Nazi-Rock auf der Schulabschlussfeier (Update)

Ich habe mich grade erst in das Thema eingelesen und mir sind dabei zwei Äderchen im linken Auge geplatzt. Im Video auf Vimeo (falls das runtergenommen wird, ich hab' ne lokale Kopie gezogen) sieht man einen Auftritt der Schulband der Realschule Kirchberg die auf der Aschlussfeier einer 10. Klasse einen Song von Marco Laszcz alias Sleipnir spielen. Sleipnir ist 'ne Nazi-Band und war auf einigen der NPD-Schulhof-CDs vertreten. Aus „Protest“ haben [edit: laut YT-Kommtar] einige Lehrer den Saal verlassen, die Aufführung war also [edit: anscheinend] bekannt und geplant und wurde von der Schule geduldet. Eine genau Zusammenfassung mit allen Details steht auf Meet in Montauk: Wenn alle mitsingen … – Rechtsrock auf Abschlussfeier. Für eine Bildungseinrichtung ist das ein Skandal.

Es ist eines, ob sich Schüler, vielleicht sogar eine Mehrheit der Schüler, für einen solchen Song auf ihrer Abschlussfeier entscheiden. „Jugendliche Naivität“ (Statement der Stadt Kirchberg) nehme ich denen sogar ab, es gibt halt auch jugendlich naive Arschlöcher. Schlimm genug. Es ist allerdings etwas völlig anderes, als Schule eine solche Aufführung zu dulden. Damit macht man sich die Ansichten und Botschaften der Nazi-Band zu eigen, das ist praktisch eine öffentliche Aussage in Form eines Songs – auch wenn der „nur“ toleriert wird. Das ist für 'ne Schule indiskutabel.

Die Bildungseinrichtung, die sich bislang zum Thema ausschweigt (!) hat nun nur zwei Optionen: Ein Statement als Entschuldigung und Einräumung eines Fehlers, sowie ein paar Tadel und Verweise, wie man das eben macht. Oder: Ein Statement, dass aussagt, dass man den Song eines Nazis bei den öffentlichen Veranstaltungen auch in Zukunft aufführen wird, aus Gründen der Toleranz und der Meinungsfreiheit. Und da die Stadt und die Politik eine solche Schule nicht dulden könnte, müsste sie geschlossen werden, was natürlich das Problem nicht löst. Aber: Es wäre das einzig richtige Statement.

Wir als Gesellschaft dulden keinerlei Nazi-Aufführungen auf öffentlichen Veranstaltungen von staatlichen Einrichtungen. Punkt.

[update] Statement der Schulleitung auf spOnline:

Der [stellvertretender Schulleiter der KGS] war dabei, als die Schüler das Lied der Nazi-Band sangen, und erinnert sich nicht daran, dass Lehrer aus Protest den Raum verlassen hätten. "Es gab während der Feier keine Diskussionen darüber", sagte Stoffel SPIEGEL ONLINE. Auch seien ihm persönlich weder das Lied noch die Band Sleipnir bislang bekannt gewesen. Man werde prüfen, wer für den Vorfall verantwortlich ist und versuchen, mit den für die Band verantwortlichen ehemaligen Schülern Kontakt aufzunehmen.

Vizeschulleiter Stoffel betont, die KGS Kirchberg habe bisher keine Probleme mit rechtsextremen Tendenzen unter Schüler gehabt. "Unsere Schule ist vehement gegen rechts, pflegt seit Jahren vielfältige Kontakte zu Partnerschulen im Ausland."