Daytripper: Existential Story of Life, Love and hundreds of Deaths

Gepostet vor 5 Jahren, 9 Monaten in #Kultur #Comics #Review

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Ich habe gestern Nacht das Comic Daytripper von Gabriel Ba und Fabio Moon fertiggelesen.

Mehr ist mir bis vor ein paar Stunden nicht eingefallen, was ich zu diesem Comic hätte schreiben können, außer vielleicht noch: „Und ich überlege tatsächlich, ob es das beste Comic ist, das ich jemals gelesen habe.“ Das hätte Preacher, DMZ und sowieso alle Superheldencomics mit eingeschlossen und nachdem ich gestern Nacht das Buch schloß, wischte ich mir ein paar Tränen aus den Augenwinkeln und starrte ungefähr fünf Minuten ins Dunkle. No shit, for realz. Denn was die beiden Zwillinge aus Brasilien mit diesem Band erschaffen haben, ist für ein Comic tatsächlich sowas wie ein gar nicht so kleines Wunder (no pun intended, auch wenn Ihr das später im Text vermuten könntet).

Daytripper erzählt die Geschichte von Bràs de Oliva Domingos, dem Sohn eines berühmten, kulturell so richtig wichtigen brasilianischen Autoren. Bràs hadert selbst mit einer Schriftstellerkarriere und arbeitet in einer Lokalzeitung, wo er Nachrufe auf Verstorbene verfasst. Und so denkt er viel über den Tod, Existenz, das Leben und seinen übermächtigen Vater nach, während seine Mutter ihn nur „Kleines Wunder“ (see?) nennt, aufgrund eines Vorfalls während seiner Geburt. Als Bràs nun eines Abends, bevor er eine Gala zu Ehren seines Vaters besuchen will, in eine Bar einkehrt, stürmt ein Neffe des Barbesitzers in den Raum, raubt das Geld aus der Kasse, erschießt seinen Onkel und auch Bràs. Damit endet das erste Kapitel und das zweite beginnt, in dem Bràs einige Jahre zuvor auf Reisen in Salvador auf Olinda trifft, die ihm später das Herz brechen wird.

Das komplette Comic ist so aufgebaut, in insgesamt 10 Kapiteln erzählt es Vignetten aus Bràs Leben, jede endet mit seinem Tod. Das Comic erzählt all das in nicht-chronologischer Reihenfolge und springt munter in seinem Leben umher, wir erleben seinen ersten Kuss, sein gebrochenes Herz, das erste Treffen auf Jorge, seinen besten Freund in einem, und dessen Wahnsinn in einem anderen Abschnitt. Wir treffen auf Göttinnen aus dem Wasser, wie er seine Frau zum ersten Mal trifft, die Geburt seines Sohnes, den Tod seines Vaters, beides geschieht in derselben Nacht im selben Krankenhaus. Spoilerwarnungen sind hier nicht wichtig, denn die Story selbst ist relativ banal und „nur“ die eines recht gewöhnlichen jungen Mannes, der in Brasilien aufwächst und lebt. Die Magie, und ich benutze dieses Wort absichtlich, entfaltet sich beim Lesen dieses Buchs.

Was Gabriel Ba und Fabio Moon da erschaffen haben, formt sich während des Lesens zu einem Wirbelsturm aus Liebe, Tod, Zweifel, Einsamkeit, Familie, Freundschaft und alle Kleinigkeiten, die das ausmacht. Die Story springt in seinem Leben herum, erzählt von allen Freuden und Leiden, allen Erinnerungen, die wichtigen Momente, die guten und die schlechten. Das ergibt zusammen mit der (durchaus gebrochenen) Formel der zehn Kapitel mit dem tödlichen Ende eine Mischung, die man einmal beginnt zu lesen, und nicht aus den Händen legen kann, bis man das Buch zuschlägt – und das vielleicht wichtigste: Das alles hört sich sehr schwer an und sehr episch. Die Kunst dieser Geschichte ist es aber, all das sehr einfach zu erzählen, träumerisch, leichtfüßig. Ein kleines Wunder.

Tatsächlich: Als ich das Comic las, fühlte ich mich manchmal wie Bastian aus Der unendlichen Geschichte, der auf dem Dachboden das Buch gleichen Titels liest und vor lauter Staunen den Mund nicht zubekommt. This Comic actually made me a kid again. Und alleine dafür verneige ich mich vor Gabriel Ba und Fabio Moon.

Und von den Zeichnungen habe ich noch gar nicht angefangen: Großartiger Strich, wunderbar coloriert, an den richtigen Stellen trippy begleiten sie diese träumerische Geschichte, bis man wirklich jeden Halt verliert und vollständig in dieses Buch gesaugt wird. Daytripper ist vielleicht das beste Comic der letzten zehn Jahre, vielleicht sogar das beste überhaupt und ich ringe wirklich mit den Worten, um das Teil hier zu beschreiben. Daytripper ist eine Erfahrung, die man so schnell nicht wieder loswird. Oder wie das Review auf Comics Alliance abschließt:

In comics journalism there's a tendency to hail every enjoyable work that comes along as the most awesome thing ever, to the point where that kind of hyperbolic speech is the norm. While it's not awful that we're so excited by our medium, its fans, and its creators, this approach does often mean that in those rare moments when something truly special appears, we can't adequately describe it. The words we would ordinarily use have been devalued.

Daytripper is one of those books we should set aside specific adjectives for, to be used only when a book this incredible is created. It is an intense work that draws readers into their own moving and deeply personal journey as they follow Bràs on his.

[update] Hier noch ein Video-Review von The Totally Rad Show, die nochmal ein paar andere Punkte ansprechen, aber zum selben Ergebnis kommen: „It's Watchmen, Preacher and this.“

Ja, ich meine das alles genau so und dieses Posting wird diesem Comic dennoch nicht gerecht. Und jetzt legt alles hin, lauft – Nein! –, rennt in den nächsten Comicladen und kauft dieses Buch. Es könnte vielleicht Euer Leben verändern. Seriously. This. Und jetzt lese ich Daytripper einfach nochmal.

Amazon-Partnerlink: Daytripper

Nach dem Klick noch die Cover der zehn Einzelhefte sowie die beiden Seiten, die den ersten Kuss Bras zeigen, was ein kleiner Spoiler ist, aber ich pack den ganz ans Ende, einfach überspringen und nicht hinsehen.

***KISS-SPOILER!***
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