Der Blockupy Frankfurt Kessel

Ich habe mich nach dem Kongress-Wochenende vor allem zunächst mit den Protesten in Istanbul beschäftigt, die Blockupy-Demo ging dabei ein bisschen unter. Jetzt hat mir Jan einen Haufen Links geschickt, einer erschreckender als der andere:

Nachdem im letzten Jahr die Blockupy-Proteste rund um die EZB komplett verboten werden sollten, wurde ein großer Teil der Verbote in letzter Minute und teils erst im Nachhinein gerichtlich einkassiert. Dieses Jahr gab sich die Stadt deutlich liberaler, auf der Demo selbst ist es aber heftig zugegangen:

Demosanitäter wurden an der Arbeit behindert, Journalisten der „linksradikalen“ FAZ werden von Polizisten belästigt und klagen darüber auf der Pressekonferenz des Innenministers, der Ermittlungsausschuss der Demo hat einen Haufen schockierender Berichte und Pressezitate. Daniel hat weitere Links dazu gesammelt.

Timo Reuter in der TAZ hält diese Inszenierung für gewollt, um in der Öffentlichkeit wieder das Schreckbild gewalttätiger Demonstrierender aufzubauen, dass bei den superfriedlichen Blockupy Protesten 2012 doch arg angekratzt wurde.

Ein ziemlich erhellender Augenzeugenbericht eines Demosanitäters macht grade auf Facebook die Runde:

Die meisten wurden durch Pfefferspray- (durchnässt) verletzt. Weiter hatten viele Kopfverletzungen -z.t. schwere- die durch gezielte Schläge auf Kopf und in das Gesicht verursacht wurden. Diverse Demonstrant_innen mussten zur Behandlung von Rettungswagen und Notärzt_innen abgeholt werden. Die Polizei überrannte im Verlauf unseren Behandlungsplatz (eindeutig abgesperrt und abgesprochen) vor dem jüdischen Museum und wir mussten die Verletzten weiter evakuieren.

Trotz Absprachen mit dem ärztlichen Leiter Rettungsdienst, dem Branddirektor der Feuerwehr und der Gesundheitsdezernentin der Stadt FFM wurde uns ab 19:09 Uhr der Zugang zu den Verletzten im Bereich Neue-Mainzer Str.-Friedensstr.-Kaiserplatz ("Sicherheitsbereich") verwehrt. Der ärztliche Leiter Rettungsdienst wurde von der Polizei zeitweilig auf der anderen Mainseite festgehalten.

Dieser Befehl kam nicht von der Stadt sondern direkt aus dem Innenministerium wie uns die Polizei mitteilte. Ebenso wurde der
Rettungsdienst, die Feuerwehr, Journalist_innen und Politiker_innen aus diesem Bereich verbannt (dort befand sich auch die einzige theoretisch offene Notapotheke die wir zwischenzeitlich benötigten). Im Zuge dessen wurde zu allem Überfluss noch ein Team von uns durch die Bundespolizei angegriffen.