Sons of Anarchy

Nachdem ich neulich gleich zweimal von der Serie „Sons of Anarchy“ gelesen habe und die erste Staffel der Serie nun ohnehin schon seit mehr als einem Jahr ungesehen hier rumfliegt, habe ich mir vorgestern mal die ersten drei Folgen angesehen, weil es ja generell immer so drei Folgen braucht, bis man wirklich weiß, ob einen eine Serie packt. Dann habe ich mir den Rest (am Stück) angesehen, habe mir den Rest besorgt, heute Nacht die zweite Staffel (am Stück) angesehen und die dritte läuft grade.

„Sons of Anarchy“ erzählt die Geschichte der Bikergang um die Teller-Morrow Familie und hier speziell die von Jackson „Jax“ Teller, dem Vize-Präsidenten des Clubs und Stiefsohn des Anführers Clay Morrow, gespielt von Ron Perlman, und seiner Frau Gemma Teller, gespielt von Katey „Peggy Bundy“ Sagal. Es geht natürlich um Bandenkriege, Drogenhandel, persönliche Dramen aller Art und immer wieder um den Konflikt zwischen Stiefvater und Sohn. Die Storylines sind nicht wirklich originell, dafür aber gut und ausführlich und mit Blick für Details erzählt, es fehlen aber merklich originelle Twists und ungewöhnliche Settings, alles bleibt im Rocker-Klischee verhaftet.

Die Figuren sind nicht wirklich vielschichtig, beinahe schon platt, aber detailiert ausgearbeitet. Die Oberflächlichkeit dieser sympatischen, aber eben etwas eindimensionalen Figuren wird ausgeglichen von einem gut bis sehr gut spielenden Ensemble, am auffälligsten natürlich Ron Perlman, der hier seine Macho-Nummer aus Alien 4 und Hellboy im Bikeroutfit abzieht. Passt selbstverständlich. Und alleine die Nebenfigur der smarten, toughen und heissen Agentin June Stahl ist für mich beinahe schon die ganze Serie wert.

Was tatsächlich auf die Dauer etwas nervt, ist das ständige Verweilen in einer absoluten Ernsthaftigkeit, schräge Einfälle oder gar Humor im Drehbuch sucht man hier vergebens. Wo man in den Vorbildern (Sopranos, Breaking Bad) immer wieder mit absurden Momenten glänzte, bleibt „Sons of Anarchy“ immer bierernst, beinhart, immer mit kratziger Stimme, immer Outlaw, immer hart und immer voller Gewalt, durchbrochen von liebevollen Momenten. Das nimmt der Serie einen gewissen Drive, den andere Serien alleine schon durch ihre Plots haben (Forensiker als Serienkiller, Chemielehrer als Methkoch) und macht sie leider etwas schwerfällig, was vor allem dann auffällt, wenn man sie wie ich grade in ein paar Tagen am Stück ansieht.

Dennoch und trotz (oder vielleicht sogar wegen) aller Kritikpunkte (die harscher klingen, als sie gemeint sind) kann ich „Sons of Anarchy“ nur empfehlen. Mehr als solides Gangster-Drama im Bikergang-Milieu mit Lust an Gewalt und ohne das geringste Lächeln im Gesicht, aber dafür mit Herz und Blut. [update] Huch, in Staffel 3 habe ich grade tatsächlich einen augenzwinkernden Moment gesehen! Tut der Serie sehr gut: „Maybe you go Redhead for a while“ – „Christ! I'd rather shave my head!“ In Anspielung auf Katey Sagals Rolle bei den Bundys.

Die ersten beiden Staffeln gibt's bei uns als Import auf Blueray und DVD, Amazon-Partnerlink: Sons of Anarchy


(Youtube Direktanarchy)