Daft Punk – Random Access Memories (Review)

Das neue Album Random Access Memories von Daft Punk streamt seit heute für lau auf iTunes, ein Webrip davon gibt's bei den bekannten alternativen Distributoren. Ich hab's mir jetzt komplett angehört und sollte vielleicht vorausschicken, dass Funk jetzt nicht wirklich mein Sound ist. Das erklärt zumindest stellenweise, warum mir das Album sehr oft ziemlich egal ist und ich mindestens einen Track völlig furchtbare Kacke finde. Auf der anderen Seite hat das Album doch so viele grandios fantastische Stellen, dass ich RAM insgesamt gut finden kann, stellenweise brillant, aber eben durchwachsen.

Der erste Track Give Life Back To Music macht ziemlich egal rum, Nile Rogers langweilt sehr mit seiner herkömmlichen Funk-Gitarre, so sehr, dass ich ein paar Minuten bereits vergessen hatte, wie der Track nochmal ging. Kein gutes Zeichen für einen Album-Einstieg. The Game of Love ist eine nette Vocoder-Ballade mit Synths, die direkt aus einem Argento-Film stammen könnten.

Giorgo By Moroder reisst dann definitiv das bisher belanglose Geplänkel aus seiner Lethargie, überrascht mit Interview-Inhalten, dankenswerterweise in den Hintergrund gemischten Funk-Gitarren und einem fast schon hypnotischen Deep House-Ansatz, um dann mit einem völlig unwahrscheinlichen Break grandios zu überraschen. Dann nervt er leider wieder mit dämlichen Funk-Einlagen, nur um hintenraus den völligen Wahnsinn zu entfachen und zum ersten mal zeigt das Album hier seine echt herausragende Stärke: Die grandiose Drum-Arbeit von Quinn und wenn dann hinten raus die Iron Maiden-Gitarren da reinfetzen, sitzt man etwas ungläubig da, vor allem gemessen an den ersten beiden Tracks.

Within ist dann wieder so ein eher egaler Füller mit Vocoderrumgemache und Kuschelsound, Instant Crush angefunkter Pop mit Vocals von Julian Casablancas, ebenfalls durch den Vocoder gejagt. Da mag ich die Gitarre ja sehr, die an jeden 80s-Popsong erinnert, den man so kennt. Mag ich sehr gerne. Lose yourself to Dance ist ein Funk-Stomper mit Pharrell Williams-Vocals und im Refrain eine ziemliche Verbeugung vor Michael Jackson, gemasht mit dem für Daft Punk-typischen Umgang mit Samples, die Tonleitern hoch und runtergejagt werden. Toll!

Touch, gesungen und komponiert von Paul Williams (Love Boat-Theme, The Muppet Movie-Soundtrack, The Carpenters) ist ein komplexes, vielschichtiges, unhörbares Stück Scheiße von einem Song. Völlig furchtbare Melange aus Ragtime, Daft Punk-Sound, Saloon-Sound, Funk-Versuchen und Breaks. Ganz schrecklicher Genre-Mix. Get Lucky kennen wir alle, hab' ich geskippt, geht jetzt schon auf die Nüsse (dazu später nochmal mehr).

Beyond hat mehr von dem eher egalen Funkpopzeug, Motherboard ist ein atmosphärischer Break und ein netter Füller, und Fragments of Time ist für mich ein weiterer Höhepunkt des Albums. Hier haben Daft Punk einen echt tollen Chicago-Song aufgenommen, das Fuse Mag meinte, es wäre ein Hall & Oates-Song. Stimmt beides. Fragments of Time mausert sich grade zu meinem Lieblingssong des Albums. Und dann gibt dieser Killer hintenrum Gas, Quinn bearbeitet wieder seine Drums, der Funk funkt wieder angenehm im Hintergrund und alles wird gut.

Doin' it Right mit Panda Bear klingt so ein bisschen, wie wenn REO Speedwagon elektronische Musik machen würden. Also prinzipiell sehr toll, leider auch ein bisschen langweilig. Eher Füller. Und Contact ist als Rausschmeißer nochmal ein ziemliches Monster mit Space Mission-Samples, der den Sound des neuen Albums nochmal komplett abbildet, vor allem die – und ich will das echt nochmal betonen – fantastischen Drums von Quinn. Hintenraus baut der Track dann tatsächlich auch nochmal eine Brücke zum ganz frühen Daft Punk-Sound, damals 1995, als wir alle vor Da Funk standen, einem Weißmuster, das wir am Wochenende bei Hawtin im Heidelberger Club Normal gehört hatten, und wir konnten es nicht fassen, dass jemand so einen Sound ablieferte. Das kommt ganz am Ende, Percussion-Rave mit sehr viel Noise von damals. Und dann isses vorbei.

Ich stehe ein bisschen ratlos vor dem durchwachsenen Album, das ungefähr drei, vier Killer hat, mindestens drei egale Nummern und drei Füller und ein missratenes Drecksding. Und ich weiß auch jetzt schon, dass mir der Sound dieses ALbums in circa zwei Wochen sehr auf die Nüsse gehen wird, das ist allerdings bei allen anderen Daft Punk-Alben ebenfalls so gewesen. Ich halte deren Sound für fast schon extrem Kurzlebig, bin aber nicht sicher, woran das liegt, habe aber eine Vermutung.

Ich glaube, Daft Punk sind in ihrer Haltung und mit ihrem Rumgemache unheimlich prätentiös und packen ziemlich viel Bullshit rein, den der Sound einfach nicht wirklich hergibt. Wenn ich mir von Daft Punk zum Beispiel anhören muss, Motherboard wäre „a futuristic composition, referencing the year '4000'“ – was für ein Bullshit, das ist bessere Fahrstuhlmusik, die ich genau so kriege, wenn ich mich in der Fußgängerzone zwischen Esoterikladen und die Panflötenindianer aus Chile stelle. Aber ich will da mal nicht zu gemein sein, das Album ist mehr als gut und stellenweise tatsächlich irrer Wahnsinn, mit ein paar Ausfällen. Hören und kaufen wird man das Album so oder so müssen, an Random Access Memories führt dieses Jahr kein Weg vorbei. Überbewerten sollte man das Album (und Daft Punk) deshalb allerdings nicht.