spOnline über Cosplay-Abmahnungen und meine Replik auf die hgm-press Michel OHG

Gepostet vor 4 Jahren, 8 Monaten in #Misc #Politics #Copyright #Legal #LegalThreat

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spOnline schreibt über die jüngsten Entwicklungen der Abmahnungen durch die hgm-press Michel OHG und bezieht sich im Artikel auf mein Posting plus Statement der Bildagentur dazu: „Michel weist das zurück, spricht von 'Diffamierungen und verzerrten Darstellungen': 'Fakt ist, dass HGM Press in zeitlichem Vorlauf über die Rechte verfügt und nicht - wie in Blogs dargestellt - sich extra für Abmahnungen um die Rechte bemüht.'“ Weiter unten begründet die Agentur, warum sie keine kostenfreien Löschungsforderungen verschickt: „wir am Ende auf unseren Kosten und entstandenen Schäden sitzen geblieben und haben für die Verwendung keinen Cent gesehen“.

Da mir keine Möglichkeit gegeben wurde, darauf zu entgegenen, hier meine Replik: Fakt ist, dass die Michel OHG auf einer Tonne eigentlich monetär wertlosen Datenmülls sitzt. Wer kauft im Jahr 2012 die Rechte am Bild eines chinesischen Cosplays aus dem Jahr 2009? Keiner. Die Meldung ist tot, das Bild ebenso. Es handelt sich hier nicht um Fotokunst, sondern um einen Schnappschuss. Aber mit der deutschen Gesetzgebung und dem Procedere der Abmahnung lässt sich dieser Restbestand wunderbar kapitalisieren und aus unternehmerischer Sicht wären die sogar ziemlich bekloppt, hier juristisch ihre Forderungen nicht durchzusetzen.

Für die Weigerung, kostenfreie Löschungen zu fordern, habe ich nicht das geringste Verständnis. Es gibt genau keinen Grund, eine gerne auch scharf formulierte Mail mit knapper Fristsetzung nicht zu verschicken. „Sie haben 24 Stunden Zeit, das Bild vom Server zu löschen, ansonsten ist Schicht im Schacht und die Abmahnung folgt.“ Die Blogger, die ich kenne und die von dieser Serienabmahnung betroffen sind, leben online und kämen dem ohne zu zögern nach. Die Kosten beliefen sich auf die Herstellung einer Form-Mail (Zeitaufwand circa 5 Minuten), die dann durch die Praktikantin verschickt wird. Dazu eine Prüfung des Bilds am nächsten Tag. Das sind allenfalls Marginalien. Zusammen mit obiger Tatsache ergibt sich da allerdings ein eindeutiges Bild.

Weiterhin behauptet die Agentur, „in zeitlichem Vorlauf über die Rechte“ zu verfügen. Das kann im Einzelfall zutreffen, aber ich wette darauf, dass Blogs die Michel OHG zeitlich um mindestens Tage, wahrscheinlich aber Wochen, wenn nicht gar Monate, schlagen. Wenn eine Meldung aufpoppt, sind Blogger bzw. das soziale Netz heute nach wie vor schneller, als klassische Medien oder gar Bildagenturen, womit sich eben doch die Tatsache ergibt, dass Blogs eine Meldung groß machen und später dafür abgemahnt werden. Juristische Rechtmäßigkeit hin oder her: Das ist völlig und vollständig absurd!

Die OHG Michel mag im Einzelfall im Recht sein, Fakt ist dennoch, dass hier (mal wieder) die Realität des Internets mit den Mechanismen traditioneller Medien und ihrer Strukturen kollidiert. Die Abgemahnten sind hier – etwas zynisch formuliert – Kollateralschaden in den Copyright-Wars und am Ende wird der Staat neue gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen müssen, die der neuen Mediennutzung im Netz eine legale Grundlage schafft.

Deshalb muss schleunigst eine Fair Use-Regelung in Deutschland – besser noch als EU-Initiative! – geschaffen werden, die unter anderem genau solche Fälle von der rigiden Interpretation des Urheberrechts durch Unternehmen wie die hgm-press Michel OHG ausnimmt. Die Alternative ist die Kriminalisierung einer ganzen Generation.

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