Kunst-Favela auf der Art Basel von Riot-Cops gestürmt

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Auf der Art Basel haben sie zum Amüsemeng des Kunst-Establishments ein „Favela-Café“ aufgebaut – Favelas sind die Slums in Brasilien –, in dem sich Sammler und der Kunstbetrieb im scheinbar authentischen Armuts-Chique ihren Latte hinter die Binde kippen können. Schlimm genug. Dann kamen ein paar tatsächliche Künstler daher, haben auf dem Messplatz eine „echte“ Favela nachgebaut:

Neben den schicken Hüttchen mit bequemen Sitzgelegenheiten für all die erschöpften Sammler- und Galeristenhintern stehen seit Freitagnachmittag nun original-versiffte Bretterverschläge. Es stinkt nach Rauch, eine Band schrammelt auf Gitarren, am Boden liegen leere Schrothülsen neben strassenkreidemalenden Kindern. Auf einer improvisierten Kochstelle bereitet jemand Linseneintopf, rechts davon brutzeln Würste auf dem Grill. Zwischen all den Kunstverständigen und Prekariatsbegeisterten mit Bierdosen steht ein Esel.

Schicke Aktion. Dann kamen die Riot Cops (Video oben) und haben die „Favela“ geräumt mit Schlagstöcken und Tränengas, die Räumung und die Polizeigewalt war selbstverständlich kein Bestandteil der Kunst-Aktion.

Mal von der unangenehmen Episode der Arschloch-Cops und dem Schaden, der dadurch entstanden ist, abgesehen: Für mich ist die nachgebaute Favela in ihrer Kritik am Kunstbetrieb inklusive der Räumung durch die Cops das wahrscheinlich spannendste und „echteste“ Kunstwerk, dass auf der Art Basel zu sehen war, wenn auch unbeabsichtigt. Protest-Kultur inklusive Blut und blaue Flecken als Kunstwerk. Klingt ein bisschen zynisch, ist aber nicht so sondern ehrlich gemeint. Hab' ich allerdingt noch nicht durchdacht, finde ich jetzt aber mal spontan ziemlich spannend – New School Streetart, oder sowas.

Punkt 22 Uhr hat es auf dem Messeplatz geknallt. Die Polizei marschierte in voller Montur und mit Tränengasgewehren im Anschlag auf die feiernde Menge zu. Zielstrebig steuerten die Polizisten das DJ-Pult an, die Musik hörte schlagartig auf. Dann flogen die ersten Gegenstände gegen die Polizei, zurück kam Gummischrot. Wer nicht spurte, wurde grosszügig mit Pfefferspray eingenebelt; was an Mobiliar im Weg stand, gründlich zerdeppert.

Der Spuk dauerte nur wenige Minuten, dann zogen die Polizisten wieder ab und verschwanden in einer der Messehallen.

Gewaltsame Polizeiräumung am Messeplatz (via Boing Boing)