Karate, Musik, Freibier

Gepostet vor 6 Jahren, 14 Tagen in #Misc none

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Ich bin ja sehr oft sehr fasziniert von den skurilen Schätzen, die sich immerwieder so auf YouTube finden lassen. Dazu muss man manchmal ein bisschen graben, aber dann kommen ganz schnell Sachen an die Oberfläche, die selbst mir den Mund nur noch offen stehen lassen. So wie mein heutiges Fundstück. Unglaublich sag ich euch, unglaublich. Deswegen diese kleine Vorbemerkung: Ihr müsst die folgenden Videos nicht ansehen. Nicht in voller Länge. Aber ihr bringt euch um eine Menge Spass und um den Hauptaspekt für den hier vorliegenden Eintrag. Deswegen würd ich es mir an eurer Stelle genau überlegen. Wer ein Video nicht ganz, oder womöglich gar nicht guckt und einfach nur den Text weiterliest, der spoilert sich fies. Nur so als Warnung. Los gehts:

Ich habe überhaupt keine Ahnung von Karate. Nicht den Hauch einer Ahnung. Aber was der ältere Mann hier am Strand so treibt, das sieht für meine Laienaugen recht überzeugend aus. So als wüsste er tatsächlich, was er da tut. Find ich ja dann erstmal cool. Hu! Ha!


[YouTubeDirektCaine]

So weit, so gut. Ich hab also dieses und ähnliche Karate-Videos von diesem User, der übrigens Robert heisst, gesehen und fand das alles ganz okay. Nicht aufregend, aber okay. Der hat da mehrere gemacht, scheint also sein Steckenpferd zu sein. Vielleicht ist er ja sogar Karate-Trainer, man weiss es nicht. Was ich aber kurz darauf lernen sollte, war, das Karate nicht seine einzige Leidenschaft ist...Im folgenden Video führt er uns ein (weiteres?) Hobby vor, vielleicht einfach erstmal gucken, so ganz unvorbelastet:


[YouTubeDirektRoyElvis]

Verschiedene Faktoren machen dieses Video natürlich zu einem Instant Classic: Diese Statue, das Westernhemd, das niedliche Cover, die technisch versierte "Covereinblendung" und last but not least die Tatsache, das er sich den Stuhl und das Mikro wirklich so hingestellt hat, das er mit dem Rücken zur Kamera sitzt. Das hat mir schon die Sprache verschlagen. Aber ich bin ein mutiger YT-Klicker. Ich gebe nicht so schnell auf, möchte mehr lernen, mehr erfahren.

Aus dem schüchternen Cover-Entchen ist ein stolzer Pop-Schwan geworden, der jetzt sogar einen Song selbst geschrieben und komponiert (nun ja, mit GANZ leichten Stones-"Anleihen") hat, den er uns stolz präsentiert. Und zwar keinen Song über das übliche Liebeskummer-Schmerz-Gefasel, sondern über ein essentielles Thema unserer Zeit: Der Bahn!


[YouTubeDirektBahncard]

Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber ich kriege die Zeile:
"Bahncard, ich brauch die Bahnfahrt! Was nützt die Banhcard, wenn die Bahn nicht fährt?"
nicht mehr aus dem Kopf. Robert nimmt seine Popstar-Aufgabe aber ernst, er will ein Star für alle sein, weswegen er noch gleich die "Blues-Version" seines Hits "Sei pünktlich, Bahn" hinterherliefert:


[YouTubeDirektNochmal?]

Na? Noch dabei? Ich bin ehrlich gesagt unglaublich verwirrt, ein kleines Bisschen verängstigt und SEHR begeistert. Da hat der doch einen tollen Song geschrieben, den ich in seinem fordernden Reimschema auch als ungewöhnlich komplex in seiner Songstruktur empfinde. Ein unglaubliches Werk. Ob dieser Protest, der sich ja sehr versöhnlich gibt, jemals bei der Bahn Anklang findet, ja, ob er überhaupt jemals da ankommt, ist mir unbekannt. Vielleicht ist das aber ja auch gar nicht wichtig.

