DC-Reboot #1: Justice League

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: Justice League #1 und den Schlußpunkt des alten DC Universums nehme ich auch gleich mit: Flashpoint #5.

Zu Beginn muss ich zum DC Reboot erstmal folgendes loswerden: Eigentlich geht es hier nicht um „Reboot“ oder „Neu-Nummerierung“ oder sowas, das ist alles nur Schnickschnack und nette Augenwischerei, aber tatsächlich geht es um DC Comics Digital und die Synchronisierung der Erscheinungsdaten der Comics (bislang wurden die Print-Versionen der Hefte ausgeliefert, bevor die Comics digital bei ComiXology zu kaufen waren). DC setzt nun noch stärker auf die Digitale Distribution, was dem Format des Heftcomics natürlich ziemlich gerecht wird, auch wenn das den Comicläden nicht gefällt.

Vor allem interessant in diesem Zusammenhang ist, dass DC seine Online-Aktivitäten im Print kaum bewirbt, verglichen mit dem Getöse um Flashpoint und dem Neustart. Wahrscheinlich wollen sie testen, wie sehr sich ein solch massiver Event ohne weiteres Zutun online verkauft. Jedenfalls, so sehr ich diesen Neustart drehe und wende, ich kann ihn nur als das bewerten, was er ist: Eine Business-Entscheidung. Die Verkaufszahlen fallen seit Jahren, die Auflagen sind im Laufe der letzten fünf Jahre stellenweise auf ein Viertel zusammengebrochen. DC geht der Arsch auf Grundeis, ihnen brechen die Leser weg und sie brauchen dringendst neue, deshalb der Reboot. Der Rest ist Schnickschnack und leider merkt man dem Ergebnis an, dass es eine geschäftliche Entscheidung ist, und keine kreative.

Falls Ihr das Flashpoint-Event nicht gelesen habt, hier ein grober Überblick: The Flash wacht eines Tages in einer Welt auf, in der Bruce Wayne getötet wurde und sein Vater an dessen Stelle als Batman in Gotham rummacht, Superman landete mit seinem Raumschiff nicht irgendwo in Kansas auf dem Land, sondern krachte mitten in Metropolis runter, was zehntausende Menschen das Leben kostete und Supes als gefährliches Alien seitdem in einer unterirdischen Anlage eingesperrt ist und Aquaman im Krieg gegen Wonderwoman halb Europa im Meer versinken lässt. Nettes Event, die alternativen Szenarien machten Spaß und alles lief darauf hinaus, dass The Flash die Zeitlinie irgendwie wieder hinbiegt und daraus das neue DC Universum entsteht. Flashpoint war insgesamt nett mit zwei herausragenden Storys (Project Superman und Gorilla Grodd als blutiger Eroberer von Afrika), ausgerechnet das Ende fand ich allerdings recht enttäuschend.

Superman bekommt ein eigenes Spinoff innerhalb des Events und wird als zentrale Figur aufgebaut, nur um im letzten Heft in zwei Panels abgehandelt zu werden. Flash rennt sich den Arsch ab, um die Timeline wieder gradezurücken und dann macht es dramaturgisch nichtmal plöpp, und wir haben ein neues DC Universum. Wären die letzten Seiten nicht mit einer wirklich bewegenden Story um Batman, so müsste ich die Auflösung von Flashpoint als große Enttäuschung bezeichnen. So bleibt es bei einem „Ach naja“.

Und dann jetzt eben Justice League #1.

Grandioser Auftakt, das Szenario des von der Polizei gejagten und noch gänzlich unbekannten, im Untergrund agierenden Batman ist beinahe schon fantastisch und böte Platz für jede Menge frischer Storys – leider macht Geoff Johns daraus genau gar nichts, stattdessen nimmt er seinen Lieblingscharakter, die grüne Leuchte, der lameste Superheld, der jemals in ein Comic gedruckt wurde, und gibt ihm viel zu viel Raum als besserwisserischer Vollidiot („Note to self, Batman: Green Lantern can handle anything.“ Uhh!), der mit Batman in albernster Weise rumdiskutiert. Die Dialoge in der ersten Justice League-Nummer sind furchtbar, der kurz vorgestellte Cyborg, der einzige schwarze Superheld bei DC, ist ein reines Klischee (schwarzer Ausnahme-Footballer mit Vater-Problemen). Der erste Auftritt von Supes ist okayish, Batman rockt.

