Update: Snake Cake Abmahnungen durch hgm-press Michel OHG

spOnline hat einen weiteren Artikel über hgm press und ihre Abmahnwelle, zuvor haben sie Ronny vom Kraftfuttermischwerk und mich zu den Schlangenkuchenbildern befragt. Der Artikel ist fair, die zitierten Stellen stimmen so und es findet sich unter anderem eine nette Chronik, die den Verdacht in diesem Fall erhärten, dass die Rechte wiedermal gekauft wurden, nachdem die abgemahnten Blogs die Bilder gepostet hatten.

Der Artikel nennt vor allem auch konkrete Zahlen: Die hgm-press bot das abgemahnte Bild auch Spiegel Online an – für 25 Euro, wahrscheinlich für eine monatliche Lizenz. Von Bloggern möchte die Agentur in Zusammenarbeit mit ihrer Kanzelei mehrere tausend Euro. Wer rechnen kann hat ab hier gewonnen. [update] spOnline hat die Stelle, in der sie die angebotenen Lizenzgebühren von 25 Euro nennt, gelöscht. Man findet die Aussage allerdings noch im Cache.

Ich veröffentliche hier nun zwei Dinge: Einmal meine komplette Anwort auf die Fragen von Ole Reißmann, die natürlich weit ausführlicher war, weit mehr Details enthielt und ein paar weitere unbequeme Fragen aufwarf, die hgm-press nicht beantworten kann oder will und die im Artikel von spOn leider nur angedeutet, aber immerhin angesprochen werden.

Außerdem veröffentliche ich ein Statement eines Mitarbeiters von hgm-press, das er an eine Freundin (Miss Cakehead hat’s auf ihrer Facebook-Seite gepostet) in England schickte. hgm-press beschuldigt darin implizit Blogger, sich „wie die Mafia“ zu verhalten und „allen Sinn für Menschlichkeit verloren zu haben“.

Hier zunächst das Statement der hgm-press:

We are a press agency founded in 1986. Since that time we have been selling photographs and articles to the main media outlets in Germany and worldwide. We represent the rights of hundreds of photographers and agencies. We are in no way “copyright trolls”, as has been defamatorily suggested by some individuals.

Over the past few years the number of unlicensed photographic material being used in Germany has risen dramatically. A lot of what were once private blogs have become more commercial; they began using professional advertisers, and have been increasing their reach and scope. In order to maintain this reach and to meet the needs of their readers, they have been helping themselves to material, on a daily basis and without permission, from a wide range of sources on the internet. Some of these blogs alone have stolen hundreds of photos from our photo portfolio, and the number is increasing.

This jeopardises and increasingly disrupts the sale of photo material and, as a result, the income and livelihood of a great number of photographers.

Many efforts to solve this problem directly have failed. As a result, we are now pursuing legal measures to deal with copyright licence infringements.

In the case of the Snake Cake the rights to sell and distribute the photos in Germany had already been transferred at the beginning of August. A number of websites then, over the following weeks and months, used these photos without obtaining permission or agreeing a licence fee. Furthermore, they did not use the share-function on Facebook, rather they copied the photos from the internet and then published them on their own portal. This is illegal, a licence is required to use the photos outside of Facebook.

The criminal energy involved in this enterprise, by the owners of these sites and blogs, is clearly reflected in the death threats that are now being made to the copyright holder of these photos. Whoever uses such methods to frighten and extort a copyright holder is behaving like the mafia and has lost all sense of humanity.

We will be making the media aware of this disgusting behaviour and are considering legal options. This whole affair has been set in motion through the targeted and calculated distribution of false allegations and bullying threats on Facebook, a blog and in emails.

 
 
Und hier meine kompletten Antworten auf die Fragen von Ole Reißmann von Spiegel Online:

- wurden Sie wegen dieser Bilder hier http://www.nerdcore.de/2012/08/08/this-snake-cake-is-no-amelanistic-burmese-python/ abgemahnt?
Nein.

- Und haben Sie auf der Facebook-Seite von North Star Cakes diesen Kommentar hinterlassen?

“No Comment on the fact that german users get sued for blogging your Snake Cake AND deleting my previous Comment on the Topic. The suing Agency is using a E-Mail from YOUR bakery as one proof. So I asume you are perfectly aware of the issue. I can asure you that I’m starting a Blog-Posting about this right now and this won’t end pretty.”


