DMZ is no more

Gepostet vor 5 Jahren, 7 Monaten in #Misc #Comics

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Zwischen den Jahren erschien die 72. Ausgabe von Brian Woods DMZ, das letzte Heft eines der besten Comics der 00ers. Der Epilog ist ein ruhiger, melancholischer Nachtrag und eine Liebeserklärung an New York City zehn Jahre nach den Geschehnissen um die ehemalige De-Militarized Zone Manhattan.

DMZ gehört neben Walking Dead und Sweet Tooth zu den Comic-Serien, die ich am allerliebsten gelesen habe und ich habe hier im Grunde nur deshalb nie darüber geschrieben, weil ich erst sehr spät eingestiegen bin (bei Ausgabe 50irgendwas). DMZ war/ist eine inoffizielle Fortsetzung von Woods 98er Debut-Comic Channel Zero und wahrscheinlich die längste Auseinandersetzung eines Comics mit dem Amerika nach den Anschlägen des 11. September.

DMZ erzählt die Story von Matty Roth, der in der nahen Zukunft während des zweiten amerikanischen Bürgerkriegs bei einem Einsatz als Fotograf fürs Liberty News Network und deren Star-Reporter Viktor Ferguson im ehemaligen Manhattan – eben der De-Militarized Zone – stranded, nachdem ihr Heli nach der Landung überfallen und schließlich abgeschossen wird.

Hier trifft Matty auf Zee Hernandez, einer ehemaligen Krankenschwester und gerät natürlich zwischen alle Fronten, von denen es einige gibt: Auf der einen Seite steht die offizielle Regierung der USA, die die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren hat, aber immer noch über das Militär verfügt und skrupellose Söldner von Trustwell Inc in New York einsetzt, die freilich nichts anderes als die Blackwater Söldner im Irak darstellen.

Auf der anderen die „Free States“: Separatisten und Right-Winger. Matty trifft in der DMZ auf die Triaden, angeführt von Wilson, auf die Ghosts, ehemalige Soldaten, die die Überreste des Central Parks beschützen. Er paktiert mit Delgados Nation, einer militärischen Parteiorganisation der DMZ, deren Anführer Parco Delgado zum Bürgermeister gewählt wird und der mit einer Atombombe, besorgt mit der Hilfe Mattys und der Ghosts, die Regierung der USA unter Druck setzt. Matty wird Medienstar, Kriegsheld und Teil der unabhängigen Regierung der DMZ.

Wood spinnt in DMZ eine hochspannende, politische Story, die im Rückblick ein komplexes Stimmungsbild formt, das derzeitige Strömungen in den USA (Tea Party, OWS) auf die Spitze treibt und gnadenlos überzeichnet. In DMZ gibt es bis auf eine Ausnahme keinen einzigen Charakter, der unschuldig bleibt. Jeder benutzt alle, jeder ist opportunistisch bis zu Anschlag, die Motivationen der Figuren reichen von Selbstbereicherung bis Weltfrieden.

Dabei erzählt Wood immer wieder in Vignetten von Erlebnissen einiger Randfiguren (ein Graffiti-Writer oder ein DJ), denen er ganze Ausgaben widmet, Zee bekommt zwei oder drei Mehrteiler. Die Zeichnungen von Riccardo Burchielli und ein paar Gastzeichnern sind bis auf ganz wenige Ausnahmen sehr gut bis fantastisch und ich kann DMZ im Gesamtpaket gar nicht genug empfehlen, wer von albernen Superhelden in Strumpfhosen und Zombies die Schnauze voll hat und mal sequentielle Kunst lesen will, die tatsächlich etwas zu sagen hat und falls ihr dann DMZ tatsächlich noch nicht kennen solltet: Lesen, unbedingt!

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Hier ein Interview mit Wood zu Channel Zero, dem Quasi-Vorläufer von DMZ, die Website Live from the DMZ sammelt Interviews zu allen Sammelbänden (wird aber nicht sehr häufig geupdated), Brian Woods neues Comic The Massive über Polit- und Umweltaktivisten nach dem großen Crash beginnt im Januar mit einem dreiteiligen Prequel in der fantastischen Anthologie-Serie Dark Horse Presents, wann die eigentliche Reihe beginnt, weiß ich (noch) nicht. Außerdem kommt schon bald eine 25teilige Conan-Serie von ihm. Hier Woods Website, hier sein Tumblr.

Nach dem Klick ein paar meiner Lieblingscover, alle 72 habe ich grade in ein Flickr-Set hochgeladen: Brian Woods DMZ.

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