspenden!

Als ich Monty Python damals entdeckte, befanden sie sich grade auf ihren Höhepunkt. Meaning of Life hatte grade die goldene Palme in Cannes gewonnen und lief im Kino, noch im selben Jahr lösten sie sich auf. Seit damals gab es immer wieder Gerüchte um Re-Unions, ein paar Live-Auftritte (Secret Policeman's Ball, der Auftritt in Aspen 10 Jahre nach Graham Chapmans Tod), es blieb aber immer bei eher sporadischen Kollaborationen und die Pythons verfolgten vor allem Solo-Karrieren. Schließlich vor ein paar Monaten die Bombe: Eine Python-Live-Reunion mit tausend Gigs, übertragen im TV und Kinos in aller Welt.

Ich sah die Show gestern im Kino und fand sie leider zu einem großen Teil nur nett. Für meinen Geschmack viel zu Musical-lastig und bei den ballett-artigen Tanz-Einlagen kratzte ich mich dann eher am Kopf. Das ist nicht weiter verwunderlich: Die Re-Union-Show war Eric Idles Idee, der die anderen Pythons zu den Auftritten überredete, und Idle ist der Musical-Typ der Truppe. Ich schätze den Mann als Schauspieler sehr und als Komödiant sowieso, als Regisseur – not so much. Das sind aber meine persönlichen Geschmäcklereien und nicht weiter wichtig.

Der Unterschied dieser Neuauflage zur respektlosen Comedy aus alten Python-Tagen wird in einem meiner Lieblingssketche überdeutlich: Wo die Bruces im Vorgeplänkel zum Philosophers Song während ihres Auftritts im Hollywood Bowl damals in minimalistischer Ausstattung zu dritt auf der Bühne tatsächliche echte Bierbüchsen ins Publikum warfen („Typical Hollywood Audience, the Kids are on Drugs and the Adults are on Rollerskates“), mutierte der Sketch hier zu einer Travestie-Show und ins Publikum geworfen wurden aufblasbare Werbemittel eines Bierbrauers. [update] Von Kathrin KD aus den Comments: „Als am 3.7. in der O2 Anwesende kann ich dir sagen, dass die 'aufblasbaren Werbemittel' extra angefertigt waren und statt des 'Forsters-F' ein 'Python-P' darauf prangte – und sie waren aus Plüsch.“ Okay, nice one.

Der Silly Walk wurde zu Tanznummer, in der der Tod („Der grimmige Sensenmann“) auch mal kurz durchs Bild huschen darf. Ein Nudge Nudge Pop-Song. Die Show war in diesem Sinne auch ein überproduzierter Reminder, wie sehr sich die Motive der Pythons ins Gedächtnis des Mainstream-Establishments eingebrannt haben, gegen das die Truppe damals rebellierte.

Freilich, die Show sollte nie etwas anderes sein, als eine Abschlussvorstellung für Fans. Es ging vor allem um ein Best Of, die Greatest Hits, es ging um Nostalgie und altlinke Wohlfühl-Anarchie von und für Old Farts.

Trotz aller Kritik: Es sind und bleiben immer noch die Pythons. Deshalb saß ich gestern abend meistens lächelnd, manchmal lachend vor der Leinwand und betrachtete meine alten Helden bei ihrem letzten Auftritt mit gigantischen Pimmel-Schaumkanonen, einer genderswitched Version des Penis-Songs und Gilliams keinen Tag gealterten Animationen. Und selbstverständlich blitzte hier und da immer noch der alte, gefährlich-anarchistische Geist der Pythons durch:

Wenn Cleese, Gilliam und Jones während des Crunchy Frog-Sketches und Eric Idle während Nudge Nudge auf der Bühne die Fassung verlieren, ungeskriptete Anspielungen einbauen („You'll be an Constable Ex-Parrot“), unkontrolliert rumgiggeln oder wenn Brian Cox den Galaxy-Song kritisch analysiert und von Stephen Hawking umgerollert wird (der dann auch im Publikum einen kurzen Auftritt hat); Oder wenn Cleese und Palin während des Parrot-Sketchs die Bühnenaustattung verschieben und den Text vergessen („Where were we?“ – „You say 'And that's what I call a dead Parrot'“ – „And that's what I call a dead Parrot“) – und das dann nahtlos in eine schallende Ohrfeige an das Drecksboulevard übergeht („Apparently the Editor of the Daily Mail, Mr. Paul Dacre, has reveived an arsehole-transplant“ – „Ah, I heard of that. The arsehole rejected him.“) dann brennt erneut das alte intellektuelle Not-Giving-A-Fuck-Feuer und man weiß, warum die Pythons dreihundert Klassen über allen anderen spielen. „Fuck your sales, we have to protect the general Public“. Indeed, Mr. Cleese.

Zum Schluß dann noch ein allerletztes mal „Bright Side of Life“, man lächelt und verspürt einen leichten, melancholischen Klos im Hals und das war es dann gewesen mit der besten Comedy-Truppe aller Zeiten. Am Ende kann man dann doch nur bewundernd anerkennen, was für ein Über-Gesamtmeisterwerk Monty Python in all den Jahren erschaffen haben, das sie hier in einer verzeihenswert-exaltierten Show nochmal abgefeuert haben. Danke für alles, Graham Chapman, John Cleese, Michael Palin, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones.

To the unknown Joke. This is an Ex-Monty Python.

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