Anti-NSA-Protest at Dagger Complex Griesheim, circa 5km Luftlinie von der alten Heimat of yours truly

Die Story ist jetzt schon 10 Tage alt, aber ich hab sie grade erst gelesen (Danke Florian!) und da sie 'nen direkten Bezug zu mir hat, muss ich mir die aufschreiben. Die Geschichte geht so: In Griesheim, einem Kaff in Südhessen, gibt es den sogenannten Dagger Complex. Man vermutet dort einen der NSA-Hauptstützpunkte in Deutschland, der bereits zu Echolon-Zeiten genutzt wurde und nun wohl eine zentrale Rolle im PRISM-Programm spielen dürfte.

Nun dachte sich IT-Student Daniel Bangert so, es wäre lustig, auf Facebook im Namen eines imaginären NSA-Spion-Schutzbundes e.V. zu einem Wandertag zum „Entdecken und Beobachten“ einzuladen, um „gemeinsam den bedrohten Lebensraum der NSA-Spione erforschen“. Finde ich auch lustig – der Staatsschutz und die Polizei aber nich' so. Deshalb rief bei ihm 4 Tage nach der Einladung um 7 Uhr morgens die Polizei an, zeitgleich klingelten sie an der Haustür. Der Besuch der Herren war wohl eher unverfänglich, mittags meldete sich dann allerdings der Staatsschutz, aus einem Interview mit Richard Gutjahr (Hervorhebung von mir):

Und der Mann vom Staatsschutz – was wollte der?
Der hat mich nach meiner politischen Gesinnung gefragt. An welchen politischen Aktivitäten ich mich beteilige oder ob ich in einer Partei wäre, solche Dinge. Der wollte dann auch wissen, ob ich Beziehungen zum schwarzen Block hätte. […] Zum Schluss hat man mir nochmals nahe gelegt, meine Wanderung als Demonstration anzumelden und dass ich aufpassen solle, was ich ins Netz stelle und dass ich das Gespräch nicht veröffentlichen soll.

Zusammenfassung: Wenn man in Deutschland einen halblustigen, kritischen Facebook-Eintrag ins Netz stellt, bekommt man Besuch von Staatsschutz und Polizei inklusive der Ansage, man solle aufpassen, was man ins Netz stelle. Daniel hat seine Wanderung dann als Demo angemeldet und hat mit einem Grüppchen am Dagger Complex-Gelände demonstriert. Es ist davon auszugehen, dass Daniel nun auf irgendeiner internen Beobachtungsliste steht und seine Mails von Agenten gelesen werden. Ein kleiner Reminder, dass diese Realität gewordene Totalüberwachungswelt uns alle betrifft und zwar auf einer ganz persönlichen Ebene, denn:

Geschehen ist diese Posse per Luftlinie circa 5 Kilometer von meiner alten Heimat entfernt, wo ich dreißig Jahre lang gelebt habe. Der Dagger Complex liegt am Eberstädter Weg, das ist eine gern genutzte Abkürzung auf die L3097, um entweder nach Darmstadt in die Heimstädtensiedlung (wo meine Oma drölftausend Jahre lang gelebt hat und ich hundert mal ihre fantastischen Schinkennudeln aß) oder nach Pfungstadt zu fahren. Ich bin in meinem Job als Taxifahrer damals wahrscheinlich über hundert mal am Dagger Complex vorbeigefahren – heute kommt man für die wiederholte Nutzung dieser Abkürzung wahrscheinlich schnurstracks auf dieselbe Beobachtungsliste, genauso wie Daniel. So, there's that.

Vielleicht sollte ich wieder nach Wolfskehlen (mein Heimatkaff bei Griesheim) ziehen und meiner alten Arbeit nachgehen. Ihr versteht schon: Zum „Entdecken und Beobachten“.

Die Demonstration Freiheit statt Angst findet am 7. September in Berlin statt. Hier werden wir den Schnüfflern von Obama bis Friedrich, von Merkel bis Staatsschutz zeigen, dass sie in meinen verfickten Mails nichts zu suchen hat.