Liar liar, pants on fire etc.

Gepostet vor 5 Jahren, 9 Monaten in #Misc #Politics #Psychology #TV

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Ich muss das grade mal für mich festhalten, kann gut sein, dass ich da was überinterpretiere und das alles nur Firlefanz ist, aber: Ich habe mir gestern Nacht erst bei der Wiederholung die Elefantenrunde nach der Wahl beim Jauch angesehen und da gab es diesen einen, kurzen Moment, in dem der Börsenfuzzi dem Rösler ins Gesicht gesagt hat, dass die Politik getrieben ist von den Großbanken an der Wall Street.

Als der ihm das gesagt hat, die Kamera war ganz nah an Rösler, Close Up sagt man dazu. Da hat der Rösler einmal genickt und dann, als er bemerkte, dass die Kamera auf ihn gerichtet war, sofort angefangen mit dem Kopf zu schütteln. Dann, als er begriffen hatte, dass beides Live zu sehen war, hat er ein Augenrollen angedeutet, als er dachte „Shit, fucked up big time (again)“. Dieser eine kurze Moment war ein Offenbarungseid für ihn und seine mediengeile Politikergeneration und zwar auf mehreren Ebenen.

1. Natürlich hatte der Börsenmensch in dem Moment die Wahrheit gesagt, alle wissen das. Ihr, Ich, Jauch, der Börsenfuzzi, Banker, Rösler, die komplette FDP, die Grünen auch – alle wissen das: Selbstverständlich ist Politik im Jahr 2011 von Wirtschaftinteressen getriebenes Regeln der Dinge. No news here. Aber sowas darf natürlich kein Politiker nie nie nie nie niemals zugeben. Nie! Niemals! Doch genau das hat der Rösler gestern getan, für ungefähr eine Sekunde lang. Als er bemerkte, dass das zu sehen war, hat er versucht das zu tun, was Politiker normalerweise besser können: Er hat gelogen. Und als er bemerkt hatte, dass beides nun alle (naja, ich zumindest) gesehen hatten, hat er sich gedacht: „Shit, fucked up big time (again)“ und rollte angedeutet mit den Augen. Brillant! Just brillant!

2. Diese Abfolge in seiner Mimik offenbart das Denken dieser Generation Politiker. Man bekommt in einem Dialog etwas gesagt, dann wägt man ab: Zustimmung/Ablehnung, Relevant/Irrelevant, Reaktion jetzt oder später etc. Hierauf folgt nun bei öffentlichen Auftritten und Ähnlichem, aber eigentlich grundsätzlich in jedem Dialog, unmittelbar die nächste Abwägung, die nicht zwingend mit der ersten Einschätzung übereinstimmen muss: Welche Antwort gebe ich darauf offiziell, welche Meinung darf/kann/soll oder gar: muss ich aus Gründen XY (Fraktionslinie, Gesetzgebung, Gesunder Menschenverstand, etc) nach außen zeigen, welche Haltung von mir darf zu diesem Thema in die Medien? Was dürfen/können/sollen/müssen die Leute sehen?

Diese oft anzutreffende Nicht-Übereinstimmung von eigener Einschätzung von Irgendwas mit dem, was offiziell nach außen vertreten wird ist typisch für die Generation Rösler, eigentlich aber generell für Politiker. Diese Generation aber ist in dieser Nicht-Haltung komplett Durchprofessionalisiert und Durchökonomisiert, this is why they so so hard suck dicks in hell. Das ist wie der Plattenboss, der im Job gegen P2P wettert, in der Rente aber zugibt, dass das eigentlich super ist.

Die Generation Rösler hat keine Haltung und kein Rückrat, sondern zeigt nur eine Maske, es sind Marionettenspieler und wir sollen nur die Puppen sehen. Gestern hat mir der Rösler für zwei, drei Sekunden einen Blick hinter die Kulissen gewährt, er weiß es, ich weiß es und ihr wisst es jetzt auch. Ob aus Unerfahrenheit oder Doofheit sei dahingestellt, wahrscheinlich war er einfach nur fertig und hatte einen richtig beschissenen Abend, wir haben ja alle mitbekommen, was da los war gestern mit der FDP, ich verstehe allerbestens, dass man dann nicht so richtig auf der Höhe ist. Und ich will dem Herrn Rösler dafür echt danken, ganz ohne Häme, für den Einblick in den Denkprozess der da stattfindet. Aber wahrscheinlich spinne ich mir das alles sowieso nur zusammen, was weiß ich schon.

Jedenfalls: Caught in the act. Liar liar, pants on fire. Etc.

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