DC-Reboot-Standoff: Marketingbullshit in Tights

Gepostet vor 5 Jahren, 10 Monaten in #Misc #Comics #DCComics

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Ich habe die Postingserie zum DC-Relaunch mit ein paar Zeilen zu den Business-Aspekten dieser Aktion begonnen – und ich werde sie damit auch beenden, diesmal ohne „Superheldenbonus“ oder sonstigen Schnickschnack. Freilich war die Aktion ein Erfolg. Zwar muss man die Verkaufszahlen der folgenden Nummern abwarten und natürlich wird es da Einbrüche geben, aber: Alle 52 Hefte sind ausverkauft, alle bekommen 2nd Printings, manche dritte, Justice League sogar vier. Action Comics und JL haben beide in ihrer ersten Auflage die 200k geknackt, was für Superhelden-Comics sensationell ist. Sozusagen: Well done, DC! Einerseits.

Andererseits: Von den 52 Heften des Relaunchs waren (grob) ein Viertel wirklich schlecht, ein Viertel war banaler Blödsinn, die Hälfte des Rests war mittelmäßig bis nett, rund 13 Comics waren gute bis sehr gute Comics und nur eins von allen 52 Heften war wirklich so fantastisch, dass ich es auch ohne die Aktion des besten Comicladens der Welt tatsächlich hier im Blog besprochen hätte: Animal Man von Jeff Lemire. Für ein Superheldencomic fast schon experimentell, mit zwischen Minimalismus und WTF-Optik mäandernden Zeichnungen und einem Storytelling, das in einem Mainstream-Comic endlich mal neu war. Den Totalrelaunch von Supes in Action Comics hätte ich vielleicht auch hier erwähnt, wenn ich an dem Tag gute Laune gehabt hätte.

Und man muss sich natürlich fragen, warum der Reboot qualitativ so mies ausfiel und die Anwort auf diese Frage liefere ich schon in der Headline: Weil der DC-Relaunch nichts mit „For the Fans“ oder irgendetwas mit Kreativität oder gar Kunst zu tun gehabt hätte. Es war eine reine Marketing-Aktion um Aufmerksamkeit auf die DC-Serien zu lenken, das Re-Numbering alleine fängt natürlich schonmal Neu-Kunden ein, das wissen die natürlich. Man musste nicht mal alles neu machen, es reichte, in großen Buchstaben REBOOT draufzuschreiben, alles neu zu nummerieren. Viele der Serien sind reine Fortführungen der Storylines aus den vorangegangenen Nummern, die echten Neustarts sind rar: mir fallen da spontan nur Supergirl, Action Comics und Superboy ein… bemerkenswerterweise alle aus dem Supes-Umfeld (es gibt aber wahrscheinlich noch ein paar andere echte Reboots in den Serien, in denen ich mich auskenne oder/und die mich schlicht nicht wirklich interessierten).

Man muss aber hier der Fairness halber zugestehen, dass DC hier einen schwierigen Spagat zwischen „Don't piss the Fans off“ und „Make Accessible for new readers“ machen musste. Warum man aber gleich drei Supes-Storys neu erzählt und gleichzeitig nur eine der tausend Batman-Serien (Batwing, ein neuer Charakter, da war der Neustart ohnehin zwingend), ist mir ein Rätsel. Auch wirken viele Neustarts nur halbherzig. Dass die Storyline von Action Comics mit dem noch jungen, unbekannten Superman, der noch nicht im Vollbegriff seiner Kräfte ist, nur für ein paar Hefte erzählt wird, ist bereits angekündigt, bei anderen Serien dürfte das nicht anders werden. Ein Neustart ohne Arsch in der Hose, leider, und ein paar vergebene Chancen.

Und da habe ich mit Sexismus und plumpen, eindimensionalen Charakteren noch gar nicht angefangen. DC Comics hatte mit dem Relaunch echt eine Chance, Frauen haben's in Comics und in der Industrie drumherum nicht leicht. In den Comics selbst spielen sie allermeistens die Opferrolle, in der Industrie sind sie als ausführende Kreative äußerst rar. DC Comics hatte die Chance, das zu ändern und hat sie nicht nur vergeben, nein. Man kann diesen Neustart auch als Ohrfeige betrachten.

Muss man sich mal vorstellen: Batwoman hat's noch ganz gut, die wird nicht explizit gezeigt, geht ja auch nicht im puritanischen Amerika, weil lesbisch. Catwoman hat ihr ganzes Heft nichts anderes zu tun, als Brüste und Ärsche in die Panels zu halten und lasziv rumzumachen, was im Climax (!) mit Batman endet. Alle (!) weiblichen Charaktere sind Sex Worker oder ehemalige Stripperinnen oder sowas. Ach ja, ich vergas, Catwoman bekämpft ja böse Männer, die Frauen unterdrücken. Das liest sich nur leider genauso scheinheilig, wie Zack Snyders „Sucker Punch“. Und dann Starfire. Oh, DC, what have you done. Ein ehemaliger, für Comics relativ eigenständig agierender weiblicher Charakter wird zu einem dummen Alien-Sexspielzeug ohne Langzeitgedächtnis, das Befehle der Männer ausführt, die mit ihr rumficken. Kleine Jungs spannen sie am Strand aus und stellen Bilder von ihr ins Internet. Das und genau wortwörtlich das hat DC aus Starfire gemacht.

Das ist plump, billig und schlecht. Es ist eine Schande, nicht weniger und so viel mehr und alleine dafür gehört DC ihr glorioser Neustart nicht nur einmal, sondern hundertmal kräftig um die Ohren gehauen. Aus dieser Perspektive ist Batgirl praktisch das einzig lesbare Comic mit einer weiblichen Hauptperson. Nicht überraschend: Autorin von Batgirl ist Gail Simone. Ihre Heldin schläft im T-Shirt, ihre Mitbewohnerin ist „kinda an Activist“. Aber natürlich: Der Relaunch ist ein Erfolg, bis jetzt, und das auch nur aus der Perspektive der Marketing-Abteilung heraus. Kreativ hat DC, und das muss man so formulieren, kreativ hat DC Comics auf weiter Strecke schlicht versagt.

Ich bin sehr gespannt, wie sich der Neustart mittelfristig auf die Verkaufszahlen auswirken wird. Selbstverständlich lassen sich die derzeitigen Verkaufsrekorde nicht halten und wir werden sehen, ob und wie schnell alles auf das Vor-Relaunch-Niveau zurücksackt, mal zum Vergleich: Justice League dürfte dieses Jahr das bestverkaufte Superheldencomic werden mit alleine der Erstauflage über 200k, mit allen Prints zusammen wahrscheinlich weitaus mehr. Im Mai 2007 hatte die JLA 129.285 verkaufte Ausgaben, 2008: 90.035, 2009: 63.867, 2010: 62.465, 2011: 46.729 (via Comicsbeat). Der Markt für die JLA ist innerhalb von vier Jahren auf 30% zusammengeschrumpft und genau das ist der Grund für den Relaunch, wahrscheinlich ist er nichtmal auf DCs eigenem, sondern auf dem Mist des Mutterkonzerns gewachsen. Und dass da nur Zahlenschubser am Werk waren, das merkt man leider am Output.

Bis auf Animal Man, der war tatsächlich sensationell. Sogar sehr. Und er hat sich sogar ziemlich gut verkauft, soweit ich weiß. Hoffentlich bleibt das so und hoffentlich lernt DC daraus. Gönnen würde ich es ihnen.

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