Surfen mit der Telekom-Drossel

Gepostet vor 4 Jahren, 1 Monat in #Misc #Tech #Internet #NetNeutrality

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Patrick Hempel hat seine Leitung per Speed Limit auf die Geschwindigkeit des neuen Telekom-Internets runtergefahren: 384 Kbit/s. So ähnlich sah das mal aus, Mitter der 90er, als wir uns noch per Modem ins Netz gewählt haben und die Telekom will genau dieses 1996er-Netz als Zukunft des deutschen Internets verkaufen. Die einfache Idee zeigt: Das neue Internet-Angebot der Telekom ist kaputt, das funktioniert nicht.

Sven von Pop64 hat derweil vorgerechnet, wie schnell man im Jahr 2013 die Volumengrenze erreichen kann:

Sony bringt in diesem Jahr die Playstation 4 raus. Mit der PS4 geht Sony mit einem 4k Movie Download Store an den Start. 4k wird das nächste große Home-Entertainment Ding, die Filme haben eine erheblich höhere Auflösung als Blueray. Nachteil für neue Telekom-Kunden: EIN EINZIGER Film aus diesem Store ist ca 100 GB groß. […]

Die neue Playstation und die noch anzukündigene XBox sind jeweils echte Traffic Maschinen, werden wahrscheinlich beide auf Always On setzten und alles zum download anbieten. Spiele und Filme, Updates, online Gaming, dass erzeugt mehr Traffic als man erwartet. Das ist kein Nischenmarkt, Konsolen sind Massenprodukt.

Marcel Weiss hat sich auf Neunetz ein paar Gedanken über die Strategie hinter dem Vorstoß der Telekom gemacht, die mehr als einleuchtend sind:

Die verkündeten Telekomtarife sind der Versuch der Telekom, einmal zu schauen, wie weit sie gehen können. Sollten sie einen massiven öffentlichen Aufschrei mit Drohungen von Politikern als Reaktion bekommen, können sie dann immer noch so tun, als wären sie kompromissbereit und könnten die Geschwindigkeit nach der ‘Drosselung’ um ein Vielfaches erhöhen. Auf, sagen wir zum Beispiel, 10 oder 15 Prozent. Das wäre dann ein enormer Anstieg gegenüber 0,19 Prozent im schlimmsten Fall und würde dann wie ein Sieg der Kritiker aussehen.

Es würde aber nur so aussehen, weil die Telekom mit ihren ersten Drosseltarifen die Internetanschlüsse nach den Inklusivvolumen de facto lahm legen wollte. Der Sieger wäre die Telekom, die letztlich immer noch bekommt was sie will: Eine Welt, in der sie gesondert doppelt abkassieren kann, bei Internetanbietern und Endnutzern, und zum Kingmaker weil Gatekeeper des 21. Jahrhunderts wird.

Derweil hat die SPD bereits angekündigt, Netzneutralität in Gesetzform gießen und die Drosselung verhindern zu wollen. Allein: Nach den letzten paar Jahren als politische Wendehälse, die ihr Fähnchen grade netzpolitisch in den Wind gehängt haben und genau keinerlei Rückgrad bewiesen haben, vertraue ich dieser Partei kein Stück und diese Ansage ist freilich ausschließlich heiße Luft im Wahlkampf.

Bleiben nur die Piraten, deren Lauer sich mit seiner Telekom enteignen-Ansage zwar weit aus dem Fenster lehnt, die Aussage aber ziemlich einleuchtend verargumentiert:

Die privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Telekom erbt vom ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Post das durch Steuergelder finanzierte Telefon- und Glasfasernetz. Das baut die Telekom nicht aus. Der Bedarf an breitbandigem Internet steigt aber. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Das Netz ausbauen oder den Mangel verwalten und zum Geschäftsmodell machen. Die Telekom hat sich für letzteres entschieden. Während uns Länder wie Südkorea bei der Geschwindigkeit längst abgehängt haben legt die Telekom für Deutschland den Rückwärtsgang ein. Das ist ungefähr so, als würden wir der Telekom das Straßennetz geben, die lässt es dann verwahrlosen und führt dann eine Maut ein, um die Spuren benutzen zu können, die noch funktionieren.

Könnte gut sein, dass die Piraten mit dem Thema Netz-Neutralität und Drosselkom endlich ein Thema gefunden haben. Eine Petition gegen die Netzdrosselung durch die Telekom gibt's auf Change.org.

[update] Es gibt ein weiteres Video mit exakt derselben Idee plus Tool Drossl.

[update] spOnline: „Weil der Konzern das Internettempo ab einem bestimmten Datenvolumen drosseln will, wendet sich Wirtschaftsminister Rösler persönlich an Vorstandschef Obermann. Verbraucherministerin Aigner verlangt eine Prüfung.“

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