Wenn mir Comics ein bisschen egaler wären, könnte ich sagen: Joa, nett. Aber da mir Comics nicht egal sind, muss ich zum Reboot bislang sagen: Schwach. Strenggenommen sogar sehr schwach. Die Auflösung des Universums ist beknackt und müsste viel breiter zelebriert werden, die erste Nummer beginnt mit einer fantastischen Exposition, aus der die Autoren allerdings genau nichts herausholen. Neustart? Not so much. Die Zeichnungen sind ebenfalls nicht der Rede werd, sie sind natürlich okay, aber völlig unüberraschend, fast schon spießig und bieder.

Das ist alles viel zu zahm und lauwarm, DC traut sich entgegen der vollmundigen Versprechungen gar nichts und ob Supes nun eine rote Unterhose trägt, ist angesichts der schwachen Storys wirklich nebensächlich. Ich bin gespannt, wie das alles weitergeht, denn die interessantesten Charaktere kommen ja noch, ich bin extrem gespannt auf Jeff Lemires Animals Man, auf Swamp Thing und die neuen Action Comics. Aber der Auftakt war leider vor allem: enttäuschend.

Badass Digest bringt's in diesen zwei Absätzen auf den Punkt:

There’s art and there’s commerce. Sometimes the two meet. Sometimes commerce brutalizes art and you end up with the reboot of the entire DC Universe, which begins today in the pages of Flashpoint #5 and Justice League #1. […]

It’s the first issue of a new universe in the age of stories written for the trade paperback; while the eventual full storyline may read well and be great, this first issue is essentially worthless on its own. It’s doubly worthless when you take into account the commerce-driven aspect of it, with DC sponsoring midnight sales and ads being targeted to non-comic readers. I can’t imagine a non-comic reader who drops three or four bucks on this issue would be all that enticed into coming back for more. After all, even the non-comic reader knows what’s going to happen and the first issue doesn’t set up much of a threat. At the end of the comic I didn’t feel myself asking ‘What’s next?’ I felt myself asking ‘That’s it?’

Mehr Reviews bei Marco, Nilz, Nerd2.0, Ein Comicleben und Ti_Leo.

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Further Reading:

New York Times: Heroes Take Flight, Again „Within the DC universe, this new status quo is the result of efforts by the fleet-footed Flash to alter the course of history. But in the real world it is a last-ditch plan to counteract years of declining sales throughout the comics business.“

Comicbook Resources: TILTING AT WINDMILLS: DC Comics, comiXology & Comic Stores: „The deal with comiXology is a complete inversion of how the business currently works. comixOlogy is the retailer, and the DM retailers are just -- hmm, what's the best analogy? An introduction service, I guess is the one? Only, matchmakers and headhunters? They often make hundreds of dollars per client. We're being offered 15 cents, on the low-end.“

Funnybook Babylon: The Flashpoint Death Toll: Remembering the Fallen: „Aquaman sinks the majority of Europe, including Germany, France, Belgium, the Netherlands, Italy, Spain, Portgual and parts of Austria, the Czech Republic, etc. (Death Count: Let’s be conservative and say 300,000,000), Wonder Woman raises the United Kingdom up to form a mountain fortress, systematically exterminates all males, apparently kills a lot of women in work camps/Mengele experiments too (Death Count: 30,000,000 males, presumably a few million females)“

USA Today: DC Comics prepares for a 'sea-change' digital moment: „At 2 p.m. ET on Wednesday, DC Comics will make a historic step forward in digital comics. That is the time when Justice League No. 1, the first issue of DC's "The New 52" relaunch, is available digitally. It will be just the initial comic, though, of DC's entire superhero line that from now on will appear online and on apps the same day as they're in comic-book shops.“

Village Voice: Marv Wolfman on What's Got To Die For a New DC World To Live: „This happened by accident in the past: Comics were created in 1938 with Superman. About 25 years later, between 1956-1961, the Silver age was created with no direct regard for what happened before. About 25 years after that, I did Crisis with George Perez and that once again updated the DCU. And now, 25 years after Crisis the New 52 has been launched.“