Ja.

- Haben Sie den Kommentar selbst gelöscht?
Nein.

- Was meinen Sie mit “this won’t end pretty” genau?
„This won’t end pretty“ ist ein geflügeltes Wort und steht für die Eskalation von Sachverhalten. Mit ihrem Verhalten auf FB hat die Dame suggeriert, dass sie mit dem Vorgehen der „Bildagentur“ (Anführungszeichen bewusst gesetzt, da das Geschäftsmodell in jüngster Zeit nicht als solches erkennbar ist) bekannt und einverstanden ist. Der AK Abmahnung, der im Hintergrund bereits an mehreren Projekten und Recherchen im Zusammenhang mit diesem und ähnlich gelagerten Fällen arbeitet, steht in Kommunikation mit der Dame, sowie weiteren betroffenen Künstlern und Kontakten im Ausland, vor allem in den USA und England. Wir befürchten, dass die „Bildagentur“ hgm-press unter zweifelhafter Vorgehensweise Nutzungsrechte für „Virale Bilder“ einholt, die meines Erachtens vor Gericht keinen Bestand haben. Unsere Recherchen haben ergeben, dass die „Agentur“ virale Bilder ermittelt und im Anschluss gezielt Rechte für diese Bilder anstrebt. Diese Rechte werden dann genutzt, um Abmahnungen gegen alle Blogs und Websites in Deutschland durch ihre Anwaltskanzlei auszusprechen, die diesem Bildern zum Erfolg verholfen haben, was man als gezielten und durchaus durchdachten Anschlag auf die komplette Netzkultur bewerten muss.

Es ist im jüngsten Fall äußerst bezeichnend, dass hgm press kein konkretes Datum für die Einholung der Nutzungsrechte für das Schlangenkuchenbild nennt. Der Verlauf der Abmahn-Historie dieser „Agentur“ zeigt, dass die Nutzungsrechte mindestens diffus sind und nicht konkret nachgewiesen werden, sowohl die genauen Daten der Rechteübertragung wäre hier extrem interessant, als auch Auskünfte über sogenannte Buy Out-Verträge mit den Künstlern, die zB im Fall des Lego-Künstlers Nathan Sawaya nicht vorhanden waren. hgm-press betreibt hier darüber hinaus gezielte Salami-Taktik und mahnt „ins Blaue hinein“ ab, ohne ihre sogenannte Aktivlegitimation nachzuweisen, wie auch Rechtsanwalt Jacob Metzler feststellte (vgl: http://www.rechtsanwalt-metzler.de/abmahnung/abmahnungen-activlaw-hgm-press/). Im Netzjargon ist die durchaus zutreffende Bezeichnung für ein solches Vorgehen “Copyright-Troll”.

- Die Bäckerei hat nun eine Nachricht diesbezüglich erhalten, in der die Vergewaltigung und Ermordung ihrer Tochter angekündigt wird. Was sagen Sie dazu?
Don’t feed the trolls und selbstverständlich distanzieren ich und wir uns ausdrücklich von solchen Drohungen. Es ist allerdings offensichtlich, dass hgm-press versucht, solche fragwürdigen Aussagen einzelner Trolle als Äußerungen der Bloggerszene darzustellen, um diese in Misskredit zu bringen.

- Haben Sie sonst Kontakt zur Bäckerei aufgenommen? Inwiefern?
Ich habe über eine Freundin in England, die ebenfalls durch virale Food-Pics im Netz bekannt ist (miss cakehead, u.a. Human Butchery für Capcom http://misscakehead.wordpress.com/), Kontakt zu North Star Cakes aufgenommen. Die Dame verweist auf einen Ansprechpartner von hgm-press, der NSC wohl eine Verschiegenheitsklausel aufgeschwatzt hat. Diese halte ich für genauso nichtig, wie die angeblichen Nutzungsrechte an viralen Bildern.

Mehr dazu bei Ronny: Neues von der hgm-press OHG: und jetzt geht es um eine Morddrohung

[update] Daniel: Abmahngeschäft?! Die Salamitaktik der Agentur hgm-press Michel OHG