Zäsur: Der Fan asiatischen Kampfsports wird im März erschüttert, als er durch die Medien Zeuge der Katastrophen in Japan wird. Und schnell wird ihm klar, das er etwas tun muss. Er muss aktiv werden, einfach nur spenden reicht ihm nicht. Und dann hat er offenbar die Idee gehabt, einen Song zu schreiben, der seine Solidarität mit Japan kommuniziert und versucht seiner Ohnmacht und seinen schlimmen Vorstellungen, die Katastrophe betreffend, Herr zu werden. Er schreibt den deutschsprachigen Song "Tsunami came", welchen er aber praktischerweise in dem dazugehörigen YouTube-Clip gleich auf Englisch übersetzt hat. Als Service, sozusagen. Ihr haltet es nicht mehr aus? Hört, das echte Männer ihre Gefühle problemlos zeigen können! Hört das Lied, das das Grauen eines atomaren Zwischenfalls wie kein zweites beschreibt:


[YouTubeDirektWasNunWasNunWaaaaasNuuun]

"Tsunami kam - rette sich wer kann!". Welch Liedzeile. Welch brachiale Wortakrobatik, um dem gesehenen Grauen eine Stimme zu verleihen. Abgesehen von der lyrischen Grandezza dieses Solidaritäts-Traktats, ist euch noch was aufgefallen? Ja? Kompositorisch ist das ja nunmal mindestens "interessant", so im Vergleich mit "Sei pünktlich, Bahn". Aber gut: "Bahn" reimt sich ja auch auf "Japan", da kann sich die Melodie der Lieder ja auch ruhig "reimen".

"Tsunami came" ist ein Überraschungserfolg für Robert. Ich würde ihm mit Sicherheit kein Kalkül a la Major-Plattenfirma unterstellen, die bei Katastrophen schnell ihre Künstler für Charity-Quatsch ranzerren, um eine Spendenplatte aufzunehmen und aber gleichzeitig die dazugehörige Promo abzugreifen. Zynisch. Und das ist Robert nicht. Dennoch: Sein Japan-Lied hat über 1000 Zugriffe bei YouTube, jetzt ans aufhören zu denken wäre Irrsinn. Anscheinend wird er gehört und will gehört werden. Also gebe man den Menschen doch, was sie verlangen: Einen neuen Song. Und dafür hat er mal wieder in die Trickkiste gegriffen, denn das neue Lied handelt von.......

MALLORCA! Ein Sommer-Party-Song mit dem schon vielversprechend klingenden Namen "Freibier"! Wessen Finger da nicht zuckt, sofort "Play" zu drücken, dem ist wohl kaum noch zu helfen. Ausserdem heisst es in Klammern, hinter dem Songtitel beim Video: "(WM 2011)". Also auch noch ein Lied für die Frauenfussballweltmeisterschaft! Wie grossartig! Das will ich sofort sehen! Und da ist es auch schon:


[YouTubeDirektFreibier]

Schöne, romantische Zeilen wie "Bier muss laufen - Koma saufen" machen den Song zu einer Ode an die Liebe auf den Balearen und dann dieses Video, erstmalig mit Tänzern und mit einer Flugzeug-Szene mit irren Effekten und.........es ist nicht zu fassen. Ihr glaubt nicht, wie sehr ich gelacht habe. Ich konnte es einfach nicht glauben. Ja, es ist schon wieder exakt die gleiche Melodie. Der schreibt zu einer einzigen Melodie erst einen Song über die Bahn, dann über Fukushima und dann noch über Freibier? Abgesehen von der unglaublichen Chuzpe: Ist das nicht von einer so unglaublichen Unglaublichkeit, das es nicht zu glauben ist? Ich lache den auch gar nicht aus, ich finde das bewundernswert, das der das macht, aber vor allem WIE der das macht! Warum hängt der so an dieser einen Melodie? Das ist doch der Wahnsinn!

Für mich ist Robert ein Star, für mich gehört der ins Fernsehen, ins Radio, auf CD. Der soll Millionen Klicks kriegen. Ich möchte eine Platte von dem haben, am Besten mit allen drei Songs drauf und ich entscheide dann nach Stimmung, welche Version ich gerade hören möchte.

Vom Karate-Chef zum Pop-Star. So werden Karrieren gemacht. Auch noch im Alter, Alter!

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Nilzenburger schreibt vielleicht nie viel, aber lang. Und verliert sich viel zu oft in den Untiefen von YouTube.

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