Evil Dead (Review)

Gepostet vor 4 Jahren, 2 Monaten in #Misc #Movies #EvilDead #Review

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Ich habe mir gestern Evil Dead angesehen, das Remake zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme, der damals den Splatterfilm revolutionierte und die Hollywood-Karriere von Sam Raimi und Bruce Campbell sicherte. Die Story ist so kurz wie belanglos: Fünf Freunde fahren in den Wald, erwecken zufällig Dämonen, die von einen nach dem anderen Besitz ergreifen.

Das Original riss mit seinen absurdesten Gewaltszenen damals Grenzen ein, wenn sich etwa Cheryl als Deadite selbst die Hand abbeisst, Scott ihr das Dämonenmesser sammt abgekauter Hand in den Rücken rammt und sie dann in einer ganz absurden Soundmischung aus Rülpsen und einer auslaufenden Schallplatte langsam zergeht und Milch-Erdbeersirup verspritzt. Nur um *dann* nochmal aufzustehen, woraufhin sie von Scott zerhackt wird, teilweise aus subjektiver Kamera gefilmt, und das Ergebnis sieht man schließlich in einer großzügigen Totalen: Die gehackte Cheryl auf dem Boden verstreut.

Das Remake aktualisiert die Darstellung der Gewalt des Originals durchaus gekonnt, die Wucht und ständige Penetration des Zuschauers mit Widerlichkeiten entspricht weitgehend Raimis Tour De Force im Original und das Remake ist da ziemlich nahe dran. Allerdings ist extreme Gewaltdarstellung im Jahr 2013 nachdem Tortureporn im Mainstream mitspielen darf und Filmen wie Hostel, Saw oder auch Last House On The Left freilich nicht mehr besonders bahnbrechend.

Auch fehlt die verspielte Überdrehtheit aus aufplatzenden und irre lachenden Dämonen, die das Original trotz seiner extremen Blutorgien so klar in der Horror-Fantasy verorteten. Das Remake wirkt oft sehr mies gelaunt und humorlos, der gewalttätige Stock im Arsch des Horrorkinos 2013, den man so auch in verklemmten Machwerken aus dem Tortureporn-Genre sehen kann. Es ist eben auch nur ein Kind seiner Zeit.

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Apropos Humor: Es ist zwar ein allgemeines Missverständniss, das Original wäre besonders lustig und hätte Slapstick-Elemente, die hat Raimi allerdings erst in Teil 2 wirklich reingenommen. Dennoch ist das Original immer mit einem zwinkernden Auge inszeniert, vor allem in der surrealen Szene vor dem Finale und nicht zuletzt dank des absurden Soundtracks. Auch hier schwächelt der Film im Vergleich: An die Stelle von Josh Beckers Sound-Design aus gröhlend-schleppendem Noise, natürlich den runtergepitchten Dämonenstimmen der Deadites und Joseph LoDucas Soundtrack-Mashup aus absurder Zirkusmucke, klassischem Drama-Orchester, skurril-übertrashigen Billigsynthsounds und flirrender Untermalung des Wahnsinns auf der Leinwand.

Wo der Soundtrack des Originals beim ersten Ausbruch der Gewalt mit einem ganz minimalistischen Soundtrack aus Trommelwirbel und pointiert platzierten Streichern einen wahnsinnigen Druck aufbaut, herrscht im Remake generischer Streicherwumms, der zwar funktioniert, aber eben eine weitere Dimension missen lässt, die das Original zu dem Meisterwerk machte, das es ist. Ob der bizarre Soundtrack allerdings zu den Bildern des Remakes gepasst hätte, weiß ich nicht… wahrscheinlich nicht.

Warum auch, man kann dem Remake durchaus zugestehen, die tanzenden Teufel durchaus neu zu interpretieren und einen eigenen Film damit zu schaffen. Ein sicheres Zeichen für ein gelungenes Remake.

Fede Alvarez fügt dem Film von Beginn an eine ernsthaftere Note hinzu, die Freunde machen nun nicht mehr einfach nur ein Ferienwochenende in einer Cabin in the Woods, sondern unterstützen eine Freundin auf Entziehungskur. Singen sie im Original noch ein paar lockere Songs auf der Fahrt in den Wald, ist hier kein Platz für solche Albernheiten und ist hier auf seine Art ähnlich verklemmt wie etwa Twilight oder anderes Teenie-Grusel-Gedöns dieser Tage.

Man kann diese Ernsthaftigkeit natürlich auch als Metapher lesen: In einer Welt, die nur noch aus schlechten Nachrichten, Wirtschaftskrisen und Anschlägen zu bestehen scheint, ist keine Zeit für Unfug.

*SPOILER*
Oft kritisiert wird am Remake auch das Fehlen eines Ash. Mich hat das Fehlen einer so ikonischen Figur gar nicht gestört… hätte man auch nicht schaffen können, glaube ich, und das wussten die ziemlich genau. Darüber hinaus war der in Teil 1 gar nicht so ikonographisch dargestellt. Sicher, die Hauptfigur, aber zum kettensägenden Badass wurde der erst in Teil 2. Das Remake hier funktioniert für mich auch ohne eine solche Figur und man kann ja mit zwei ausgedrückten Augen (haha, geddit?) durchaus argumentieren, dass das Final Girl der Ash dieses Films ist… wird man dann im Sequel sehen, was sie aus der Figur machen.
*/SPOILER*

Was man dem Film natürlich vorwerfen muss: Der Regisseur Fede Alvarez ist ein Anfänger und hat vorher lediglich ein paar Kurzfilme gemacht, unter anderem Panic Attack! aus dem Jahr 2009, den ich damals gebloggt hatte. Warum Raimi und Campbell ausgerechnet einen n00b – dessen Arbeiten jetzt halt auch nicht wirklich so outstanding sind – an so einen Meilenstein lässt, ist mir schleierhaft.

Das Remake weisst daher natürlich nicht Raimis Bildsprache und vor allem nicht die Kameraarbeit auf, die ja immer noch das Alleinstellungsmerkmal des Originals ist, trotz aller Gewalt und all dem Blut: Es war immer vor allem Sam Raimis damals ziemlich neue Überdrehtheit, die ja damals revolutionär war in ihrer ADS-heit, die verzerrten Closeups, die Kamerafahrten, die den Film zu dem Meisterwerk machten, der er ist. Und Alvarez ist nun beileibe kein Raimi.

Dass der Film im Vergleich zum Original enorm abfällt, ist keine Überraschung, trotzdem bleibt Evil Dead ein gutes Remake und die Practical FX geben dem Blutspektakel den nötigen Wumms. In Vergessenheit dürfte dieser Film – im Vergleich zu etwa dem durchaus gelungenen The Thing-Remake – alleine deshalb schon nicht geraten, weil bereits das Sequel in Vorbereitung ist und es gerüchtet, dass sich Sam Raimis eigene Fortsetzungen zu Army Of Darkness mit dem Plot der Remake-Sequels kreuzen sollen. Und das könnte tatsächlich noch ziemlich interessant werden.

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